Start / Ausgaben / bioPress 108 - Juli 2021 / Pflanzliche Ernährung forcieren

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Pflanzliche Ernährung forcieren

Mit der Veröffentlichung eines Positionspapiers im Frühjahr 2021 will die Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller e.V. (AöL) das Thema ‚pflanzliche Ernährung‘ stärker in den Fokus der Verbandsarbeit rücken. Denn der Verband sieht in der pflanzlichen Bewegung einen Schlüsselaspekt für die notwendige Ernährungswende hin zu mehr Nachhaltigkeit und ganzheitlicher Gesundheit.

Geht es um moderne und nachhaltige Ernährung, fokussiert sich die öffentliche Debatte häufig auf Einzelaspekte wie den Nährwert oder den CO2-Fußabdruck von Lebensmitteln. Damit werden aber sowohl die Komplexität von Ernährungsstilen außen vor gelassen, als auch die Heraus- forderungen, die eine Transformation der Ernährungswirtschaft mit sich bringt. Beides kann nur mit einem Wandel der Ernährungsgewohnheiten einhergehen. Das bereits erwähnte Positionspapier bezieht dazu Stellung und gibt Handlungsempfehlungen für die Transformation der Ernährung.

‚Deutschland, wie es isst‘: Damit beschäftigt sich der Ernährungsbericht 2021 des Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und stellt in einer Umfrage fest, dass der Anteil an Befragten, die sich vegetarisch ernähren, gegenüber dem Vorjahr von fünf auf zehn Prozent, und der Anteil der Veganer*innen von ein auf zwei Prozent gestiegen ist. Organisationen wie ProVeg Deutschland e.V. kommen in ihren Umfragen sogar zu weitaus höheren Zahlen. Sie alle zeigen deutlich, dass es sich bei der Bewegung hin zu mehr pflanzlicher Ernährung nicht mehr bloß um einen kurzfristigen Trend, sondern um einen echten Wandel der Ernährungsgewohnheiten handelt. Die Gründe für eine Ernährungsumstellung sind laut Befragung sowohl die Gesundheit als auch Tierwohl und Umwelt sowie Geschmack und Neugier. Auf die Frage ‚Was essen wir morgen‘ setzen 85 Prozent der Befragten darauf, weniger Fleisch zu essen.

Darüber hinaus zeigt der Bericht die hohen gesellschaftlichen Erwartungen an die Landwirtschaft. Neben der Verringerung gesundheitsbelastender Emissionen und dem Umstieg auf umweltschonende Methoden stehen Qualität und eine artgerechte Tierhaltung im Fokus der Befragten. Das sind Bedürfnisse, die sich nicht allein durch eine Ernährungsumstellung auf pflanzliche Produkte befriedigen lassen. Vielmehr kann aus Sicht der AöL nur eine konsequente Umstellung der Landwirtschaft auf ökologischen Landbau in Kombination mit einer überwiegend pflanzlichen Ernährung diese Ziele erreichen.

Welche Maßnahmen können sich daraus ergeben? Das hat die Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller in ihrem Positionspapier herausgestellt. Neben einer Betrachtung der gesetzlichen Regelungen hinsichtlich der Förderung alternativer Ernährungs- stile sollten Maßnahmen zur Erreichung ‚wahrer Preise‘ ergriffen, die Forschung ausgebaut und eine europaweite Kampagne zum Wandel der Ernährungsumgebung initiiert sowie Im- und Export neu betrachtet werden.

Insbesondere die gesetzlichen Hürden bei der Vermarktung pflanzlicher Produkte sind seit Jahren im Fokus der AöL. So unterliegen beispielsweise pflanzliche Milchalternativen nicht nur kennzeichnungsseitigen Einschränkungen durch die Milchverordnung, sondern auch steuerlichen Nachteilen im Rahmen der Umsatzsteuer. Auch im vergangenen Jahr hat es auf europäischer Ebene mit den Änderungsanträgen 165 und 171 weitere Bemühungen gegeben, die Anlehnung an tierische Produkte zu unterbinden, die sich jedoch nicht durchgesetzt haben. Die Lebensmittelhersteller betonen, dass auch bestehende Hürden systematisch abzubauen sind und die Gesetzgebung so strukturiert werden muss, dass diese das gesellschaftlich gewünschte Ziel der Transformation der Ernährungsstile hin zu mehr pflanzlichen Lebensmitteln fördert. Um den Markt an die Anforderungen einer nachhaltigeren Wirtschaft anzupassen, sollen darüber hinaus die Kosten für bisher externalisierte Effekte, wie die Produktionsauswirkungen auf natürliche, menschliche und soziale Kapitale, erfasst und bepreist werden. Eine Kostenzuordnung, die sich am Verursacher orientiert, und andere Steuerungsmechanismen einschließlich Besteuerung müssen unter Nachhaltigkeitsaspekten überdacht und angepasst werden, um die wahren Preise der Lebensmittelproduktion transparent zu machen. Der sich aus Verbraucherbefragungen wie dem Ernährungsbericht des BMEL ergebene Wille der Verbraucher*innen hin zu einem Wandel der Ernährungsgewohnheiten muss durch konsequente Transparenz in Hinblick auf die Auswirkungen unserer Ernährung unterstützt werden.

Eine europaweite Kampagne zu den positiven Konsequenzen pflanzlicher Ernährung in Bioqualität kann die Ernährungsumgebungen verändern und dabei helfen, die richtige Kaufentscheidung zu treffen. Essentiell ist jedoch, das Ernährungssystem ganzheitlich zu betrachten. Hier bietet der ökologische Landbau bereits einen starken Ansatz.

Matthias Beuger


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