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Milchalternativen gewinnen mit Vielfalt und Geschmack

Provamel auf Wachstumskurs

Milchalternativen gewinnen mit Vielfalt und Geschmack © Provamel
Für Provamel-Produkte verwandtes Soja wird zu 100 Prozent in Europa angebaut.

Im letzten Jahr konnte die Bio-Marke Provamel mit einem erfolgreicher Relaunch auf dem umkämpften Markt für pflanzlichen Milchersatz punkten. Der Trend zu Bio, Gesundheit und pflanzenbetonter Ernährung hält an. Mit zukunftsgerichteten Nachhaltigkeits-Zielen vertritt Provamel weiter seinen ganzheitlichen Anspruch – unterstützt von einer aufgestockten Vertriebsmannschaft.

Die Marketing-Leiterin, Anja Grunefeld, war lange Zeit bei FrieslandCampina Germany, einem der führenden Unternehmen der konventionellen Milchwirtschaft in Deutschland, bevor Sie zu Provamel wechselte: „Früher wurden die Pflanzenjungs da eher ein bisschen belächelt.“ Diese Zeiten seien längst vorbei.

Heute hätten pflanzliche Drinks enorm aufgeholt und Markt und Zielgruppe wachsen rasant: Neben Veganern und Menschen mit Unverträglichkeiten gibt es immer mehr Flexitarier, die zu alternativen Milchprodukten greifen. Der Milchkonsum in Deutschland sinkt, der Markt für pflanzliche Milchalternativen zeigt dagegen Wachstumsraten im zweistelligen Bereich (Consumer Insights Pflanzliche Milchalternativen 2019). Dabei sind Milchersatzprodukte ein Beispiel für Bio-Pionierprodukte, auch wenn in den letzten Jahren konventionelle Hersteller den Markt für sich entdeckt haben.

Milchalternativen seit 1983

Die Marke Provamel hat 1983 mit Bio-Sojaprodukten begonnen, habe sich aber enorm weiterentwickelt. „Wir übertragen die Produktbreite von Sojaprodukten auch auf die Erzeugnisse mit anderen Basisrohstoffen“, erläutert Grunefeld den weiteren Ausbau des Bio-Sortiments, das vor allem bei den Drinks schon viele Variationen zu bieten hat. Aktuell seien fünf unterschiedliche Sojadrink-Variationen im Angebot: pur ohne Zucker, mit Calcium oder Omega 3, oder mit Schoko-oder Vanille-Geschmack. Dazu kommen neun verschiedene Drinks auf Basis von Mandeln, Cashewkernen, Hafer, Reis und Kokos. Ergänzt werden die Drinks durch Joghurt- und Quarkalternativen, Desserts und Kochcrèmes. Nach Anja Grunefeld habe kein anderer Mitbewerber ein solches Bio-Portfolio wie Provamel.

Relaunch für Umwelt und Transparenz

Seit dem letzten Jahr präsentieren sich die Provamel-Produkte im neuen Design. Ein Leitgedanke ist Transparenz, sowohl was die Herkunft der Zutaten als auch deren Zusammenstellung betrifft. Die Getränkeverpackungen sind zu 100 Prozent recycelbar und werden in diesem Jahr auf Verpackungsmaterial umgestellt, das zu 89 Prozent aus pflanzenbasiertem Material besteht, nämlich nachhaltig gewachsenem Zuckerrohr – vorher waren immerhin 80 Prozent pflanzenbasiert.

Dabei soll es nicht bleiben. Bisher wird im Inneren der Verpackungen Alufolie verwendet, um die Getränke vor Licht zu schützen und den Geschmack zu erhalten. Auch diese soll durch bio-basierte Materialien ersetzt werden, sobald ein geeignetes Material gefunden ist. Provamel hat sich laut eigener Aussage verpflichtet, bis 2025 nur noch Verpackungen aus 100 Prozent pflanzenbasiertem oder recyceltem Material zu verwenden. Es werde nur FSC-zertifiziertes Papier verwendet.

Marketing mit #TrustYourFood

Die Zielgruppe von Provamel sei jung und nachhaltig orientiert. Dem Bedürfnis nach Kommunikation und vor allem Transparenz kommen auch die Aktivitäten im Internet entgegen. So hat Provamel für Konsumenten die europaweite Kampagne #TrustYourFood aufgesetzt. Hier wird mit Influencern, Medienkooperationen und Events für bewusste Ernährung geworben und es soll Vertrauen zur Marke Provamel aufgebaut werden. Provamel entwickle sich sehr gut und dynamisch, vor allem nach dem Relaunch.

Für die Provamel-Produkte würden alle Rohstoffe nach strengen Umwelt- und Tierschutzrichtlinien angebaut und zwar möglichst regional – Soja, Hafer, Reis und Mandeln stammten zu 100 Prozent aus Europa, auch um die Transportwege möglichst kurz zu halten. Die Bio-Sojabohnen kämen vorwiegend aus Frankreich, Italien und Österreich. Was nicht in Europa angebaut werden könne, etwa Kokosnüsse, werde möglichst nachhaltig beschafft.

Für Provamel werde mit lokalen Biobauernhöfen zusammengearbeitet und auf langfristige, respektvolle Beziehungen gesetzt. Seit 2018 sei Alpro B Corpzertifiziert und Provamel als Marke somit Teil der B Corp Community.
Das B Corp-Zertifikat bekommen nur Unternehmen die nach bestimmten Richtlinien handeln, etwa was ihr Engagement für den sozialen Fortschritt betrifft, den Umweltschutz und die Transparenz in ihrem Tun.

Kundenbetreuung vor Ort

Aktuell sind die Provamel-Produkte vor allem im Biofachhandel vertreten und in Drogeriemärkten, über den Großhandel teilweise auch im Qualitätsorientierten LEH. Der Fachhandel bleibt nach Grunefeld aber weiter die erste Anlaufstelle, das läge schon in der Historie bedingt.
Für Deutschland ist seit langem ein eigenes Team in Düsseldorf zuständig, wo Ansprechpartner für die hiesigen Händler und Verbraucher zur Verfügung stehen. Sechs Vertriebsmitarbeiter sind für die Marke Provamel tätig, davon drei Key-Accounter. Aktuell sei geplant, das Team durch drei zusätzliche Mitarbeiter zu verstärken.

Die Mitarbeiter besuchten die Märkte persönlich, ständen den Kunden bei der Regaloptimierung oder der Vorbereitung von Aktionen zur Seite. „Wir glauben an die Beratung in der Fläche und den persönlichen Kontakt. Dass wir vor Ort ansprechbar sind, ist ein großer Mehrwert“, betont Marketing-Leiterin Grunefeld.

Elke Reinecke

 

Bio-Haferdrink – jetzt auch ohne Zucker 
Bei den pflanzlichen Drinks ist inzwischen Hafer die beliebteste Grundlage. Das zeigt sich auch an den ersten beiden Provamel-Neuprodukten nach dem Relaunch, einem Bio Haferdrink Ohne Zucker und einem Barista Bio Haferdrink.
Da für den Haferanbau wenig Anbaufläche bei hohem Ernteertrag benötigt wird, sei Hafer eine besonders nachhaltige Getreidesorte mit geringem ökologischem Fußabdruck. Laut Albert-Schweitzer-Stiftung verursacht ein Liter Haferdrink nur ein Drittel so viel klimaschädliches Gas wie ein Liter Kuhmilch. Er benötige keine zusätzliche Bewässerung und kaum Dünger.
Für die Herstellung der Provamel Produkte werden nur die Rispen des Hafers genutzt, aber die Stängel werden ebenso geerntet und zur Anreicherung des Bodens verwendet. Die Haferrispen werden zunächst trocken zu einem Mehl gemahlen. Vermengt mit Wasser und Enzymen wird die so entstandene Hafer-Masse erhitzt, um eine hoch konzentrierte Hafer-Basis herzustellen. Diese wird dann je nach Rezeptur mit Wasser und anderen Zutaten vermischt.
Beim neuen Bio Haferdrink Ohne Zucker kommt zu Wasser und Hafer nur Sonnenblumenöl und Meersalz hinzu. Damit enthalten 100 Milliliter des Haferdrinks nur 5,2 Gramm Kohlenhydrate und tatsächlich Null Gramm Zucker - ein echter Mehrwert. Denn sogar Haferdrinks, die mit dem Zusatz zuckerfrei oder ohne Zusatz von Zucker gekennzeichnet sind, enthalten üblicherweise Zucker, der während des Herstellungsprozesses durch die Aufspaltung der im Hafer enthaltenen Stärke entsteht.
Der ebenfalls neue Barista Bio Haferdrink möchte die Kaffee-Liebhaber begeistern. Erbsenproteine und Agavenfasern sollen für einen stabilen Schaum sorgen, außerdem flocke er nicht aus.
Den Kunden vorgestellt wurden die neuen Haferdrinks unter anderem auf der Biofach 2020.

 

Provamel seit 1983
Philippe Vandemoortele, ein Unternehmerssohn aus Belgien, hatte Anfang der 1970er-Jahre die Idee Sojaprodukte als pflanzliche Alternative zur Milch zu verwenden. Seine Vision war es, so die Ernährung in der Dritten Welt zu sichern. Ein erstes Projekt in Madagaskar scheiterte, doch Philippe Vandemoortele gab nicht auf. Zurück in Belgien gründete er das Unternehmen Alpro und rief später die Marke Provamel ins Leben, unter der bis heute pflanzliche Bio-Produkte angeboten werden.
1975 - Philippe Vandemoortele entwickelte einen Herstellungsprozess für Soja-Drinks.
1980 - Im belgischen Izegem gründete Philippe Vandemoortele die Firma Alpro als eigenes Unternehmen innerhalb der Vandemoortele-Gruppe. Hier wurden die ersten Provamel Bio-Soja-Drinks produziert.
1983 - Die Marke Provamel wurde aufgesetzt.
1989 - Im belgischen Wevelgem entstand die erste Produktionsanlage für Alpro- und Provamel-Produkte.
2009 - Vandemoortele verkaufte seine Soja-Sparte Alpro für 325 Mio. Euro an Dean Foods, eine der größten amerikanischen Molkereiprodukte-Gruppen.
2012 - Im Jahr 2012 wurde Alpro mit den Unternehmen Silk, Horizon Organic und WhiteWave zusammenfasst, per IPO an die Börse gebracht und 2013 als WhiteWave von Dean Foods abgespalten.
2016 - Übernahme von WhiteWave durch den französischen Lebensmittelkonzern Danone. Abgeschlossen wurde die Transaktion von WhiteWave an Danone im April 2017. Die gemeinschaftlichen Aktivitäten von WhiteWave und Danone in Nordamerika treten seit 2018 nach außen als DanoneWave auf.
Die Sojaproduktionsstätte im belgischen Wevelgem wird heute durch Anlagen in Sojinal im Elsass (1996) und im englischen Kettering (2000) ergänzt. 
 

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