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Beutelsbacher zwischen Tradition und Aufbruch

Bio-Getränkehersteller setzt auf nachhaltiges Wachstum

Beutelsbacher zwischen Tradition und Aufbruch © Roberto Bulgrin

Beim 90-jährigen Firmenjubiläum wurde es offiziell: Die Brüder Thomas und Matthias Maier übergeben den Staffelstab nun endgültig an die vierte Generation. Zwischen neuen funktionalen Drinks, dem Erhalt von Streuobstwiesen und bewährter Demeter-Qualität navigieren die neuen Geschäftsleiter Bruno und Marius Maier das Traditionsunternehmen Beutelsbacher Fruchtsaftkelterei. Mit zeitgemäßen Innovationen, der richtigen Kommunikation und einer erprobten Markenstrategie wollen sie mit Beutelsbacher stabil weiter wachsen. 

Beim 90-jährigen Firmenjubiläum wurde es offiziell: Die Brüder Thomas und Matthias Maier übergeben den Staffelstab nun endgültig an die vierte Generation. Zwischen neuen funktionalen Drinks, dem Erhalt von Streuobstwiesen und bewährter Demeter-Qualität navigieren die neuen Geschäftsleiter Bruno und Marius Maier das Traditionsunternehmen Beutelsbacher Fruchtsaftkelterei. Mit zeitgemäßen Innovationen, der richtigen Kommunikation und einer erprobten Markenstrategie wollen sie mit Beutelsbacher stabil weiter wachsen. 

Die Einarbeitungsphase ist vorbei – im Januar haben Bruno und Marius Maier mit ihren Vätern die Büros getauscht und kümmern sich seither um das operative Geschäft von Beutelsbacher. Die beiden neuen Geschäftsführer sind dabei wortwörtlich in die Fußstapfen ihrer Väter getreten – schon was ihre Ausbildung angeht. Bruno Maier verantwortet als Lebensmitteltechnologe alles vom Rohwareneinkauf über die Produktion und Qualitätssicherung bis hin zur fertigen Ware, die das Band verlässt. Marius Maier, der technisch orientierte BWL studiert hat, ist für „alles drum herum“ zuständig: Etiketten, Marketing, Organisation und Vertrieb. Den Bereich der Produktentwicklung teilen sich die beiden Cousins. 

Die Inspiration dafür komme aus ganz unterschiedlichen Ecken, berichtet Marius Maier: Kundenwünsche flössen dabei mit ein, manchmal habe ein Lieferant eine neue Frucht im Portfolio, Innovationen am Markt würden beobachtet und eigene Ideen verfolgt. „Man muss einen Blick dafür haben, was in der heutigen Zeit gebraucht wird“, so Bruno Maier.

Im Moment rangierten die Themen Gesundheit und Longevity – gesundes Älterwerden – dabei weit vorne, worauf Beutelsbacher mit der Entwicklung von weiteren funktionalen Drinks reagiert. „Wir haben gerade einiges in der Pipeline“, stellen die Geschäftsführer in Aussicht. 

Vitamin-Drinks und alkoholfreie Erfrischung

Auf der Biofach 2026 hat Beutelsbacher einen Pro Vitamin D-Drink aus Apfel- und Karottendirektsaft präsentiert, der gezielt den Vitamin-D-Mangel im Winter bekämpfen soll. Im Gegensatz zu pharmazeutisch hergestelltem Vitamin D handle es sich bei dem Inhaltsstoff erstmals um Vitamin D in Bio-Qualität, sagt Marius Maier stolz. Um es zu gewinnen, werden Champignons künstlich mit Sonnenlicht bestrahlt, sodass sie Vitamin D2 bilden, das anschließend pulverisiert wird. Karottensaftöl sorgt dafür, dass das Vitamin vom Körper besser aufgenommen werden kann. Als weiteres Beispiel nennt Maier den Mehrfruchtsaft ‚Multi + Eisen‘, der mit Curryblattextrakt eine natürliche Eisenquelle enthält.

Im vergangenen Jahr „richtig im Trend“ war nach Angaben Beutelsbachers der Essig-Ingwer-Shot. Gesundheitliche Mehrwerte verspricht auch das klassische Essig-Sortiment des Herstellers, das in Mehrweg-Glasflaschen angeboten wird. So wird der naturtrübe Demeter-Apfelessig nicht aus Konzentrat, sondern aus Direktsaft hergestellt, biologisch vergoren und nicht pasteurisiert, um die Inhaltsstoffe zu erhalten. „Wenn der Essig woanders verwässert wird, können wir uns hier mit Qualität profilieren“, so Bruno Maier.

Auf den weiter voranschreitenden alkoholfrei-Trend hat Beutelsbacher anlässlich des 90-jährigen Jubiläums mit der Entwicklung von zwei neuen Bio-Mocktails reagiert: ‚Mango Passion‘ mit Maracuja und ‚Coco Paradise‘ mit Kokosnuss-Ananas. Dazu kommt ein alkoholfreier Bio-Secco in der Geschmacksrichtung Quitte / Rose als Beutelsbacher-Jubiläumsgetränk. 

Neu im Sortiment ist außerdem ein Kombucha, der nicht gekühlt werden muss und eine längere Haltbarkeit verspricht, aber laut Marius Maier trotzdem die erwünschten Bakterien mit den entsprechenden gesundheitlichen Benefits enthält. Das sei darauf zurückzuführen, dass der Zucker während der Fermentation weitgehend verstoffwechselt wird, sodass das abgefüllte Produkt auch ohne Kühlung stabil bleibt. 

Kommunikation als A und O

Gesundheitliche Mehrwerte zu generieren sei das eine, sie richtig zu kommunizieren und den Verbrauchern zu vermitteln die eigentliche Kunst, meint Bruno Maier. So müssten sie darüber informiert werden, dass Aromen in der Limonade etwas anderes sind als echte ausgepresste Früchte. 

Insgesamt müsse das Marketing heute klarer und direkter werden, stellt Marius Maier fest. Die Aufmerksamkeitsspanne, innerhalb derer die Message von Bio transportiert werden kann, werde immer kürzer. Es sei Aufgabe der Hersteller, die Verbraucher mit modernen und ansprechenden Etiketten davon zu überzeugen, dass sie sich mit einem Produkt etwas Gutes tun können. Das ‚Weltretten‘ durch Bio werde dann eher als Nebeneffekt mit erworben.

Von schwäbischen Streuobstwiesen bis Demeter aus Indien

Mit Blick auf die Rohstoffauswahl verfolgt Beutelsbacher einen „extrem hohen Qualitätsanspruch“, so betont Bruno Maier. Seit der Wiedergründung des Demeter-Bundes im Jahr 1954 ist Beutelsbacher Mitglied und produziert auch heute noch rund die Hälfte seines Sortiments in Demeter-Qualität. Da Demeter-Produkte normalerweise nicht im Discount vertrieben würden, sei die zertifizierte Rohware aktuell grundsätzlich sehr gut verfügbar. Außerdem setzt der Getränke-Hersteller bei seinen Gemüsesäften ausschließlich auf samenfestes Saatgut. „Den Unterschied schmeckt man auch!“, so Bruno Maier. 

In der Beschaffung versucht Beutelsbacher, die Transportwege möglichst gering zu halten. Eine wichtige Basis für die Saftproduktion bilden die Streuobstwiesen in der Region, deren Wert als Kulturgut Bruno Maier hervorhebt. Aufgrund des hohen Arbeitsaufwands der Bewirtschaftung sei es wichtig, dass der Erhalt der Streuobstwiesen weiterhin staatlich gefördert werde. Durch die Bio-Umstellung, die Beutelsbacher in der Vergangenheit selbst mit angestoßen habe, sei es den Obstbauern möglich, höhere Preise zu erhalten. Zu den Lieferanten des Herstellers gehörten zudem auch Privatpersonen in Obst- und Gartenbauvereinen, die den Anbau hobbymäßig betrieben und für die die Ernte ein willkommenes Zusatzeinkommen bedeute.

Was Südfrüchte angeht, so könnten etwa Orangen mittlerweile auch aus Europa bezogen werden. Die Mangos, auch in Demeter-Qualität, erhält Beutelsbacher aus Indien. Als entscheidenden Vorteil der Saftproduktion hebt Bruno Maier die Verarbeitung vor Ort hervor. Die Früchte können am Baum zu Ende reifen und werden dann erntefrisch zu Mangomark gepresst, das auf dem Seeweg nach Deutschland gelangt. Den Schwerpunkt der Marke Beutelsbacher stellen naturnahe Direktsäfte dar.

„Zu unseren Lieferanten in Übersee unterhalten wir teilweise schon seit über 30 Jahren Beziehungen“, erklärt Bruno Maier. Man pflege einen partnerschaftlichen Um- gang auf Augenhöhe und könne sich aufeinander verlassen. 

Angesichts des Klimawandels blicken die beiden Chefs auch mit Sorge auf die künftige Rohstoffbeschaffung. So sei etwa der Anbau der samenfesten Bio-Karottensorte Rodelika im Zuge der anhaltenden Trockenheit in diesem Sommer herausfordernd. „Wenn es sie nicht mehr gäbe, würde auch die Produktqualität darunter leiden“, stellt Bruno Maier fest. Auch was die diesjährige Apfelernte angeht, hofft das Unternehmen derzeit (Mitte August) inständig auf ergiebige Niederschläge. Sonst könne es passieren, dass die Bäume frühzeitig ihre Früchte abwerfen. Und künstliche Bewässerung sei in der Breite schwer zu realisieren.

Wachstum mit Bedacht

Bereits seit 1994 fährt Beutelsbacher im Vertrieb zweigleisig. Damals wurde als Schwesterunternehmen die EOS Getränke GmbH gegründet, die seither für die Belieferung des qualitätsorientierten Lebensmitteleinzelhandels mit Bio-Getränken der Marke Eos zuständig ist. Rund 65 Bio-Sorten plus zehn Sorten in Demeter-Qualität sind darunter heute erhältlich. Ebenfalls verfügbar für den LEH sind die Erfrischungsgetränke der Marke isis. Alle Flaschen werden in Glas-Mehrweg angeboten. 

Im Moment sind die jungen Geschäftsführer mit der Entwicklung sehr zufrieden und sehen keine Notwendigkeit für eine Anpassung der Strategie. Insgesamt sei der Trend im Segment Bio-Fruchtsäfte aktuell leicht negativ, weil ein Teil der Verbraucher zu konventionellen Alternativen greife. Demgegenüber verzeichne Beutelsbacher ein stabiles Wachstum, sowohl in Naturkostfachhandel als auch LEH. 

„Grundsätzlich verfolgen wir im Unternehmen eine sehr bedachte und überlegte Philosophie“, erklärt Marius Maier. Entscheidungen würden nicht vorschnell getroffen, sondern lange im Voraus geplant. Ein gesundes, stetiges Wachstum sei wichtig, um die Qualität zu halten, fügt Bruno Maier hinzu. So könnten auch Probleme in der Warenbeschaffung vermieden werden. 

Mit Bedacht sprechen die beiden Geschäftsführer ebenfalls über ihre Pläne für ein 6.000 Quadratmeter großes angrenzendes Gelände, das Beutelsbacher im Jahr 2021 zugekauft hat. Es biete viele Wachstums-Möglichkeiten und solle bebaut werden, verraten sie. Mehr Details dürfen in den kommenden Monaten erwartet werden. 

Lena Renner

Historie
Die Unternehmensgeschichte von Beutelsbacher beginnt im Jahr 1936. Damals starteten die Gründer Christian und Wilhelm Maier den Betrieb einer Fruchtsaftkelterei in Weinstadt-Beutelsbach in der Nähe von Stuttgart. Zunächst stammten die verwendeten Früchte noch weitgehend aus eigenem Anbau im Remstal. 1938 entstand das erste eigene Keltereigebäude mit Obstsilos, 1951 wurde der eigene Obstbau auf biologisch-dynamische Bewirtschaftung umgestellt und 1952 folgte der erste Saft in Demeter-Qualität. Die offizielle Wiedergründung des Demeter-Bundes nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1954 wurde von der Familie Maier unterstützt.

Im selben Jahr übernahm Helmut Maier, der Sohn von Christian Maier, gemeinsam mit seiner Frau Ingeburg Dobler-Maier die Geschäftsführung. Um 1980 herum erfuhr Beutelsbacher angesichts einer zunehmenden Nachfrage nach Naturkostprodukten ein deutliches Umsatzwachstum. 1986 brachte die Kelterei den ersten Demeter-Orangensaft auf den Markt. 

Anfang der 1990er Jahre stiegen die Brüder Thomas und Matthias Maier als dritte Generation in die Geschäftsführung ein und gründeten im Jahr 1994 das Schwesterunternehmen EOS Getränke GmbH. Ein starkes Wachstum machte einen größeren Standort notwendig und um die Jahrtausendwende zog die Firma ins Industriegebiet von Weinstadt-Endersbach – ins ehemalige Areal des Nudelproduzenten Birkel– und übernahm dort das stillgelegte Hochregallager mit rund 4.300 Palettenstellplätzen.

Inzwischen wurde das Sortiment deutlich ausgebaut. 2009 produzierte Beutelsbacher den ersten Demeter-Möhrensaft aus samenfestem Saatgut, ein Jahr später wurde eine neue Abfülltechnik mit Verfahren zur Aromasicherung etabliert. Essige, Schorlen und andere Erfrischungsgetränke gehören heute zum über 120 Sorten umfassenden Portfolio des Bio-Herstellers. Mit 85 Mitarbeitern wird ein Jahresumsatz von rund 16 Millionen Euro erzielt.

Im Jahr 2021 wurde das Firmengelände um rund 6.000 Quadratmeter erweitert, 2024 ist mit den Cousins Bruno und Marius Maier die vierte Generation in die Geschäftsführung eingestiegen. Bei der Feier des 90-jährigen Firmenjubiläums im Juli 2026 erfolgte die offizielle Staffelübergabe. 

 

Jubiläumsfeier: 90 Jahre Beutelsbacher
Mit Gästen aus Politik, Wirtschaft und der Bio-Branche sowie rund 3.500 Besuchern feierte die Beutelsbacher Fruchtsaftkelterei im Juli 2026 ihr 90-jähriges Bestehen. Oberbürgermeister Michael Scharmann würdigte die langjährige Verbundenheit des Unternehmens mit Weinstadt und der Region sowie die Bedeutung des Herstellers als Arbeitgeber von rund 85 Mitarbeitern. Für die überdurchschnittliche Bereitstellung von Ausbildungsplätzen dankte der IHK-Präsident Claus Paal Beutelsbacher. 

Florian Haßler, Staatssekretär in der Landesregierung Baden-Württemberg, betonte, dass regionale Wertschöpfung und nachhaltige Innovation gemeinsam gedacht werden müssen. Beutelsbacher nehme hierbei eine Vorbildfunktion ein – besonders durch das Engagement für den Schutz von Streuobstwiesen. 

Beutelsbacher ist auch Mitglied des Bundesverbands Naturkost Naturwaren (BNN). Dessen Vorsitzende Kathrin Jäckel hob den Wert von Bio-Herstellern wie Beutelsbacher für den Erhalt mittelständischer Strukturen in Deutschland hervor. Rund 400.000 Arbeitsplätze schaffe die Bio-Branche zusammen in Deutschland.
 
Als Anlass, Danke zu sagen, bezeichnete Geschäftsführer Marius Maier das Jubiläum – zu Mitarbeitern, Kunden, Handelspartnern, Erzeugern und Wegbegleitern. „Wir sind sehr dankbar für alles. Gleichzeitig verstehen wir das Jubiläum als Startpunkt für das nächste Kapitel unserer Unternehmensgeschichte.“ 
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