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Bio für möglichst viele

Beim bioPress-Roundtable wurden Wege für Bio-Vollsortimente in den SEH diskutiert

Wie kann Bio unter die Leute gebracht werden? Welche Barrieren gibt es? Und wie erreicht ein vielfältiges Bio-Angebot möglichst viele – selbstständige –  Kaufleute? Bei einem Roundtable-Gespräch der bioPress tauschten sich gestern im Rahmen der Biofach rund 30 Interessierte über Wege für Bio-Vollsortimente in den SEH aus.

„Es können nicht alle in Hofläden einkaufen“, erklärte bioPress-Herausgeber Erich Margrander. Ziel müsse es sein, möglichst vielen Menschen gesunde Lebensmittel zugänglich zu machen. Die Supermärkte sollten deshalb vielfältige und interessante Bio-Sortimente in ihren Regalen und Theken anbieten.

Clemens Bergmann von einem Bio-Großhändler für Naturkost hakte zugleich kritisch ein, dass Bioprodukte von Beratung lebten und deshalb gerne ganz aus dem LEH genommen werden sollten. Dem widersprach Teilnehmerin Julia Klein damit, Bio-Kunden seien nicht per se auf der Suche nach Beratung, die darüber hinaus auch im LEH stattfinden könnte.

Christoph Michel merkte an, ein Bio-Artikel bei Aldi habe schon eine andere Wertigkeit als im Biofachhandel. Die Kundschaft gehe dort mit einer anderen Intention einkaufen, stimmte Julia Klein zu. „Aber was ist im Endeffekt das Ziel der Biobranche? Elitär bleiben und nur die bewussten Kunden erreichen?“ Vielmehr müsse man doch wollen, dass sich das Bewusstsein weiter ausbreite. Und ein Bioprodukt bleibe auch bei Aldi ein Prämiumprodukt.

„Man muss die Leute dort abholen, wo sie einkaufen“, betonte Erich Margrander. Die Bio-Großhändler aber weigerten sich oft aus ideologischen Gründen, die selbstständigen Kaufleute zu beliefern. Dabei seien dies die eigentlichen Verbündeten, die man auch nicht mit Aldi gleichsetzen könnte. Die Bauern bräuchten Abnahmegarantien, welche die Kaufleute ihnen bieten könnten.

Ketten wie denn‘s und Alnatura entwickelten aktuell genau die zentralistischen Machtkonstellationen, welche die Biobewegung früher zu überwinden suchte. Wir müssten stattdessen raus aus dem Zentralistischen und den Handel hin zu dezentralen Strukturen transformieren. Überall, wo es Bio-Großhändler gäbe, säßen in der Region auch Einzelhandelskaufleute, die Bio vor Ort unter die Leute bringen könnten.

Matthias Sinn von Rewe bestätigte die logistischen Schwierigkeiten: viele Hersteller seien nicht an einer Kooperation interessiert. Es gäbe einzelne Marken, mit denen man gern kooperieren würde, was jedoch noch nicht klappe. Weil viel passiert, sei man aber nicht mehr zwingend auf fachhandelstreue Marken angewiesen und könnte auch so eine enorme Bio-Vielfalt anbieten.

Früher – 1997 – gab es auch einen Aufschrei gegen den ersten Biosupermarkt. Heute hätten sich die Strukturen gewandelt und könnten sich dementsprechend auch weiter wandeln, so Erich Margrander.

Zum nächsten Roundtable-Gespräch auf der Biofach lädt bioPress morgen, Freitag, 18.8., von 12 bis 13 Uhr. Unter dem Titel ‚Handelsmarken oder Marke, lokal, regional, global‘ werden wir darüber diskutieren, ob Herstellermarken-Strategien mehr Vielfalt statt Einfalt schaffen und wie die Biosortimente der Zukunft aussehen.

Lena Renner


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