Loql
Per App vom Hof ins Regal
B2B-Plattform Loql bringt lokale Erzeuger und Rewe-Kaufleute zusammen
Gemüse und Eier vom Bauern ums Eck wünschen sich Verbraucher auch im Supermarkt – und Kaufleute in ihren Sortimenten. Der Umgang mit Kleinstlieferanten ist für Händler mit ihren zentralisierten Bestellsystemen jedoch schwierig. Wie finden Erzeuger Zugang zu Supermärkten in ihrer Nähe? Und woher wissen Kaufleute, welche Landwirte in ihrer Umgebung welche Produkte liefern? Eine Lösung will Loql bieten – Rewes Plattform für lokale Lebensmittel.
Ende 2022 wurde das Technologieunternehmen OC Food Solutions GmbH als hundertprozentige Tochter der Rewe-Gruppe gegründet. Ihre Software, die B2B-Plattform Loql, wurde im Auftrag und nach den Vorgaben der Rewe konzipiert. Das Ziel: Regionale Erzeuger – landwirtschaftliche Betriebe und Manufakturen – mit Rewe-Kaufleuten zusammenbringen, die Bestellprozesse digitalisieren und einen zentralen digitalen Ort für Austausch und Vernetzung schaffen.
„Wir wollen die chaotischen Bestellungen bei Kleinstlieferanten in geordnete Bahnen bringen und auch die persönliche Beziehung angenehmer machen. Loql bietet sowohl die Möglichkeit, niedrigschwellig in Kontakt zu kommen, als auch in Kontakt zu bleiben und auf einfache Weise Neuigkeiten auszutauschen“, erklärt der Geschäftsführer Clemens Tsalikis.
Für Erzeuger wird der bürokratische Aufwand reduziert und auch Kaufleute sollen über die Bündelung ihrer Direktkontakte Zeit im Bestellmanagement sparen. Das Projekt sei gleichzeitig Teil der aktuellen Strategie der Rewe, mehr Selbstständigkeit für die Kaufleute in den Konzern zu bringen und sich von Discountern abzugrenzen. „Lokale Produkte sind eine große Chance zur Differenzierung gegenüber dem Discount“, betont Tsalikis. Den Hof, den sie am Wochenende mit den Kindern besuchen, im Regal wiederzufinden, sei für Verbraucher das Höchste der Gefühle. Die App könne außerdem mehr Durchlässigkeit schaffen und biete für Kleinstlieferanten auf lange Sicht gute Chancen, für funktionierende Produkte eine Listung bei der Zentrale zu erreichen.
Kostenlos und niedrigschwellig
Um die Hürden niedrig zu halten und die Nutzerzahl zu vergrößern, wird die App als Teil des Rewe-Supermarkt-Konzepts für alle Erzeuger kostenlos angeboten. Die Kosten werden von der Rewe-Gruppe übernommen.
Nach der Registrierung können Erzeuger auf Loql ihr Sortiment einstellen und pflegen, inklusive Preisen, Bildern und Verfügbarkeiten. Auch Neuigkeiten, besondere Angebote oder Aktionen können veröffentlicht werden. Die Kaufleute geben anschließend in der App wie in einem Online-Shop eine Bestellung auf, die von den Produzenten angenommen oder auch abgelehnt werden kann. Dazu können beide Seiten via Chatfunktion miteinander kommunizieren. Die Abrechnung am Ende funktioniert entweder direkt mit den Kleinstbetrieben oder über das zentrale System der Rewe.
Eine eigene Filterfunktion für Bio wird noch nicht angeboten. Bio- oder Verbandsqualität können jedoch hervorgehoben und dann auch über die Suchfunktion gefunden werden. Ein nächster möglicher Schritt sei es, Bio nicht nur mitlaufen zu lassen, sondern aktiv als Auswahlkriterium auszubauen.
Regeln dafür, was alles als ‚regional‘ zählt, haben die Betreiber zunächst nicht festgelegt. So könne auch mal eine Marmelade aus 100 Kilometern Entfernung zum über Loql bezogenen Sortiment zählen. Voreingestellt für die Umkreissuche sind 50 bis 70 Kilometer. Die durchschnittliche Entfernung zwischen Erzeugern und Abnehmern liegt nach Loqls interner Auswertung jedoch bei nur 20 Kilometern.
Lokale Frische in die Märkte
„Gestartet sind wir mit einer Handvoll Kaufleute – inzwischen sind es ein paar 1.000 Nutzer“, berichtet Tsalikis. Dabei seien auf Loql deutlich mehr Lieferanten als Abnehmer vertreten. Bei zwei Drittel des Sortiments handelt es sich aktuell um landwirtschaftliche Erzeugnisse, vorneweg Obst und Gemüse. Schnelldreher sind Kartoffeln und Eier, saisonal auch Spargel und Erdbeeren. Daneben gehören Fleischwaren, Milchprodukte und Backwaren zu den meistgekauften Produkten, gefolgt von Convenience, Wein und Mühlenprodukten. Logistische Unterstützung gehört nicht zum Loql-Portfolio und werde bisher auch nicht in der Breite nachgefragt. „Oft laden die Landwirte ihr Auto voll und fahren die Märkte selbst an“, erklärt Tsalikis.
Loql wurde als App für den mobilen Gebrauch entwickelt. Für Erzeuger gibt es auch ein Webportal. „Eine Desktop-Version für die Abnehmer wird irgendwann kommen“, meint Tsalikis. Bislang sei sie für die Nutzer, mit denen man einen regelmäßigen Austausch pflege, jedoch nicht die erste Priorität. Viele Abnehmer säßen nicht am Schreibtisch, sondern arbeiteten unterwegs vom Handy aus.
Aktuell wird Loql mit verschiedenen KI in Bereichen wie Datenerfassung, -verarbeitung und Forecasting weiterentwickelt. „Bei verderblicher Ware wie Fleisch hilft es, wenn man datengetrieben gezieltere Touren machen kann“, erklärt Tsalikis. Für bessere Prognosen sollen Bestände und Abverkäufe analysiert werden.
Auf Loql werden nur Rewe-Kaufleute zugelassen, keine Einzelhändler von anderen Ketten. Auch Großhändler können ihre Produkte dort nicht anbieten. „Es geht um Direktbeziehungen“, erklärt Tsalikis. Als Bestell-App für den Lebensmittel-Großhandel ist die Software jedoch als Whitelabel-Lösung unter dem Namen ocflow verfügbar. Auf diese Weise generiert OC Food Solutions auch unabhängig von der Rewe eigene Einnahmen.
„Beim Thema Bio und lokal reden wir immer noch über eine Nische“, sagt Tsalikis. „Mit Hilfe unserer Technologie können wir es aber schaffen, die Nische zu vergrößern. Auch wenn die Zeiten momentan schwierig sind – das Potenzial ist da.“
Lena Renner







