Start / Business / Bio-Handel / Einzelhandel / Drogeriemärkte machen Supermärkten Konkurrenz

Lebensmitteleinzelhandel

Drogeriemärkte machen Supermärkten Konkurrenz

One-Stop-Shopping verliert an Bedeutung

Drogeriemärkte machen Supermärkten Konkurrenz © pixabay

Drogeriemärkte werden im Lebensmittelgeschäft zu einer zunehmenden Konkurrenz für Supermärkte und Discounter. Nach neuen NIQ-Daten erzielten sie 2025 mit 6,6 Prozent das stärkste Umsatzwachstum aller stationären Händler – rund ein Drittel davon mit Lebensmitteln. Grund sei vor allem ein struktureller Wandel im Einkaufsverhalten – mit einer wachsenden Fragmentierung der Einkäufe. Dabei spiele für Verbraucher auch das attraktive Bio-Angebot eine Rolle.

In fast allen Kategorien gewinnen Drogeriemärkte laut NIQ neue Käuferhaushalte, die dort bislang keine Lebensmittel gekauft hatten. Fast 70 Prozent der Lebensmittelpackungen, die Händler durch einen Wechsel der Einkaufsstätte verloren, würden anschließend in Drogeriemärkten gekauft.

2025 entfielen 17,8 Prozent des Umsatzes von Drogeriemärkten auf Lebensmittel, 2,3 Prozentpunkte mehr als 2021. Derweil habe die Regalpräsenz im selben Zeitraum nur um 1,1 Prozent zugelegt, woraus NIQ auf eine vor allem nachfragegetriebene Entwicklung schließt. Unter den zehn Kategorien mit dem stärksten prozentualen Umsatzwachstum stammten neun aus dem Lebensmittelbereich. Besonders stark wuchsen Backwaren mit rund 29, Trockenfertigprodukte mit 16 und Süßwaren mit 13 Prozent.

Dabei profitieren Drogeriemärkte laut NIQ von einem klaren Profil bei Themen wie Bio, Gesundheit und Nachhaltigkeit. So nennen 35 Prozent der Verbraucher als Grund für den Kauf von Lebensmitteln im Drogeriemarkt ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bei Bio- oder Gesundheitsprodukten. Jeweils 29 Prozent verweisen auf ein größeres Bio-Angebot sowie Produkte, die sie im Supermarkt nicht finden. Für 28 Prozent spielen attraktivere Preise oder Aktionen eine Rolle.

Hinter der Entwicklung steht für NIQ außerdem ein struktureller Wandel im Einkaufsverhalten. 2025 stieg die Zahl der Einkaufsakte um 5,1 Prozent, während die Ausgaben pro Einkauf um 1,8 Prozent zurückgingen. Mit einem Minus des Umsatzanteils von 1,9 Prozent verliere der große Vorrats- oder Familieneinkauf an Relevanz, während kleinere Einkaufsanlässe an Bedeutung gewönnen. So legten Einkäufe für einzelne Fokus-Kategorien um neun Prozent zu, spontane ‚Feierabend‘-Einkäufe für Mahlzeiten oder Snacks um sieben Prozent.

„Die Gefahr für große Verbrauchermärkte liegt in der Zersplitterung der Einkäufe“, sagt Thomas Montiel Castro, Handelsexperte bei NIQ. Wenn Verbraucher Teile ihres Einkaufs zunehmend in Drogeriemärkten oder anderen Kanälen erledigten, verlören Vorteile wie Sortimentsbreite und One-Stop-Shopping an Bedeutung und Nachteile wie eine größere Entfernung fielen stärker ins Gewicht.

Dabei führe auch eine steigende Zahl von Sonderangeboten nicht automatisch zu mehr Erfolg. Während der Anteil klassischer Promotionen im LEH zwischen dem ersten Quartal 2022 und dem ersten Quartal 2026 von rund 20 auf 28 Prozent stieg, sank ihre Effektivität um fast drei Prozent. Für Händler werde es daher wichtiger, ihre Angebote stärker an konkreten Einkaufsanlässen auszurichten. Gezielt bewerben sollten sie Trigger-Kategorien – also Warengruppen, die Verbraucher bei der Wahl ihrer Einkaufsstätte besonders beeinflussen. Beim Großeinkauf könnten das neben frischem Obst, Gemüse und Fleisch vor allem lange haltbare Produkte zur Bevorratung sein, beim spontanen Feierabend-Einkauf alkoholfreie Getränke, Bier oder Süßwaren.

Die Analyse basiert auf Daten des NIQ Consumer Panels, dem NIQ Retail Measurement sowie Auswertungen zu Einkaufsanlässen und Trigger-Kategorien. Betrachtet wurden Entwicklungen im deutschen FMCG-Markt (LEH, Discounter, Drogeriemärkte und E-Commerce) im Geschäftsjahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr, mit ergänzenden Analysen bis zum ersten Quartal 2026.

[ Artikel drucken ]

Ticker

Das könnte Sie auch interessieren

Bio-Anteil 2030: bei ‚weiter so‘ 8,1 Prozent

Studie des IFH Köln untersucht Bio-Entwicklung im Handel

Bio-Anteil 2030: bei ‚weiter so‘ 8,1 Prozent © IFH Köln

Bis 2030 könnte der Bio-Umsatzanteil im Lebensmittelhandel auf 17,3 Prozent steigen – allerdings nur, wenn das von der Bundesregierung angepeilte Ziel von 30 Prozent landwirtschaftlicher Bio-Fläche erreicht wird. Schreibt man dagegen den Wachstumstrend der vergangenen Jahre fort, wird mit einem geringen Anstieg von aktuell 7,4 Prozent auf 8,1 Prozent und 21,8 Milliarden Euro Umsatzvolumen gerechnet. Discounter als Haupteinkaufsstätte von neuen Bio-Kunden könnten für die Entwicklung besonders relevant sein. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie des Instituts für Handelsforschung (IFH) Köln.

14.06.2024mehr...
Stichwörter: Umsatz, Einzelhandel, Konsumenten, Markt, Handel, Einkaufsverhalten, Verbraucher, Supermarkt, LEH, Drogeriemarkt, Umsatzentwicklung, Marktforschung, Lebensmitteleinzelhandel, NIQ

Nachhaltigkeitsindex erholt sich leicht

NIQ zeigt Bio-Wachstum von neun Prozent

Nachhaltigkeitsindex erholt sich leicht © GfK GmbH

Im Januar 2024 ist der Nachhaltigkeitsindex der GfK auf 94,2 Punkte gestiegen – 1,6 mehr als im Oktober 2023, aber weniger als das Durchschnittsniveau 2022. Vor allem bei größeren Anschaffungen kaufen die Konsumenten in Deutschland nach Analyse des Marktforschungsunternehmens wieder vermehrt nachhaltig. Der Umsatz mit Bio-Lebensmittel ist laut NIQ-Daten im letzten Jahr um knapp neun Prozent gestiegen. Dem Thema Reaktorfleisch stünden Verbraucher nach wie vor skeptisch gegenüber.

09.02.2024mehr...
Stichwörter: Umsatz, Einzelhandel, Konsumenten, Markt, Handel, Einkaufsverhalten, Verbraucher, Supermarkt, LEH, Drogeriemarkt, Umsatzentwicklung, Marktforschung, Lebensmitteleinzelhandel, NIQ

NIQ: Drogerien treiben Bio-Boom voran

Über 20 Prozent Umsatzplus von Januar bis April 2025

NIQ: Drogerien treiben Bio-Boom voran © dm-drogerie markt

Bio wächst doppelt so stark wie der Lebensmitteleinzelhandel – und das vor allem in Drogeriemärkten. Neue NIQ-Zahlen zeigen: Wachsende Sortimente statt Rabattaktionen machen Bio dort zum Verkaufsschlager. Auch das starke Umsatzwachstum im Bereich der Eigenmarken sei vor allem auf deren bessere Verfügbarkeit zurückzuführen. Städter kaufen häufiger ein und greifen auch öfter zu Bio, so die NIQ Consumer Panel-Daten weiter.

03.07.2025mehr...
Stichwörter: Umsatz, Einzelhandel, Konsumenten, Markt, Handel, Einkaufsverhalten, Verbraucher, Supermarkt, LEH, Drogeriemarkt, Umsatzentwicklung, Marktforschung, Lebensmitteleinzelhandel, NIQ

Nielsen IQ erweitert Marktabdeckung im Discount

Aldi und Lidl liefern Scanning-Daten

23.10.2024mehr...
Stichwörter: Umsatz, Einzelhandel, Konsumenten, Markt, Handel, Einkaufsverhalten, Verbraucher, Supermarkt, LEH, Drogeriemarkt, Umsatzentwicklung, Marktforschung, Lebensmitteleinzelhandel, NIQ

Bio-Markt boomt trotz Inflation

Treiber sind Drogerien und E-Commerce

04.05.2026mehr...
Stichwörter: Umsatz, Einzelhandel, Konsumenten, Markt, Handel, Einkaufsverhalten, Verbraucher, Supermarkt, LEH, Drogeriemarkt, Umsatzentwicklung, Marktforschung, Lebensmitteleinzelhandel, NIQ

Ernährungswende – wer ist verantwortlich?

Agrarbündnis untersucht Handlungsspielraum der verschiedenen Stakeholder

17.10.2025mehr...
Stichwörter: Umsatz, Einzelhandel, Konsumenten, Markt, Handel, Einkaufsverhalten, Verbraucher, Supermarkt, LEH, Drogeriemarkt, Umsatzentwicklung, Marktforschung, Lebensmitteleinzelhandel, NIQ