Zerbricht Bio am eigenen Erfolg? Sicher nicht!
Interessante Diskussion über ein die Gemüter erregendes Buch zum Thema Bio
Wien Auf hohem Niveau verlief die Podiumsdiskussion über die in dem Buch "Die 50 größten Bio-Lügen" aufgezeigten möglichen Defizite im Biobereich. Die teilweise kontroverse Debatte zwischen den Interessensvertretern von REWE (Ja!Natürlich), AMA und BIO Control mit den Autoren fand vor zahlreichen Medienvertretern im Weltcafé in Wien statt.
Einig waren sich dabei alle am Podium Vertretenen in ihrer grundsätzlichen Wertschätzung von Bio. Dass das Buch bestehende Mängel im Biobereich aufzeigt, war ebenfalls breiter Konsens: Gaststätten dürfen den Zusatz Bio ohne jegliche gesetzliche Kontrollauflagen, Tierfuttermittel den Zusatz Bio bereits ab einem Bioanteil von 4 Prozent verwenden, Kosmetika ohne jegliche Vorgaben vorgeben, Bio zu sein, oder etwa die Regelung für Tiertransporte u.v.m.
Kontrovers aber blieben die Standpunkte über Wirkung des Buches auf die Bio-Konsumenten. Während die Interessenvertreter der Biobauern (Vierbauch), des Handels (Ja! Natürlich) und der Vermarktung (AMA Biosiegel) negative Auswirkungen auf die Konsumenten ökologisch angebauter Lebensmittel befürchten, betonten die Autoren die Notwendigkeit, die illusionistischen Erwartungshaltungen an Bioangebote mit der Realität zu konfrontieren - mit Konsequenzen für die Preisgestaltung. Denn nur ein informierter Konsument bleibe der Bio-Sache treu.
Martina Hörmer, Geschäftsführerin von "Ja! Natürlich" erklärte: "Die '50 größten Bio-Lügen' verstehe ich als Anstoß, stehen darin doch Dinge, die man besser machen könnte. Es ist ein Bio-positives Buch, von dem ich mich grundsätzlich bestätigt fühle. Der Titel passt mir aber nicht: Denn, wir lügen nicht, wir erfüllen die Wünsch unserer Konsumenten."
Erika Karner von der AMA meinte: Die AMA hat viel Aufwand betrieben, um den Konsumenten Informationen über Bio zur Verfügung zu stellen. Das AMA-Siegel ist ein Gütezeichen, das AMA-Biozeichen hingegen ist eine Produktkennzeichnung. Das hat jedoch absolut nichts mit Etikettenschwindel zu tun."
Rudi Vierbauch, selbst Biobauer und Obmann Bio Austria, stellte fest: "Wenn es den '50 größten Bio-Lügen' gelingt, bestehende Unschärfen für den Konsumenten auszuleuchten, begrüße ich es. Bio ist aber mehr als die Summe der Einzelteile, und die Gesamtheit dieser Idee kommt leider hier zu kurz."
Markus Groll, einer der beiden Autoren, erklärte: "Der Konsument hat Erwartungshaltungen. Die bezahlt er auch. Wenn diese Erwartungen aber nicht erfüllt werden, dann sehen wir den moralischen Tatbestand der Lüge erfüllt. Natürlich nicht den rechtlichen." Gernot Loitzl, Ernährungswissenschafter und ebenfalls Buchautor, meinte: "Lügen bedeutet in Zusammenhang mit den '50 größten Bio-Lügen' nicht illegal, sondern das Aufzeigen von Trittbrettfahrern. Aufgrund der Checklisten im Buch kann sich der Konsument ein eindeutiges Bild machen."
Wolfang Pirklhuber, NAbg. und Agrarsprecher der GRÜNEN: "Die '50 größten Bio-Lügen' zeigen zweifellos Defizite in den Richtlinien auf. Aber diese sind ein Versäumnis der Politik der letzten 10 Jahre, und absolut nicht Versäumnisse der Biobauern. Ohne den ökologischen Landbau gäbe es keine kleinstrukturierte Landwirtschaft mehr."
Eines scheint so manchem Medienvertreter klar: der Buchtitel wurde bewußt provokant gewählt.
Markus Groll und Gernot Loitzl
"Die 50 größten Bio-Lügen!"
Krenn-Verlag / 16,90 Euro







