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Marke Bio in Gefahr?

Tom Vilsack diskutiert mit ehemaligen NOSB-Mitgliedern

Nachdem sich ehemalige Mitglieder des National Organic Standards Board (NOSB) im April in einem offenen Brief an Landwirtschaftsminister Tom Vilsack wandten, traf sich Vilsack Ende Mai mit den Wortführern. Alle sind Teil des ‚Real Organic Project‘ (ROP), das für den Erhalt wichtiger Bio-Grundsätze in den USA kämpft und dafür eine eigene Zertifizierung etabliert hat.

Seit 2018 tritt das Real Organic Project für bessere Bio-Standards ein: für ein Verbot des Hydroponik-Anbaus ohne Boden, mehr Tierwohl und Weidehaltung und weniger Betrug. Zusätzlich zum nationalen Label können Bio-Landwirte in den USA sich für eine ROP-Zertifizierung bewerben.

Tom Vilsack zeigte in seinen Aussagen, dass er Probleme beim nationalen Bio-Programm anerkennt. Er betonte, wie wichtig es sei, die Marke Bio zu schützen und eine Zersplitterung in viele verschiedene Bio-Standards zu vermeiden. Eine Verwässerung von Bio untergräbt das Vertrauen der Verbraucher, die sich auf die Einhaltung der Bio-Grundsätze verlassen, und auch die Anstrengungen all der Landwirte, die es richtig machen.

Allerdings schlussfolgerte Vilsack daraus, dass ein eigenes Real Organic Label, das für integres Bio steht, bei Verbrauchern nur zu Verwirrung führe. Außerdem würden womöglich andere Marken folgen und immer rigorosere Standards verfechten, so der Minister.

Wie Dave Chapman und Francis Thicke aus dem Vorstand des ROP daraufhin zu Recht fragten: Aber ist eine Lüge besser als mehrere Wahrheiten? Wenn das Landwirtschaftsministerium (USDA) wieder zu den Grundsätzen von Bio zurückkehrt, sei das Real Organic Project tatsächlich nicht länger nötig. Allerdings würde es enorme Anstrengungen brauchen, bis Hydroponik und Intensivtierhaltung wieder aus dem Bio-Programm der USA verschwinden.

Das ROP habe alles getan, um das USDA zum Handeln zu bewegen. Immer sei man vertröstet worden, dass die Kontrollen bald verbessert würden und die Betrugsfälle bald ein Ende hätten. Mächtige Lobby-Verbände verhinderten jeden tatsächlichen Fortschritt.

Die aktuelle Marke Bio in den USA habe nicht mehr viel mit ihrer ursprünglichen Bedeutung zu tun. Daher gehe es den Akteuren des ROP nun mehr darum, Bio an sich zu schützen, anstatt eine bereits verfälschte Marke zu verteidigen. Jetzt sei es an der Zeit für eine echte Reform. Wenn die Bewegung für echtes Bio in den USA weiter wächst, so hoffen Chapman und Thicke, dann werde auch die Politik schließlich nachziehen.


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