Gesellschaft
Slow Food kritisiert Fleischkampagne ‚Iss was dir schmeckt‘
Plädoyer für nachhaltiges Qualitätsfleisch anstelle von Massenware
© Ingo Hilger
Die Kampagne ‚Iss was dir schmeckt‘ der Initiative Fleisch stößt bei Slow Food Deutschland auf Kritik. Der Verein bemängelt, die Werbebotschaft reduziere den Fleischkonsum auf eine Frage des persönlichen Geschmacks und blende Aspekte wie Tierwohl, nachhaltige Landwirtschaft und handwerkliche Verarbeitung aus. Statt den Konsum von Fleisch grundsätzlich infrage zu stellen, plädiert Slowfood für weniger, dafür hochwertig erzeugtes Fleisch.
Hinter der Initiative Fleisch stehen der Deutsche Bauernverband und der Verband der Fleischwirtschaft. Mit ihrer Kampagne ‚Iss was dir schmeckt‘ wollen die Initiatoren für ‚Freiheit‘, ‚Vielfalt‘ und ‚Individualität‘ in der Ernährung werben und plädieren für einen respekt- und verständnisvollen Umgang mit unterschiedlichen Ernährungsweisen.
Das klingt zunächst positiv. Slow Food Deutschland sieht in der Kampagne allerdings die Botschaft, dass kritische Gedanken über den Fleischkonsum zu Konflikten in der Gesellschaft führen und der erwünschten Versöhnung im Wege stehen. Anscheinend sollten Fleischliebende in Schutz genommen werden und dazu ermuntert, sich von Bedenkenträgern nicht den Geschmack vermiesen zu lassen. Die Auseinandersetzung mit den ökologischen und ethischen Folgen der Fleischerzeugung sowie der besondere Geschmack von Qualitätsfleisch würde dabei in den Hintergrund gedrängt.
Dabei stünden Genuss und das Wissen um die Herkunft von Lebensmitteln nicht im Gegensatz zueinander. Das Slow-Food-Motto ‚gut, sauber und fair‘ sei kein moralischer Maßstab, sondern ein Genuss- und Qualitätsversprechen. Der Verein fordert nicht den Verzicht auf Fleisch, sondern einen bewussteren und maßvolleren Konsum zugunsten hochwertiger Produkte.
„Wer einmal Fleisch von einem Tier gegessen hat, das langsam gewachsen ist, artgerecht gehalten, stressfrei geschlachtet und handwerklich verarbeitet wurde, kennt den Unterschied. Aroma, Struktur, Charakter und Vielfalt entstehen dort, wo Tiere unter guten Bedingungen gehalten werden – nicht in Megaställen“, erklärt Rupert Ebner, Vorsitzender von Slow Food Deutschland.
Gleichzeitig zeigt der Verein Verständnis für die wirtschaftlich schwierige Lage vieler landwirtschaftlicher Betriebe. Die Sorge, dass durch Handelsabkommen wie Mercosur noch mehr preisgünstiges Fleisch auf den europäischen Markt gelangt, sei berechtigt. Die Lösung liege jedoch nicht allein in Appellen an die nationale Herkunft, sondern in einem stärkeren Fokus auf Qualität, Tierwohl und Nachhaltigkeit, womit sich Produkte von anonymer Massenware absetzen könnten. „Qualität ist der einzige Wettbewerbsvorteil, den niemand günstig importieren kann“, so Ebner.







