Agrarpolitik
EU-Kommission will Pestizidregeln lockern
IFOAM Organics Europe und PAN Europe kritisieren Omnibuspaket
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Die EU-Kommission hat gestern ihr sogenanntes ‚Food and Feed Omnibus‘-Paket vorgestellt. Während IFOAM Organics Europe die darin enthaltenen Verbesserungen für die biologische Schädlingsbekämpfung befürwortet, warnt der Bio-Dachverband zusammen mit dem Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN Europe) eindringlich vor einer Schwächung der Regeln für synthetische Pestizide. Mit dem Plan öffne die Kommission die Tür für unbegrenzte Pestizidzulassungen.
IFOAM Organics Europe begrüßt zwar, dass die Kommission erstmals einen angepassten Rechtsrahmen für biologische Bekämpfungsmittel schaffen will. Diese würden bislang nach denselben Verfahren bewertet wie synthetische Pestizide – trotz grundlegend anderer Eigenschaften. Biologische Schädlingsbekämpfung könne nachhaltige Anbaumethoden fördern und die Abhängigkeit von chemischen Pestiziden reduzieren.
Gleichzeitig verurteilt der Bio-Dachverband jedoch die geplanten Änderungen für synthetische Pestizide – insbesondere die Möglichkeit unbefristeter Zulassungen für bestimmte synthetische Wirkstoffe. „Das ist nicht nur inkonsequent, sondern auch gefährlich“, warnt Eric Gall, stellvertretender Direktor von IFOAM Organics Europe. Regelmäßige Neubewertungen seien entscheidend, um neue Erkenntnisse über Gesundheits- und Umweltrisiken zu berücksichtigen.
Hatte der Ende November bekannt gewordene Entwurf der Kommission noch eine unbefristete Zulassung für bis zu 90 Prozent der zugelassenen Wirkstoffe in Betracht gezogen, darunter stark umstrittene Pestizide wie Glyphosat, so hat die Kommission ihren Vorschlag nun etwas abgeschwächt. Eine gezielte Neubewertung wäre jetzt neben den ‚Substitutionskandidaten‘ auch für Stoffe mit Unsicherheiten oder Datenlücken bei der Risikobewertung erforderlich.
„Wir begrüßen dies zwar, aber es reicht eindeutig nicht aus, um den Schutz vor schädlichen Pestiziden zu gewährleisten. Dieser Vorschlag ist nach wie vor stark von den Forderungen der Pestizidindustrie beeinflusst“, kommentiert Martin Dermine, Geschäftsführer von PAN Europe.
Die Organisation kritisiert auch weitere geplante Änderungen am EU-Pestizidrecht: wie längere Übergangsfristen für verbotene Pestizide, erweiterte Ausnahmeregelungen, zum Beispiel auch für den Drohneneinsatz, und eine weit gefasste Definition biologischer Bekämpfungsmittel, die auch künstlich hergestellte Analoga umfasst.
PAN Europe fordert das Europäische Parlament und die Mitgliedstaaten auf, die Rücknahme jahrzehntelanger schrittweiser Verbesserungen der Pestizidverordnung zu verhindern. Die Diskussionen müssten wieder ausschließlich auf die biologische Schädlingsbekämpfung konzentriert werden, betont IFOAM Organics Europe.







