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Leopoldina warnt vor Lockerungen bei Pestizid-Zulassung

Wissenschaftler fordern den Erhalt regelmäßiger Risikobewertungen

Leopoldina warnt vor Lockerungen bei Pestizid-Zulassung © stock.adobe.com / Nemanja Otic

Ende 2025 hat die EU-Kommission ihr sogenanntes ‚Food and Feed Omnibus‘-Paket vorgestellt, in dem eine Lockerung der EU-Zulassungsverfahren für Pestizide vorgesehen ist. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina warnt jetzt, dadurch würde das bisherige Schutzniveau für Mensch und Umwelt geschwächt. In einem Anfang Juni veröffentlichten Fokuspapier fordern die Autoren die Bundesregierung auf, sich für den Erhalt regelmäßiger wissenschaftlicher Risikobewertungen einzusetzen.

Alle zehn Jahre müssen Pestizid-Wirkstoffe nach aktuellem EU-Recht neu geprüft und genehmigt werden. Mit Verweis auf den Verwaltungsaufwand will die EU auf diesen Schritt künftig bei den meisten Wirkstoffen verzichten, sie also unbefristet genehmigen. Außerdem sollen die Abverkaufs- und Aufbrauchfristen für nicht mehr zugelassene Stoffe von 1,5 auf drei Jahre verlängert werden.

Für die Autoren des Leopoldina-Fokuspapiers bleibt es bei einer unbefristeten Wirkstoffgenehmigung fraglich, ob das bisherige Schutzniveau gewahrt werden kann. Die befristete Zulassung und regelmäßige Neubewertung sei entscheidend, um ein lernfähiges Regulierungssystem zu erhalten. Nur so könnten neue Daten, veränderte Belastungssituationen und fortentwickelte Bewertungsmethoden berücksichtigt und problematische Wirkstoffe systematisch identifiziert werden.

Falle die obligatorische Überprüfung weg, so hätten Produzenten keinen Anlass mehr dafür, sich kontinuierlich mit der Risikobewertung ihrer zugelassenen Wirkstoffe zu befassen und nachhaltige Alternativen zu entwickeln. Außerdem würden neue Erkenntnisse zur Exposition des Menschen, insbesondere verletzlichen Personengruppen, sowie zu Umweltauswirkungen vernachlässigt. Relevante Forschungsergebnisse zu Folgen für Gesundheit und Ökosysteme seien häufig erst nach der Zulassung verfügbar – wenn Daten aus dem praktischen Einsatz vorliegen.

Auch die geplante Verdopplung der Aufbrauchfristen wird von der Leopoldina mit Blick auf Gesundheits- und Umweltrisiken kritisiert. Dadurch blieben Stoffe auf dem Markt, deren Risiken eigentlich bereits als inakzeptabel eingestuft wurden.

„Die Omnibus-Vorschläge entsprechen nicht dem Vorsorgeprinzip und sind für die Erreichung zentraler EU-Politikziele, den Green Deal, die Farm-to-Fork-Strategie, die Zero-Pollution-Ambition und die Biodiversitätsziele von Kunming-Montreal nicht förderlich“, stellen die Autoren klar.

Als Alternative zur Abschaffung der Zehn-Jahres-Regel empfehlen die Wissenschaftler eine risikobasierte Ausgestaltung der Prüfintervalle. Wirkstoffe mit einem geringen Gefährdungspotenzial könnten dann längere Zulassungszeiträume erhalten. Außerdem plädiert die Leopoldina für ein systematisches Umweltmonitoring nach der Markteinführung, sodass die tatsächlichen Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit besser erfasst und mögliche Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen frühzeitig erkannt werden könnten.

Das Fokuspapier ist Teil einer Reihe von ‚Policy Briefs‘, in denen die Leopoldina aktuelle Themen aus wissenschaftlicher Perspektive einordnet. Es geht auf eine Initiative der Fokusgruppe ‚Biodiversität – Landnutzung – Klima‘ zurück.

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