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Ökolandbau

Bio-Saatgut braucht Rückenwind

FiBL-Konferenz sucht nach Strategien für den Ausbau von ökologischem PVM

Bio-Saatgut braucht Rückenwind © Marzena Seidel, FiBL
Freya Schäfer vom FiBL in Deutschland erläutert die Schritte von der Züchtung bis zum ökologischen Pflanzenvermehrungsmaterial.

Noch wird im Ökolandbau häufig konventionelles Pflanzenvermehrungsmaterial (PVM) eingesetzt. Ab 2037 ist dies nach der EU-Öko-Verordnung jedoch nicht mehr zulässig. Wie lässt sich der Ausbau von Biosaat- und Pflanzgut beschleunigen? Darüber wurde auf der Saatgutkonferenz des Forschungsinstituts für biologische Landwirtschaft (FiBL) am 7. und 8. Juli in Fulda diskutiert. Fachleute aus Landwirtschaft, Züchtung, Wissenschaft, Verarbeitung, Handel, Politik und Verbänden nahmen an der Veranstaltung teil.

Um den Bedarf bis 2037 zu decken, müsste die Produktion von ökologischem PVM laut FiBL um 500 bis 600 Prozent steigen. Besonders im Gemüse-, Wein- und Obstbau bestünden noch große Lücken. Um sie zu schließen, brauche es das Engagement der gesamten Wertschöpfungskette, sagte Freya Schäfer vom FiBL in Deutschland.

Zusätzlichen Handlungsdruck erzeugt die Deregulierung neuer gentechnischer Verfahren (NGT). „Das Versprechen des Biosektors, auch weiterhin ohne Gentechnik zu arbeiten, lässt sich am konsequentesten durch die Verwendung von Biosaat- und Pflanzgut absichern – denn hier bleibt Gentechnik auch in Zukunft tabu“, erklärte Carolin Pagel, Teamleitung Politik bei Bioland.

Impulse aus Landwirtschaft, Handel und Verarbeitung zeigten, dass erste Unternehmen bereits Informationen zur Herkunft des PVMs in ihren Lieferketten erfragen. Christian Kluge, Bereichsverantwortlicher Ernährung bei dm, sieht die Konferenz als Ansporn, um gemeinsam mit Partnern aus der Herstellung konkrete Fahrpläne zu entwickeln.

Unter dem Stichwort Transparenz wurde darüber diskutiert, wie vermieden werden kann, dass Informationen zu PVM schon zu Beginn der Lieferkette verloren gehen. Dafür müssten Verantwortlichkeiten und Datenflüsse zwischen Lieferanten, Verarbeitung und Handel definiert werden. Außerdem wurde darüber gesprochen, wie das Thema gegenüber Verbrauchern kommuniziert werden kann.

Eine Herausforderung bleibt auch die Frage der Finanzierung. Da die ökologische Pflanzenvermehrung mit höheren Risiken und Kosten verbunden ist, seien faire Lösungen entlang der Wertschöpfungskette erforderlich. „Hier müssen Handel, Verarbeitende und Verbände gemeinsame Lösungen finden“, forderte Steffen Reese, Co-Geschäftsführer von FiBL Europe.

Die Konferenz endete mit einem Arbeitsauftrag an die Branche: Sie müsse eine verbindliche Nachfrage schaffen, Transparenz in den Lieferketten sicherstellen, Verantwortlichkeiten klären und Lösungen für die Finanzierung der Transformation entwickeln. „Die Konferenz war ein Anfang, kein Abschluss“, resümierte Freya Schäfer. „Jetzt gilt es, die Erkenntnisse in die Praxis zu übersetzen.“

Die Veranstaltung fand im Rahmen des RoadmapsOekoPVM-Projekts statt und wurde vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) und der Bioland Praxisforschung GmbH organisiert. Das Projekt zielt darauf ab, die Versorgung mit ökologisch erzeugtem Saat- und Pflanzgut bis 2036 zu verbessern und wird gefördert durch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau (BÖL).

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