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Agrarwende

Bündnis fordert Politikwechsel für mehr Biodiversitätsschutz

25 Organisationen veröffentlichen gemeinsames Positionspapier

Bündnis fordert Politikwechsel für mehr Biodiversitätsschutz © Bodensee-Stiftung

Ein Bündnis aus Landwirtschaft, Lebensmittelindustrie, Naturschutz und Wissenschaft hat heute einen ‚Call for Action‘ an politische Entscheidungsträger auf EU-, Bundes- und Landesebene versandt. Darin fordern die Unterzeichner bessere Rahmenbedingungen für einen wirksamen Insekten- und Biodiversitätsschutz auf Landschaftsebene.

Gestartet wurde das Positionspapier von den Initiatoren des EU-Life-Projekts ‚Insektenfördernde Regionen‘: die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH), der Global Nature Fund, das Netzwerk Blühende Landschaft, die Bodensee-Stiftung und Nestlé Deutschland. Mittlerweile haben über 20 weitere Organisationen den Aufruf unterzeichnet, darunter der Deutsche Naturschutzring, Naturland oder die Katholische Landvolkbewegung (KLB).

„Einzelne Blühstreifen reichen nicht aus, um das dramatische Insektensterben zu stoppen“, erklärt Patrick Trötschler von der Bodensee-Stiftung, der das Projekt ‚Insektenfördernde Regionen‘ koordiniert hat. „Wir brauchen eine moderne Förderpolitik, die Naturschutzziele und Landwirtschaft besser verbindet. Wir empfehlen kooperative, landschaftsbezogene Förderprogramme, die alle Landnutzungsakteure einbinden.“

Das Positionspapier fußt auf den Erkenntnissen aus fünf Jahren Projektarbeit in sieben Modellregionen – darunter das Allgäu, der Bodensee, die Region Hohenlohe und der Vinschgau in Südtirol. Dort wurden regionale Biodiversitäts-Aktionspläne erstellt und auf Demonstrationsbetrieben Maßnahmen für den Insektenschutz erprobt. Gleichzeitig wurden Landwirte, Berater und Lebensmittelunternehmen geschult und Verbraucher für das Thema sensibilisiert.

Vier zentrale Reformpunkte werden im ‚Call for Action‘ formuliert:

  1. Kooperative Förderprogramme stärken: Die bestehenden LEADER-Strukturen sollen für eigenständige Biodiversitätsförderprogramme auf Landschaftsebene genutzt werden – unter Einbindung von Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Kommunen.
  2. Agrarförderung reformieren: Gefordert werden höhere Prämien für Ökosystemleistungen, mehr Flexibilität und die Kombination von öffentlicher und privater Finanzierung.
  3. Lebensmittelbranche in die Pflicht nehmen: Unternehmen sollen in Biodiversität investieren, faire Vergütungsmodelle für biodiversitätsfördernde Produktion schaffen und beim Monitoring unterstützen.
  4. Beratung und Ausbildung ausbauen: Biodiversität soll fester Bestandteil landwirtschaftlicher Aus- und Weiterbildung werden.

„Die Landwirtschaft kann den Biodiversitätsschutz nicht allein stemmen“, betont das Bündnis. Politik, Lebensmittelbranche und Gesellschaft müssten gemeinsam Verantwortung übernehmen. „Nur durch einen kooperativen Ansatz auf Landschaftsebene können wir resiliente und vielfältige Kulturlandschaften für die Zukunft sichern.“

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