Kommentar
Alle sprechen über die Hitze, dabei müssen wir über die Dürre sprechen
Die Landwirtschaft muss sich zukunftsfähig aufstellen
Ein Kommentar von Peter Wogenstein, Vorstandssprecher vom Institut für Welternährung (IWE)
Mit Schrecken schauen wir uns um in Stadt und Land. Braune Rasenflächen, Platanen, die schon früh Blätter abwerfen, in den Städten; kaum nachwachsendes Gras auf den Weiden, Mais, der am Stängel verdorrt, trockene Böden mit tiefen Rillen auf dem Land. Jeden Tag sehen wir, wie die Dürre zunimmt. Seit Wochen kein oder zu wenig Regen. Wir reden immer über die Hitze, wenig über die Dürre, das langfristig Bedrohliche.
Die Dürre ist „schleichend und baut sich immer größer auf“, so Christian Pfister, Klimahistoriker an der Universität Bern, in der FAZ am Sonntag (02.08.26). In unserem Alltag sehen wir in der Regel nur das, was um uns herum passiert, stöhnen zurzeit zurecht über mehr als 30 Grad Celsius. Den Boden unter unseren Füßen ignorieren wir. Dabei hat die Dürre unter unseren Füßen gravierende Auswirkungen, so auf das Wachstum von Pflanzen, auf Bäche, die trocken fallen, Stauseen mit immer weniger Wasser, Flüsse, deren Pegelstand wie in Köln dramatisch sinkt, wie auch auf das Grundwasser, das – für uns unsichtbar – weniger wird.
Das allein ist schon dramatisch und die Folgen können noch dramatischer werden. Bauern und Bäuerinnen sind vielerorts jetzt schon gezwungen, ihr Winterfutter für die Tiere zu verfüttern oder müssen bereits teuer zukaufen. Landwirte verzeichnen massive Einbußen und haben höhere Kosten für Energie und Dünger, steigende Lebensmittelpreise sind die Folge. Der sinkende Pegelstand der Flüsse schränkt den Transport wichtiger Güter ein. Schiffe können derzeit nur noch etwa ein Drittel ihrer üblichen Ladung aufnehmen. Importe insbesondere von Grundstoffen werden teurer. Kernkraftwerke müssen heruntergefahren bzw. ganz abgeschaltet werden. In diesen Ländern droht eine Energieknappheit. Hinzu kommt: Die Gefahr von Bränden in der Dürre nimmt weiter zu.
Dürre bedeutet auch: Der Konflikt um Wasser wird zunehmen. Wir alle werden weiter duschen wollen, die Landwirtin und der Gärtner benötigen Wasser zur Bewässerung der Felder und Gewächshäuser, die Industrie Wasser für ihre Arbeitsprozesse. Dürre und Wassermangel müsste den Bauernverband wachrütteln: Ein Weiter-So in der konventionellen Landwirtschaft auf großen Flächen darf es eigentlich nicht mehr geben. Es braucht ein Mehr an regenerativer Landwirtschaft, die Wasser und Boden schont, auch Agroforstelemente, zumindest mehr Vielfalt und Biodiversität.
Seit zehn Jahren erprobt der Deutsche Bauernverband in F.R.A.N.Z.-Zukunft-Projekten, wie Landwirtschaft, Wirtschaftlichkeit und Naturschutz miteinander gestaltet werden können. Wie es heißt: es „wirkt – ökologisch, ökonomisch tragfähig und praktikabel“. Warum hören und sehen wir nicht mehr vom Bauernverband, was alles möglich ist? Was tut der Bauernverband, um seine Mitglieder zu überzeugen und bei einer notwendigen Transformation zu unterstützen? Hin zu einer „Ernährungslandschaft der Zukunft“, wie sie zum Beispiel Professor Franz-Theo Gottwald beschreibt.
Die Dürre hält uns vor Augen, was wir brauchen: ein Bewusstsein und Handeln, das unser Grundnahrungsmittel Wasser schützt und schont. Die Interessenkonflikte um das Wasser werden sich in Zukunft verstärken. Dies gilt es gesamtgesellschaftlich schnell zu regeln mit allen beteiligten Akteuren: im Interesse der Menschen in diesem Lande und einer Landwirtschaft, die uns auch in Zukunft ernährt, die boden- und wasserschonend arbeitet, ‚Ernährungslandschaft‘ gestaltet, ökonomisch stabil und im Klimawandel widerstandsfähig aufgestellt ist.







