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Buchvorstellung

Ein korruptes System

André Leu und Sarah Wiener stellten Die Pestizidlüge vor

Ein korruptes System © oekom Verlag
André Leu und die Buchpatin Sarah Wiener auf der Pressekonferenz bei der Buchvorstellung in den Räumlichkeiten der Münchner Schweisfurth Stiftung

München, den 26. Februar 2018  |  Dass das Thema Pestizide in den Schlagzeilen bleibt, dafür hat Noch-Agrarminister Christian Schmidt mit seinem Ja zur Verlängerung der Zulassung des umstrittenen Herbizids Glyphosat gesorgt. Wie konnte es dazu kommen? André Leu, Autor des neuen Buchs "Die Pestizidlüge. Wie die Industrie die Gesundheit unserer Kinder aufs Spiel setzt" ist überzeugt: "Bei der Risikoabschätzung von Pestiziden werden hunderte begutachtete (peer-review) Studien unabhängiger Wissenschaftler größtenteils ignoriert und hauptsächlich solche Studien herangezogen, die von den Pestizidfirmen vorgelegt werden." 

Das Buch wurde vergangene Woche in den Räumlichkeiten der Münchner Schweisfurth Stiftung der Presse vorgestellt. André Leu stellte sich den Fragen der anwesenden Medienvertreter – und ging mit Agrarindustrie, Behörden und Politik hart ins Gericht: "Die Zusammenarbeit von Pestizid-Unternehmen und staatlichen Aufsichtsbehörden hinter verschlossenen Türen kann man als geheime Absprache (collusion) verstehen. So entsteht ein korruptes System. Die Öffentlichkeit hat das Recht, über die Studien Bescheid zu wissen, auf deren Basis Giftrückstände in unserem Essen zugelassen werden. Warum fürchten sie sich vor einem offenen und transparenten System? Welche Befunde verstecken sie?"

Unterstützung bekam André Leu von der Buchpatin Sarah Wiener. Die renommierte Fernsehköchin engagiert sich in ihrer Sarah Wiener Stiftung für eine gesunde Ernährung von Kindern und zeigte sich schockiert von den im Buch zitierten Ergebnissen unabhängiger Institute, die zeigen, dass bereits kleine Dosen an Glyphosat unsere Nervenzellen beschädigen. Für Wiener "gibt es nicht einen einzigen Grund, für Pestizide zu sein. Diese Gifte reichern sich überall an, im Blut, in der Umwelt und in allen Lebewesen."

  • © oekom Verlag
André Leu auf der Pressekonferenz zur Buchvostellung im oekom verlag

Autor André Leu über wissenschaftliche Befunde zur Schädlichkeit von Pestiziden

"Wir haben sehr gute Daten, die zeigen, wie geringe Mengen Glyphosat die normale Entwicklung von Nervenzellen schädigen. Dies ist ein kritisch wichtiges Gesundheitsproblem, da das Gehirn die größte Ansammlung von Nervenzellen ist und diese Nervenschädigung mit Krankheiten wie Autismus, Verlust von IQ-Punkten und anderen Verhaltensproblemen bei Kindern in Verbindung gebracht werden kann. 

"Viele dieser Chemikalien stören die normale Expression und Funktion von Genen und verursachen eine ganze Reihe von Gesundheitsproblemen." 

Zulassungsverfahren und Einfluss der Pestizid-Hersteller

"Die Verfahren zur Bewertung des Pestizidrisikos ignorieren weitgehend Hunderte von veröffentlichten, von unabhängigen Wissenschaftlern begutachteten Studien und verwenden zumeist die Studien, die von den Pestizidfirmen stammen. Öffentlichen und unabhängigen Wissenschaftlern wird der Zugang zu diesen Studien verwehrt, da sie"kommerziell und vertraulich" sind. Vertreter der Pestizidindustrie sitzen auch in den Regelungsausschüssen, die Pestizide genehmigen - ein Interessenkonflikt. Der ganze Prozess ist vor der Öffentlichkeit verborgen." 

Bayer und Monsanto 

"Bayer und Monsanto zeigen kein Interesse daran, das Richtige für die Umwelt zu tun, obwohl ihre giftigen Produkte Bienen, Vögel, Schmetterlinge und viele andere Arten schädigen. Sie wollen diese Produkte verkaufen, damit sie mehr Geld verdienen können. Das scheint das Einzige zu sein, was sie interessiert." 

"Bayer kämpft - wie andere Unternehmen auch - dafür, dass die Informationen über das, was sie verkaufen, nicht an die Öffentlichkeit kommt, weil sie giftig und gefährlich sind."

  • © oekom verlag
Die Buchpatin Sarah Wiener

Die Buchpatin Sarah Wiener findet auf der Pressekonferenz gewohnt deutliche Worte.

"Es gibt nicht einen einzigen Grund, für Pestizide zu sein. Diese Gifte speichern sich überall ab, im Blut, in der Umwelt, in Tieren, im Wasser, in der Luft."

"Wir spielen hier mit einer Sache, von der wir keine Ahnung haben, mit einem System, bei dem niemand wirklich weiß, was passiert. Jeder Mensch in der nördlichen Hemisphäre pinkelt Glyphosat, im Blut der Nabelschnur von Neugeborenen wurden bis zu 232 Giftstoffe gemessen.

Chronisch entzündliche Erkrankungen, psychische Krankheiten, Stoffwechselerkrankungen, Krebs und Diabetes gerade auch bei Kindern nehmen rasant zu, um nur einige zu nennen – da muss man sich doch wirklich die Frage stellen: Woher kommt das? Und gibt es hier vielleicht einen Zusammenhang, dass sich unsere Ernährung und die Art, wie wir Landwirtschaft betreiben, in den letzten 40 Jahren so sehr verändert hat, wie in den letzten zwei Millionen Jahren nicht?"

"Wir leben in einer Welt, in der der Konsum an erster Stelle steht. Es geht nicht um Gesundheit, um Vielfalt, um Schutz. Es geht einzig und allein um montäre Interessen, die die Industrie hat."

"Das einzige, was wirklich helfen kann, ist Aufklärung. Wir müssen die Dinge beim Namen nennen. Wir müssen uns zusammentun und sagen: Wir wollen keine Chemie in unserer Nahrung, in unserem Essen, in unseren Föten."

"Ich glaube, dass die Politik nicht genügend aufgeklärt ist, und leider auch zu wenig Energie in das steckt, was unser aller Zukunft ist."

"Das Buch macht einmal mehr deutlich: Damit unsere Umwelt und wir gesund bleiben, müssen wir ökologische Landwirtschaft betreiben und komplett auf Pestizide verzichten."


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