Kongress
Biodiversitätskonferenz: Lebensmittelbranche sucht nach gemeinsamen Lösungen
LEH und Bio-Verbände verständigen sich auf Roll-out-Strategie
© Cédric Puisney Photography
Wie lässt sich der Schutz der biologischen Vielfalt wirksam in der Lebensmittelwirtschaft umsetzen? Darüber diskutierten rund 140 Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Verbänden bei der Biodiversitätskonferenz am 6. und 7. Oktober in Brüssel. Ein Schwerpunkt war die neue Roll-out-Strategie des Vereins Food for Biodiversity, die dazu beitragen soll, Biodiversitätskriterien fest in Lebensmittelstandards und Beschaffungsvorgaben zu verankern.
Gesetze und Förderprogramme allein reichen nicht aus, um den Verlust der biologischen Vielfalt aufzuhalten. Die Lebensmittelbranche müsse sich mit ihren Partnern entlang der Lieferkette gemeinsam engagieren – so eine zentrale Botschaft der Konferenz ‚Fit for Biodiversity – Solutions for the Agri-Food Sector‘.
Klimaschutz und Biodiversitätsschutz müssten stärker zusammengedacht werden, betonte Stephanie Finkbeiner, Geschäftsbereichsleiterin Nachhaltigkeit/CSR bei Edeka. Der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen sei für die Lebensmittelwirtschaft eine Investition in die langfristige Versorgungssicherheit. Um Biodiversität stärker in Unternehmensstrategien zu verankern, brauche es konkrete Praxisbeispiele, die ökologische Wirkung und wirtschaftlichen Nutzen nachvollziehbar machen.
„Artenvielfalt, Wasser, Klimawandel: Diese Herausforderungen sind zu groß für ein einzelnes Unternehmen oder eine einzelne Regierung. Wir werden nur dann größere Fortschritte erzielen, wenn Wirtschaft und öffentlicher Sektor gemeinsam an besseren politischen Maßnahmen arbeiten“, unterstrich Chris Adamo, VP Global Sustainability Impact bei Danone. Der private Sektor müsse dabei aktiv mitgestalten.
„Der Schutz der biologischen Vielfalt muss zu einem festen Bestandteil wirtschaftlichen Handelns werden“, wünscht sich Alexander Bonde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU).
Fahrplan für Biodiversitätskriterien
Das gemeinsame Engagement voranzubringen, ist Ziel des Vereins Food for Biodiversity, der die Konferenz veranstaltet hat. Zu seinen Mitgliedern gehören die größten Lebensmittelhändler Deutschlands wie auch viele Bio-Verbände. Er stellte auf der Konferenz seine neue ‚Strategie zur Verbreitung des Basis-Sets für gemäßigte Klimazonen zur Förderung der Biodiversität im Lebensmittel- und Getränkesektor‘ vor.
Die 36 Mitglieder des Vereins – aus Wirtschaft, Standard-Organisationen und Verbänden – verständigen sich damit auf einen gemeinsamen Fahrplan und konkrete Ziele für mehr Biodiversität in landwirtschaftlichen Lieferketten. Bis 2030 sollen Unternehmen zwei Risikorohstoffgruppen (etwa frisches Obst und Gemüse) nach festgelegten Biodiversitätskriterien beschaffen. Der Verein will jährlich über die Fortschritte berichten.
Zur Strategie verpflichten sich die führenden Lebensmitteleinzelhändler in Deutschland (Aldi, Edeka, Lidl und Rewe) zusammen mit den Anbauverbänden Bioland, Naturland und Ecoland sowie unter anderem die Unternehmen Nestlé und Behr. Die Umsetzung der Strategie wird von Organisationen wie dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), Fairtrade Deutschland, dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) und dem Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) unterstützt.
Die Konferenz war Teil des EU-LIFE-Projekts ‚Fit for Biodiversity – Biodiversity Governance and Performance in the Food Sector’, an dem Food for Biodiversity, Global Nature Fund, Meo Carbon Solutions, Bodensee-Stiftung und Justus-Liebig-Universität Gießen gemeinsam beteiligt sind. Das Projekt hat das Ziel, die Biodiversitätsleistung im Lebensmittelsektor zu verbessern, indem wirksame Maßnahmen in Unternehmens- und Lieferkettenstrategien integriert werden.
‚Fit for Biodiversity‘ wird kofinanziert durch das LIFE-Programm der Europäischen Union, die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg, die Rentenbank, die Postcode Lotterie sowie die Partner Nestlé Deutschland, Edeka und Lidl.







