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FiBL

Alternativen zu Fischmehl

FiBL präsentiert Insektenprotein aus Fliegen als Fischfutter

Allein für die Fütterung von Zuchtfischen werden jährlich 20 Millionen Tonnen Fische gefangen. Das trägt zur Überfischung der Weltmeere bei. Als Ergänzung zum Fischmehl kommt in vielen Aquakulturen Getreide zum Einsatz, womit der Zuchtfisch in Nahrungskonkurrenz zum Menschen gerät. Mit dem Insektenmehl hat das FiBL eine Alternative entwickelt, die in ersten Tests vielversprechende Resultate liefert.

Die Erschließung neuer Proteinquellen für Nutztierfuttermittel ist in Anbetracht der wachsenden Weltbevölkerung ein entscheidender Faktor, um die Versorgung mit Lebensmitteln zu gewährleisten. Der steigende Bedarf an Fisch und die gleichzeitige Stagnation der Fischereierträge wird durch Zuchtfische aus Aquakultur kompensiert. Allerdings zu großen Teilen auf Basis von Fisch-, Soja- und Getreidemehlen. Dieses Kraftfutter steht aber in Konkurrenz zur menschlichen Ernährung.

Einzelhandel greift Nachhaltigkeit auf

Wenig nachhaltig ist das Fischmehl, weltweit werden jährlich rund fünf Millionen Tonnen verfüttert, hauptsächlich in der Fischzucht. Um diese fünf Millionen Tonnen Mehl herzustellen, werden über 20 Millionen Tonnen Kleinfische gezielt gefangen und verarbeitet.

Diese 20 Millionen Tonnen Biomasse werden jährlich dem Ökosystem Weltmeer entzogen, zusätzlich zu den 60 bis 65 Millionen Tonnen Fisch und Meeresfrüchte, welche die weltweite Fischerei derzeit noch für den menschlichen Konsum fängt.

Der Einzelhandel übernimmt mehr und mehr Verantwortung und greift die Themen Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit gerade im Fischsektor auf. Das drängende Problem der Proteinversorgung in der Tierfütterung wird zunehmend wahrgenommen und das Potenzial der Verarbeitung organischen Abfalls zu Futtermittel ist erkannt.

In einem Projekt von Coop, Industrie, Landwirtschaft und Forschung hat das FiBL in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Agrar- Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) die Massenproduktion, die Verarbeitungstechniken und die Produkteigenschaften von Insektenproteinen untersucht und die Wirtschaftlichkeit eines solchen Ansatzes berechnet.

Vor dem Hintergrund des steigenden Bedarfs an tierischen Futterproteinen werden Insektenproteine seit einiger Zeit als Alternative diskutiert. Hierfür sind die Larven der Fliege Hermetia illucens geeignet. Ziel des Projektes ist die Verarbeitung von Lebensmittelresten aus der Industrie in Futterkomponenten.

Zunächst hat das FiBL in Frick Substrateignungstests durchgeführt und die Produktion von Larven optimiert. Untersuchungen zur Prozessführung erbrachten die Erkenntnis, dass in einfachen großvolumigen Industriebehältern ein optimales Ergebnis ohne großen Aufwand erzielt werden kann.

Positive Testergebnisse

Im Verlauf zweier Projektjahre wurde eine Larvenfrischmasse von 500 Kilo produziert und vom Projektpartner Hofmann Nutrition AG in Bützberg in ein Experimentalfutter mit nur 50 Prozent des ursprünglichen Fischmehlgehalts eingemischt.

Zum Abschluss des Projektes wurde dieses Experimentalfutter in einem Vergleichsversuch mit einem herkömmlichen Biofutter beim Projektpartner New Valfish SA in Le Bouveret getestet. Das FiBL hat die Wachstumsleistung und die Produktqualität der Forellen untersucht und die Ergebnisse der beiden Gruppen verglichen.

Der Futtervergleich ergab bezüglich der Wachstumsleistung der Fische keine signifikanten Unterschiede. Die Futterverwertung war in der Hermetiagruppe geringfügig schlechter als in der Kontrollgruppe. Zuwachs und Körperkondition waren nahezu identisch.

Die Produktqualität der beiden Gruppen unterschied sich ebenso wenig signifikant wie die Bewertungen bezüglich der sensorischen Merkmale Geschmack, Geruch und Festigkeit. Leitkonzept des Projekts war der Nachhaltigkeitsgedanke. Ausgangspunkt hierfür war die Umwandlung von organischem Abfall aus der Lebensmittelindustrie und Landwirtschaft zu höherwertigeren Eiweißträgern.

Das FiBL und seine Projektpartner haben gezeigt, dass aus organischem Restmaterial ein wertvoller und konkurrenzfähiger Proteinträger für die Tierfütterung entwickelt werden kann. Das Projekt hat sich auch der Frage angenommen, ob die Produktion wirtschaftlich ist. Das ist der Fall, und zwar bereits bei recht kleinen Anlagen von nur 300 Tonnen Jahresproduktion.

Noch ist die Rechtslage gegen den Einsatz von Insektenmehlen in Nutztierfuttermitteln, da Insektenproteine bisher nicht in der Futtermittelgesetzgebung erwähnt sind. Es darf mit vorsichtigem Optimismus mit der Zulassung als Tierfutter gerechnet werden.

Die Technik wird in der Schweiz weiter entwickelt werden. Eine Pilotanlage für die Produktion von 1.000 bis 3.000 Jahrestonnen ist für das Jahr 2014 in Zusammenarbeit mit deutschen Partnern geplant. Eine Technologie-Transfer-Firma mit Sitz in Frick wird Technik und Konzepte weiter entwickeln und Auftragsforschung aus dem In- und Ausland annehmen.


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