Forschung
Auf dem Weg zur idealen Bio-Hartweizensorte
Züchtungsprojekt sucht nach Balance zwischen Ertrag, Robustheit und Qualität
© Alb-Gold
Seit mehr als 15 Jahren arbeitet Pflanzenzüchter Udo Hennenkämper an einer Hartweizensorte für den ökologischen Landbau. Am Keyserlingk-Institut in Salem am Bodensee ist er auf der Suche nach einer Linie, die den Herausforderungen des Klimawandels standhält und gleichzeitig die Qualitätsansprüche für die Herstellung hochwertiger Bio-Pasta erfüllt. Begleitet wird das Projekt durch den schwäbischen Nudelhersteller Alb-Gold.
Längere Trockenperioden, Starkregen und neue Krankheitserreger verändern die Bedingungen auf den Feldern. Und da für Bio-Betriebe chemisch-synthetische Pestizide und mineralische Stickstoffdünger tabu sind, steigen die Anforderungen an die Pflanze selbst. Was im konventionellen Anbau durch Betriebsmittel ausgeglichen werden kann, muss im Bio-Bereich die Genetik leisten.
„Aktuell gibt es meines Wissens in Deutschland keine Durumsorte, die speziell für die Anforderungen des ökologischen Landbaus gezüchtet wurde“, erklärt Hennenkämper. „Wir bewegen uns im Spannungsfeld zwischen robuster Pflanze und hoher Verarbeitungsqualität. Beides gleichzeitig zu erreichen, ist im ökologischen System deutlich anspruchsvoller.“
Im Fokus steht die Entwicklung neuer Linien, die unter Praxisbedingungen im Bio-Anbau und in der Verarbeitung getestet werden. Ziel ist eine Sorte, die ohne chemischen Pflanzenschutz stabile Erträge liefert und zugleich die Anforderungen der Nudelproduktion erfüllt.
Analysen nach der Ernte im letzten Jahr zeigen Fortschritte, aber auch Defizite: So erreichten einzelne Linien die erwünschten hohen Proteingehalte, sie wiesen jedoch Schwächen bei funktionalen Qualitätsparametern wie dem Sedimentationswert auf, der wichtig für die Kleberqualität und damit für stabile Teige ist. „Die genetischen Eigenschaften der Sorte entscheiden von Anfang an über den späteren Verarbeitungserfolg“, so Hennenkämper.
Im Bio-Anbau gewönnen außerdem agronomische Eigenschaften an Bedeutung. Pflanzen mit größerer Blattmasse und tieferem Wurzelsystem deuteten auf eine höhere Anpassungsfähigkeit an wechselnde Witterungsbedingungen hin. Und anders als in der konventionellen Züchtung gälten längere Halme im Ökolandbau nicht zwangsläufig als Nachteil. Sie förderten die Konkurrenzkraft gegenüber Unkräutern und gingen häufig mit tieferen Wurzelsystemen einher.
Pflanzenzüchtung braucht ihre Zeit. Das Projekt läuft bereits seit 2011. Bis aus einer vielversprechenden Kreuzung eine marktfähige Sorte entsteht, vergehen häufig 15 bis 20 Jahre. Auf den Versuchsflächen seien als vielversprechende Entwicklung bei einzelnen Linien größere und glasigere Körner beobachtet worden als bei den parallel angebauten etablierten Sorten. Gleichzeitig habe sich die Homogenität der Linien, die in die engere Auswahl gekommen sind, verbessert, was bei den Forschenden für Optimismus mit Blick auf die baldige Marktreife sorgt.
Ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor blieben Witterungseinflüsse, die sich sowohl auf die Saatgutvermehrung als auch die Versuchsergebnisse auswirkten. Herausfordernd seien außerdem neue Krankheitserreger und die Aufgabe, ausreichend landwirtschaftliche Betriebe zu finden, die die Vermehrung durchführen und neue Sorten ausprobieren. Bereits für die Aussaat auf einem halben Hektar Versuchsfläche würden rund 100 Kilogramm Saatgut benötigt.
Alb-Gold-Geschäftsführer Oliver Freidler sieht in der Kooperation einen wichtigen Baustein zur Rohstoffsicherung. Bislang werde Bio-Hartweizen für die Verarbeitung überwiegend importiert. „Ohne geeignete Sorten bleibt der heimische Bio-Hartweizenanbau begrenzt“, so Freidler.







