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Globaler Bio-Markt wächst

Ökolandbau-Fläche bleibt stabil

Globaler Bio-Markt wächst © NuernbergMesse / Frank Boxler
IFOAM-Vizepräsident Marco Schlüter ordnet die neuen Zahlen zum globalen Bio-Markt politisch ein.

Der globale Bio-Markt erreichte 2024 ein neues Rekordhoch von 145 Milliarden Euro – 6,9 Milliarden Euro mehr als im Vorjahr. In der Europäischen Union legte Bio von 2023 auf 2024 um 3,6 Prozent zu, auf einen Einzelhandelsumsatz von 49,5 Milliarden Euro. Derweil nahm die Bio-Fläche in der EU nur leicht zu und ging global sogar minimal zurück. Die neuen Zahlen wurden vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) sowie dem Dachverband IFOAM - Organics International auf der Biofach vorgestellt.

Die EU bleibt laut der Erhebung der zweitgrößte Binnenmarkt nach den USA, wo im Jahr 2024 Bio-Lebensmittel im Wert von 60,4 Milliarden Euro umgesetzt wurden. China verzeichnete ein Bio-Wachstum von über 24 Prozent auf einen Wert von 15,5 Milliarden Euro. Dahinter fällt das größte Marktwachstum auf Norwegen (gut 21 Prozent), Luxemburg (über 20 Prozent) und Ungarn (knapp 14 Prozent), während Finnland (-4,8 Prozent) und Schweden (-1,5 Prozent) die höchsten Einbußen hinnahmen.

Innerhalb der EU landete Deutschlands Bio-Markt mit 17 Milliarden Euro erneut auf Platz 1, gefolgt von Frankreich (12,2 Milliarden Euro) und Italien (5,2 Milliarden Euro). Verbraucher gaben 2024 EU-weit durchschnittlich 110 Euro pro Person für Bio-Lebensmittel aus. Die Schweiz hält weltweit den höchsten Bio-Pro-Kopf-Konsum (481 Euro) sowie den höchsten Bio-Marktanteil (12,3 Prozent am gesamten Lebensmittelumsatz). Dänemark ist besonders stark in der Außer-Haus-Verpflegung und steigerte seinen Bio-Umsatz dort um sechs Prozent.

Die Bio-Importe in die EU und die USA erreichten 2024 zusammen eine Menge von 5,9 Millionen Tonnen, 12,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Die EU importierte rund 2,6 Millionen Tonnen Bio-Produkte, wobei die Niederlande, Deutschland und Belgien nach Volumen die größten Importeure waren. Größte Bio-Exporteure waren Mexiko, Ecuador und Kanada. Tropische Früchte, insbesondere Bananen dominierten die Importmengen.

Bio-Fläche stagniert im Globalen Süden

Die globale Bio-Landwirtschaftsfläche blieb mit knapp 99 Millionen Hektar nahezu stabil (Rückgang um -0,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr). Diese Entwicklung führt das FiBL zu einem Großteil auf die Umsetzung der neuen EU-Öko-Verordnung im Globalen Süden zurück. In einigen Ländern verließen landwirtschaftliche Betriebe das Öko-Kontrollsystem oder verschoben die Zertifizierung, was statistische Unsicherheit zur Folge hatte. In der Ukraine und Türkei führten die Folgen von Krieg und Erdbeben zu Rückgängen.

Eine starke Zunahme verzeichneten die USA mit fast +1,2 Millionen Hektar, Guatemala mit über 0,24 Millionen Hektar und China mit fast 0,17 Millionen Hektar. Australien hält mit 53 Millionen Hektar weiterhin die größte Ökolandbaufläche und Liechtenstein den höchsten Bio-Flächenanteil (43,5 Prozent).

Die Zahl der Bio-Landwirtschaftsbetriebe lag weltweit bei 4,8 Millionen (+12,4 Prozent), wobei diese Zahl laut FiBL hauptsächlich auf neue Daten aus Afrika zurückzuführen ist. Mit Abstand die meisten Bio-Landwirte weltweit beherbergt Indien: fast 2,4 Millionen.

Die gesamte Bio-Fläche in der EU erreichte einen Anteil von 11,1 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche, mit 18,1 Millionen Hektar. Das bedeutet eine leichte Zunahme um rund zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 22 Länder in der EU kommen bereits auf einen Bio-Flächenanteil von über zehn Prozent. Gleichbleibend Spitzenreiter mit Blick auf die absolute Flächengröße sind Spanien (2,9 Millionen Hektar), Frankreich (2,7 Millionen Hektar) und Italien (2,5 Millionen Hektar). Die meisten Bio-Betriebe der EU gibt es in Italien (über 87.000), Frankreich (knapp 62.000) und Griechenland (knapp 59.000).

„Bio ist Geopolitik“

„Die Landwirte müssen sich den Übergang zum Ökolandbau leisten können“, stellte IFOAM-Vizepräsident Marco Schlüter fest. Die globalen Krisen seien herausfordernd für den Bio-Sektor und der Bürokratieabbau in der EU geschehe an falscher Stelle und bringe eine Erleichterung für große Unternehmen, während Millionen Bio-Bauern mit neuen Auflagen zu kämpfen hätten. Dabei führe mit Blick auf die Ernährungssicherheit kein Weg an Bio vorbei. In vielen Regionen der Welt sei der Ökolandbau die einzige realistische Option für Kleinbauern. „Bio ist Geopolitik“, meinte Schlüter. Es gelte, die wirtschaftliche und politische Vision von Bio hervorzuheben.

Die Daten zum globalen Ökolandbau wurden vom FiBL in Zusammenarbeit mit IFOAM - Organics International sowie nationalen Datenpartnern zusammengestellt. 183 Länder wurden dabei berücksichtigt. Das gemeinsam von FiBL und IFOAM herausgegebene Jahrbuch ‚The World of Organic Agriculture‘ wird durch das Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO), den Coop Fonds für Nachhaltigkeit, Naturland e.V. und die NürnbergMesse unterstützt.

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