Menschenrechte
Welternährungsbericht: 645 Millionen Menschen leiden Hunger
Anbauflächen für Grundnahrungsmittel gehen zurück
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Die Welternährungsorganisation FAO hat gestern ihren Jahresbericht zur Welternährungslage veröffentlicht. Demnach lag die Zahl chronisch hungernder Menschen im vergangenen Jahr bei 645 Millionen – das sind fast 14 Millionen weniger als 2024 und rund 7,8 Prozent der Weltbevölkerung. Fast ein Drittel der Menschen konnte sich außerdem keine gesunde Ernährung leisten.
Von 2010 bis 2016 gab es laut FAO noch unter 600 Millionen hungernde Menschen. Während der Corona-Pandemie stieg die Zahl allerdings sprunghaft auf über 700 Millionen. Die Welternährungsorganisation prognostiziert nun einen Rückgang auf etwa 515 Millionen Menschen im Jahr 2030. Das Ziel der Vereinten Nationen, den Hunger bis 2030 vollständig zu beenden, bleibt damit noch in weiter Ferne.
Während Asien sowie Lateinamerika und die Karibik laut dem Bericht in den vergangenen Jahren Verbesserungen verzeichneten, stagnierte die Zahl der Hungernden in Afrika. Dort sind aktuell mit 309 Millionen Menschen absolut betrachtet die meisten Hungernden zu verorten.
Die Menschenrechtsorganisation FIAN prangert die anhaltend hohen Zahlen an. „Nicht hungern zu müssen ist ein Menschenrecht“, sagt FIAN-Geschäftsführer Philipp Mimkes. „In Zeiten guter Ernten und voller Getreidespeicher markiert jeder einzelne hungernde Mensch ein politisches Versagen und einen Bruch des Völkerrechts.“ Hunger sei das Ergebnis von Rechtlosigkeit, Enteignungen, Armut oder Gewalt – und nur in den seltensten Fällen die Folge eines Mangels an Lebensmitteln.
FIAN kritisiert außerdem, dass sich die Agrarsysteme immer weiter von ihrer eigentlichen Aufgabe, die Menschen zu ernähren, entfernten. So seien die Anbauflächen wichtiger Grundnahrungsmittel wie Hirse, Roggen oder Kartoffeln in 60 Jahren industrieller Agrarpolitik um 45 Millionen Hektar zurückgegangen. Gleichzeitig seien die Anbauflächen für industrielle Agrarrohstoffe wie Palmöl, Zuckerrohr, Soja oder Raps um 300 Millionen Hektar angewachsen – etwa die dreifache Ackerfläche der EU.
Das diesjährige Schwerpunktthema des Berichts sind die Kosten für eine gesunde Ernährung mit Lebensmitteln wie Obst und Gemüse, die in den vergangenen vier Jahren um ein Viertel gestiegen seien. Gleichzeitig entstünden 75 Prozent der Kosten für Nahrungsmittel erst nach der landwirtschaftlichen Produktion.
„Wichtig wäre eine kritische Analyse der monopolartigen Stellung von Supermarktketten und Getreidehändlern sowie der Finanzspekulation an den Agrarbörsen“, folgert Mimkes. Die Forderung der FAO, die Energiepreise zu senken, greife zu kurz. Vielmehr brauche es eine Abkehr von energieintensiven Anbausystemen und krisenanfälligen Lieferketten. Die vorhandenen Ansätze für eine Transformation der Ernährungssysteme müssten vorangebracht werden.







