Tierhaltung
Masthuhn-Report: Aldi Süd und Globus führen weiterhin
Nestlé und Rügenwalder ziehen Zusagen zurück
© Albert Schweitzer Stiftung
Die Albert-Schweitzer-Stiftung hat heute zum fünften Mal ihren Masthuhn-Report veröffentlicht, der Fortschritte der Lebensmittelwirtschaft beim Tierschutz in der Hühnermast dokumentiert. Die Bilanz fällt gemischt aus. 70 Prozent der geprüften Unternehmen haben sich laut den Autoren zu Verbesserungen verpflichtet, die Umsetzung gehe jedoch bei vielen nur schleppend voran. Nestlé und Rügenwalder Mühle sind ganz ausgestiegen, im LEH liegen Aldi Süd und Globus weiterhin vorne.
Für den Masthuhn-Report hat die Albert-Schweitzer-Stiftung insgesamt 64 Unternehmen aus Lebensmitteleinzelhandel, Gemeinschaftsverpflegung, Lebensmittelherstellung, Systemgastronomie und Fleischproduktion bewertet. Untersucht wurde, inwieweit die Unternehmen die Kriterien der Masthuhn-Initiative erfüllen. Diese sieht unter anderem mehr Platz für die Tiere, gesündere und langsamer wachsende Zuchtlinien sowie verbesserte Bedingungen bei Haltung und Schlachtung vor.
Viele Unternehmen hatten ursprünglich zugesagt, ihre Lieferketten bis 2026 entsprechend umzustellen, ihre Fristen inzwischen aber bis 2030 verlängert. „Ohne deutlich mehr Einsatz drohen sie jedoch auch dieses Ziel zu verfehlen“, warnt Esther Erhorn, Leiterin Lebensmittel-Fortschritt bei der Stiftung. Deshalb werde die tatsächliche Umsetzung im diesjährigen Report stärker gewichtet. Sie macht 60 Prozent der Gesamtbewertung aus, während öffentliche Zusagen mit 20 Prozent, Fortschrittsberichte mit zwölf Prozent und konkrete Umsetzungspläne mit acht Prozent einfließen.
Lebensmittelhandel bleibt unter 60 Prozent
Im Lebensmitteleinzelhandel haben 14 der 17 untersuchten Supermärkte und Discounter eine entsprechende Tierschutz-Zusage abgegeben. Dennoch erreicht kein Unternehmen 60 Prozent der möglichen Gesamtpunktzahl. Spitzenreiter ist Aldi Süd mit 54 Prozent, gefolgt von Globus mit 48 Prozent. Rewe und Penny kommen jeweils auf 42 Prozent, zählen laut Stiftung bei der praktischen Umsetzung aber zu den fortgeschritteneren Unternehmen.
Die erstmals untersuchten Händler Wasgau und Hit erreichen 40 beziehungsweise 38 Prozent. Edeka hat sich im Jahr 2025 nach monatelangen Auseinandersetzungen mit der Albert-Schweitzer-Stiftung auf neue Tierschutzziele verständigt und erhält dadurch im aktuellen Masthuhn-Report mit 26 Prozent erstmals Punkte. Einen konkreten Umsetzungsplan oder einen Fortschrittsbericht legte das Unternehmen noch nicht vor.
Dr. Oetker führt bei den Herstellern
Unter den neun bewerteten Lebensmittelherstellern erreicht Dr. Oetker mit 88 Prozent zum zweiten Mal in Folge den höchsten Wert. Auf Platz zwei folgt Frosta mit 64 Prozent. Das Unternehmen hat erstmals einen vollständigen Umsetzungsplan mit jährlichen Zwischenzielen bis 2030 vorgelegt.
Deutlich schlechter schneiden Bofrost mit 40 Prozent, Apetito mit 26 Prozent und Nomad Foods, zu dem die Marke Iglo gehört, mit 24 Prozent ab. Bei diesen Unternehmen bemängelt die Stiftung insbesondere unvollständige Fortschrittsberichte oder fehlende Umsetzungspläne. Nomad Foods hat zudem die bisherige Frist aus seiner Tierschutz-Zusage gestrichen.
Nestlé und Rügenwalder Mühle erhalten jeweils null Prozent, nachdem sie ihre Zusagen zur Masthuhn-Initiative vollständig zurückgezogen haben. Ebenfalls ohne Punkte bleiben Eismann und OSI Food Solutions, die bislang keine entsprechende Verpflichtung eingegangen sind.
Gastronomieketten zeigen, dass die Umstellung möglich ist
Auch in der Gemeinschaftsverpflegung sieht die Stiftung erheblichen Nachholbedarf. Zwar unterstützen zwölf der 15 größten untersuchten Cateringunternehmen die Masthuhn-Initiative, doch selbst die Spitzenreiter Dussmann und Primus erreichen lediglich 36 Prozent. Aramark kommt auf 32 Prozent, Wisag auf 26 Prozent. Als Gründe nennt die Stiftung eine schleppende Umsetzung, unvollständige Planungen und mangelnde Transparenz bei den Fortschritten. Genuss & Harmonie hat seine bisherige Tierschutz-Zusage 2026 zurückgezogen.
In der Systemgastronomie ergibt sich ein deutlich unterschiedliches Bild. Die Bahnhofsgastronomiekette Yorma's und die Pizzakette 60 seconds to Napoli erreichen jeweils 100 Prozent und erfüllen damit sämtliche Kriterien der Masthuhn-Initiative. Gleiches gilt für die Burgerkette Hans im Glück, die ihre Umstellung bereits Ende 2024 abgeschlossen hatte.
L'Osteria kommt auf 52 Prozent und plant, die Umstellung bis 2027 abzuschließen. Dean & David erreicht 42 Prozent, KFC 38 Prozent. Bei beiden Unternehmen sieht die Stiftung Defizite bei der Umsetzung beziehungsweise der Dokumentation der Fortschritte.
Die beiden großen Fast-Food-Ketten McDonald's und Burger King bleiben dagegen bei null Prozent. Beide haben bislang keine verbindliche Zusage zur Umsetzung der geforderten Tierschutzstandards abgegeben. Burger King erkennt auf seiner Webseite nach Angaben der Stiftung immerhin Probleme in der Hühnermast an und kündigt an, mögliche Verbesserungen zu prüfen.
Fleischproduzenten bauen Kapazitäten auf
Bei den Fleischproduzenten verzeichnet der Report Fortschritte. TLC Landgeflügel, LDC, PHW und Plukon erreichen in der Kategorie ‚Umsetzung‘ jeweils die volle Punktzahl. Das bedeutet allerdings nicht, dass ihre gesamte Produktion bereits umgestellt ist. Vielmehr würdigt die Stiftung damit den Aufbau entsprechender Produktionsstrukturen, etwa durch neue Zuchtlinien, Kooperationen mit Mastbetrieben und Stallumbauten.
Auch Borgmeier produziert nach Angaben der Stiftung bereits Hühnerfleisch unter höheren Tierschutzstandards, kommuniziert dies jedoch nicht öffentlich. Für eine positive Bewertung im Report ist diese Transparenz Voraussetzung. Sprehe und Rothkötter haben bislang keine Zusage abgegeben und verweigern laut Stiftung inzwischen den Dialog zum Thema Tierschutz.
Trotz der durchwachsenen Ergebnisse sieht die Alber- Schweitzer-Stiftung positive Entwicklungen. Einzelne Unternehmen zeigten, dass höhere Tierschutzstandards auch unter wirtschaftlichem Druck umsetzbar seien. Entscheidend sei nun, dass aus den zahlreichen Selbstverpflichtungen konkrete Verbesserungen für die Tiere würden.
Besonders dringlich ist aus Sicht der Tierschutzorganisation die Umstellung auf gesündere Zuchtlinien und geringere Besatzdichten. „Jeder weitere Aufschub bedeutet, dass Millionen Hühner weiter unter Qualzucht, Platzmangel und schlechten Haltungsbedingungen leiden“, kritisiert Erhorn. „Wir fordern alle Unternehmen auf, sich zu den Kriterien der Masthuhn-Initiative zu verpflichten und die Umsetzung stringent voranzutreiben.“
Nach Angaben der Organisation werden in Deutschland jährlich mehr als 640 Millionen Masthühner geschlachtet. Die Masthuhn-Initiative, die von mehr als 30 europäischen Organisationen getragen wird, soll die Haltungsbedingungen verbessern.
Über konkrete Schritte und wirksame Strategien für eine Verbesserung der Tierhaltung in Deutschland diskutiert die Stiftung heute bei einem Runden Tisch in Berlin mit Vertretern aus Lebensmittelwirtschaft, Politik und Wissenschaft.







