Übernahme
Vollcorner erläutert Hintergrund zur Beschwerde gegen Edeka
Münchner Bio-Händler stellt Wettbewerbsbewertung infrage und sieht Perspektiven für ehemalige basic-Filialen
Gegen die Freigabe der Übernahme von Münchner tegut-Filialen durch Edeka hat Vollcorner Beschwerde eingelegt. Jetzt erklärt der Bio-Händler die Hintergründe: So habe das Bundeskartellamt den Wettbewerb vor Ort durch die Abgrenzung der Einzugsgebiete nicht realistisch abgebildet. In der Abgabe einzelner Filialen an unabhängige Händler sieht Vollcorner außerdem eine Chance, um die Vielfalt im Lebensmittelhandel zu erhalten und ehemalige basic-Standorte wieder als Bio-Fachmärkte zu etablieren.
Wie hoch Edekas Marktanteile und der Zuwachs durch die Übernahme ausfallen, hänge wesentlich von der Abgrenzung der Einzugsgebiete ab, betont Vollcorner. Aus Sicht des Bio-Händlers sollten diese bei Nahversorger-Filialen nicht über mehrere Stadtteile bis zum Stadtrand angesetzt werden. Nach der Studie ‚Mobilität in Deutschland‘ lege die Münchner Bevölkerung die meisten Einkaufswege zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurück.
„Entscheidend ist, welche Geschäfte für die Menschen im Alltag tatsächlich als Einkaufsalternative infrage kommen“, erklären die VollCorner-Geschäftsführer Paul Pfaff und Stefan Berktold. „Werden zu weit entfernte Filialen als Konkurrenz mitgerechnet, kann die Marktmacht vor Ort geringer erscheinen, als sie tatsächlich ist. Auch Hauptverkehrsstraßen oder Bahntrassen können die Erreichbarkeit begrenzen.“
Im Prüfverfahren habe VollCorner seine Einwände bereits mit eigenen Datenauswertungen und Standortanalysen der BBE Handelsberatung untermauert. Die methodischen Zweifel seien durch die Begründung der Freigabe durch das Bundeskartellamt nicht ausgeräumt worden, weshalb das Unternehmen eine weitergehende Prüfung mit einer genaueren räumlichen Abgrenzung für notwendig hält.
Interesse an ehemaligen basic-Standorten
Da geeignete Flächen für neue Lebensmittelgeschäfte in München knapp sind, lasse sich zusätzlicher Wettbewerb nicht beliebig durch neue Filialen schaffen. Umso wichtiger sei es, dass dort unterschiedliche Händler mit eigenen Konzepten vertreten sind.
Zu den betroffenen tegut-Standorten in München gehören auch ehemalige basic-Märkte, die tegut 2023 übernommen hatte. Seit dieser Übernahme erhält Vollcorner nach eigenen Angaben vermehrt Zuspruch von Kunden, die sich dort wieder einen hochwertigen Bio-Fachhändler wünschen. Durch die Abgabe einzelner Filialen an unabhängige Erwerber könne man diesem Wunsch entgegenkommen und die Vielfalt im Handel stärken, wobei eine erfolgreiche Beschwerde Vollcorner keinen Anspruch auf Filialen verschaffe.
Sollte Vollcorner Märkte übernehmen können, will das Unternehmen die dort beschäftigten Mitarbeiter integrieren und gemeinsam mit ihnen abgewanderte Kundschaft zurückgewinnen. Mit regionalen und handwerklich hergestellten Bio-Lebensmitteln, einem hohen Frischeanspruch und persönlicher Beratung könne der Händler an die Tradition der ehemaligen basic-Märkte anknüpfen.
Sorge über zunehmende Marktkonzentration
Abschließend äußert Vollcorner Sorge über die wachsende Marktkonzentration im Lebensmitteleinzelhandel und verweist dabei auch auf die Forderung der Monopolkommission nach einer strengeren Fusionskontrolle. Das Bundeskartellamt hat in seiner Bewertung erneut bestätigt, dass mehr als 90 Prozent der Umsätze im LEH auf die vier größten Handelsgruppen entfallen. Die Beschwerde des Bio-Händlers stütze sich jedoch auf die eigenen und externen Untersuchungen der Münchner Wettbewerbsverhältnisse.
„Als lokal verwurzeltes Unternehmen kämpfen wir um unseren Platz in einem Markt, der sich immer weiter konsolidiert“, erklären Pfaff und Berktold. „Vielfalt ist uns im Regal ebenso wichtig wie in der Handelslandschaft. Dafür braucht es auch kleinere, eigenständige Händler mit eigenen Ideen und einem persönlichen Verhältnis zu ihren Kundinnen und Kunden. Dafür setzen wir uns ein.“







