Landwirtschaftsministerin Gentges
Ökolandbau sichert Ernährungssouveränität
Agrarministerin Marion Gentges (CDU) tauscht sich erstmals mit Bio-Verbänden aus
Wie geht’s weiter mit der Agrarpolitik in Baden-Württemberg? Welche Schwerpunkte will die neue Landesregierung setzen? Die Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau (AÖL) – gemeinsame Stimme von Bioland, Naturland, Demeter, Ecovin und Ecoland – hat viele Fragen, Wünsche und Forderungen an Marion Gentges, neue Ministerin für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat. Das Ergebnis beim Vor-Ort-Termin der AÖL Baden-Württemberg im Schuttertal: ein offener und intensiver Austausch bei der Bioland-Rinderhaltergemeinschaft Schuttertal.
„Wir müssen uns stärker in die Lage versetzen, unsere Bevölkerung selbst zu ernähren“, unterstreicht die Ministerin das Ziel Ernährungssouveränität, das die grün-schwarze Landesregierung laut Koalitionsvertrag in die Landesverfassung aufnehmen will. „Es ist doch unvernünftig, Lebensmittel, die hier erzeugt werden können, aus Übersee zu importieren.“ Marcus Arzt, Vorsitzender der AÖL Baden-Württemberg, stimmt zu und wirbt für die Bedeutung der biologischen Landwirtschaft auch in dieser Frage: „Der Ökolandbau ist wie ein Schweizer Taschenmesser ein echtes Multifunktionstool - tragfähig, resilient und in regionalen Wertschöpfungsketten verankert.“
Wäre da nicht die Verbraucherschaft, die beim Einkauf auf den Preis, statt auf Herkunft und Qualität schielt. „Das Land hat mit der Außer-Haus-Verpflegung ein gutes Beispiel geschaffen, wie man für Qualität werben und die Menschen überzeugen kann“, lobt Arzt die Anstrengungen der öffentlichen Hand, „dies unterstützen wir gerne.“ Gemeint ist die so genannte Kantinenrichtlinie: 2024 hat Baden-Württemberg eine Verwaltungsvorschrift für Landeskantinen erlassen, die Vorgaben für das Erreichen verbindlicher regionaler Bio-Quoten festlegt und diese auch mit einem finanziellen Ausgleich unterstützt. Laut Koalitionsvertrag soll die Richtlinie auf weitere öffentliche Einrichtungen erweitert werden. Die Ministerin betont: „Wir stehen zum Ziel, den Anteil der ökologisch bewirtschafteten Flächen auf 30 bis 40 Prozent Ökolandbau bis zum Jahr 2030 zu steigern.“
Voraussetzung dafür sind leistungsfähige landwirtschaftliche Betriebe wie die Rindergemeinschaft Schuttertal – eine GbR aus zuvor drei Einzelhöfen. Der Bioland-Milchviehbetrieb bewirtschaftet 82 Hektar und hält 70 Milchkühe, sechs Ammenkühe, 90 Kälber und Jungtiere. Die Bio-Milch liefert die GbR an die Schwarzwaldmilch Freiburg, die Schlachttiere werden über die Erzeugergemeinschaft Schwarzwald Bio-Weiderind vermarktet. Ein Erfolgsrezept, davon ist Gastgeber und Bio-Landwirt Mathias Volk überzeugt: „Doch dafür brauchen wir politische Rahmenbedingungen, die Sicherheit bieten.“
Beim Rundgang über den landwirtschaftlichen Betrieb wird deutlich, mit welchen gravierenden Problemen die Landwirte (nicht nur im Schwarzwald) derzeit zu kämpfen haben. Die anhaltende Trockenheit hat die vormals grünen Flächen in Steppen verwandelt. „Wir brauchen das Wasser aus unseren Quellen jetzt ausschließlich für unsere Tiere“, sagt Mathias Volk. Zudem müssen täglich 2 Tonnen vom Winter-Futter an die Kühe und Rinder verfüttert werden. Das würde dann im Winter ab Dezember/januar fehlen und man wisse heute noch nicht, wie mit der Situation dann umzugehen sein wird.
Die Ministerin weiß ob der kritischen Situation. „Wir haben mit Blick auf die Tierhalter die Brachflächen zur Beweidung freigegeben“, sagt Gentges – eine Entscheidung, die sich mit der AÖL-Forderung deckt: „Alles, was an ökologischem Aufwuchs zur Verfügung steht, nutzen.“ Zudem plant Gentges aktuell im Sinn des Ökorechts den so genannten Katastrophenfall auszurufen. Das bedeutet: Landwirte könnten Flächen für Futterzwecke nutzen, ohne die Förderung von FAKT-Verpflichtungen zu verlieren. Falls das nicht reicht, könnte für Bio-Betriebe in absoluten Notsituationen nach Antrag konventioneller Futterzukauf möglich werden. Gentges: „Wir machen Türen auf.“ Mit Blick auf den Abnehmer Schwarzwaldmilch sucht Milchbauer Volk nach einer anderen Lösung.
Wie weit die Türen für die ökologische Landwirtschaft bei der neuen Agrarpolitik der EU (GAP) ab 2028 geöffnet werden, bleibt an diesem Tag offen. Marcus Arzt fordert, den Erhalt und die Weiterentwicklung des bewährten FAKT-Programms (Förderprogramm für Agrarumwelt, Klimaschutz und Tierwohl) in Baden-Württemberg einschließlich der Öko-Förderung: „Das Land sollte bei der Kofinanzierung genügend Mittel zur Verfügung stellen, das würde unseren Mitgliedern Sicherheit vermitteln.“ Die Ministerin konnte nicht konkret zusagen. Man schaue auf einige Punkte mit großer Sorge, sei in der Planung und im Austausch. „Die Situation spiegeln wir gerne mit den Verbänden.“ Die stünden bereit, versichert der AÖL-Vorsitzende.
Im übrigen zähle man auf die Versprechen, die im Koalitionsvertrag gemacht wurden – etwa den Ausbau des Ökolandbaus gemäß Biodiversitätsstärkungsgesetz als wichtiges strategisches Ziel. Gentges antwortet klar und deutlich: „Was wir in den Koalitionsvertrag geschrieben haben, werden wir umsetzen.“








