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Bäume als Regenmacher

Wie Vegetation mehr Niederschläge und ein besseres Klima erzeugt

Bäume als Regenmacher
Stefan Schwarzer und Manuel Nagel, Initiatoren der Webinar-Reihe 'Aufbauende Landwirtschaft'

Die Wirkung von CO2 für den Klimawandel ist allgemein bekannt. Was aber ist mit dem kühlenden Effekt von Wasserdampf und Niederschlägen? Welche Rolle spielen Pflanzen bei der Erzeugung von Regen? Und wie können Landwirte das Wasser besser speichern? Mit einem Vortrag zum Thema ‚Wasser pflanzen‘ eröffnete Stefan Schwarzer, physischer Geograf und Permakultur-Designer, gestern vor knapp 100 Interessierten die Webinar-Reihe ‚Aufbauende Landwirtschaft‘.

Bei einer globalen Niederschlagsmenge von 120.000 Kubikkilometern komme etwa 70.000 von Ozeanen und 50.000 vom Land, erklärte Stefan Schwarzer zu Beginn. Für 60 bis 80 Prozent des Regens vom Land sei wiederum die Vegetation verantwortlich. „Mehr Vegetation bedeutet auch mehr Wasser“, so der Referent. Das Problem: Auf großen landwirtschaftlichen Flächen steht Vegetation nicht zur Verfügung. Das sei auch mit Blick auf den Klimawandel fatal.

Ein großer Baum verdunste etwa 400 Liter am Tag. Acht Klimaanlagen müssten 24 Stunden lang durchlaufen, um die Menge an Energie zu verbrauchen, die er dafür benötigt. Durch diese Transpirationsleistung werde die Umgebungsluft merklich gekühlt. So könne sich die Temperatur über asphaltierten Flächen und im Wald um bis zu 20 Grad unterscheiden.

Kühlender Mischwald, heiße Äcker

„Aber Wald ist nicht gleich Wald“, merkte Schwarzer an. Früher sei es in Wäldern noch viel kühler gewesen. Ein vielfältiger Mischwald könne 350 Liter pro Quadratmeter speichern – in einem forstwirtschaftlich genutzten Fichtenwald seien es gerade mal 75 Liter. Während Nadelstreu sich nur schwer zersetze, erhöhe das Laub mit Hilfe von Mikroorganismen und Pilzen die Bodenfruchtbarkeit.

Auch der Unterschied zwischen Wiesen und Äckern sei enorm. Eine Wiese setze 80 bis 90 Prozent der empfangenen Sonnenenergie in ‚latente Wärme‘ um. Im Verdampfungsprozess kühlten die Pflanzen die Umgebungsluft. Durch die folgende Wolkenbildung mit anschließendem Niederschlag sinke die Temperatur noch weiter. Beim größtenteils unbedeckten Acker hingegen liege der Anteil latenter Wärme nur bei 10 bis 20 Prozent. 70 bis 80 Prozent der Sonnenenergie wirke sich als fühlbare Wärme aus und führe zu Hochdruckgebieten mit geringer Niederschlagsmenge.

Als ‚fliegende Flüsse‘ bezeichne man den Kreislauf des Regens, der seinen Anfang im Ozean hat und die Feuchtigkeit über die Wälder immer weiter ins Landesinnere transportiert. Eine ‚biotische Pumpe‘ führe zum stetigen Wechsel von Kondensation und Transpiration (Niederschlag und Verdunstung). 80 Prozent des Regens in Ostchina hätte seinen Ursprung in Europa. Wenn wir aber nun Wälder abholzen und Boden offen liegen lassen, könne auch weniger verdunsten. Es gebe weniger Wolken und weniger Niederschlag – und der Kreislauf würde unterbrochen.

18 bis 40 Prozent der globalen Temperaturänderung sei laut Wissenschaftlern durch Landnutzung zu erklären. Als Folge von Abholzung, Moortrockenlegungen und vermehrtem Ackerbau gehe die Verdunstung jährlich um fünf Prozent zurück, der Oberflächenabfluss erhöhe sich um sieben Prozent und die Oberflächentemperatur steige um 0,3 Grad.

Wasser speichern statt ableiten

Was also ist zu tun? „Wir brauchen ein neues Wasserparadigma!“, rief Schwarzer auf. Um den sinkenden Grundwasserspiegel aufzuhalten, müsse man davon wegkommen, Wasser möglichst schnell in die Kanalisation weiterzuleiten. Stattdessen gelte es dafür zu sorgen, dass es in den Boden einsickern und die Vegetation nähren kann.

Für die Landwirtschaft bedeute das, offenen Boden zu vermeiden und möglichst wenig mit dem Pflug zu arbeiten. Stattdessen empfiehlt Schwarzer Direktsaatverfahren, bei denen die Saat direkt im unbearbeiteten Boden ausgebracht wird. Zwischenfrüchte könnten vegetationslose Zeiträume überbrücken und Untersaaten (zweite Früchte neben der Hauptfrucht) dafür sorgen, dass der Boden lockenlos bedeckt wird. Mit Hilfe des ‚Keyline Designs‘ (Schlüssellinienkultur) lasse sich das Wasser besser verteilen und Wasserabfluss verhindern.

„Die Landwirtschaft muss damit anfangen, Boden als Kapital zu rechnen – anstatt ihn erodieren zu lassen“, meinte Schwarzer. Dass die Ressourcen aufgebraucht sind, merke man erst, wenn das Konto auf Null angekommen sei. Dagegen führten die genannten Methoden auch zu einer resilienteren Landwirtschaft mit stabileren Ernten. Durch Humusaufbau und eine höhere Wasserspeicherfähigkeit lasse sich die Produktion verbessern – vor allem unter extremen Wetterbedingungen.

„Wir wollen nicht das bewahren, wo wir stehen, sondern neue Ressourcen aufbauen“, betonte Schwarzer. Genau darum gehe es in der aufbauenden Landwirtschaft.

Weiter in der Reihe geht es gleich morgen mit einem Vortrag von Helmy Abouleish über ‚SEKEM – das Wunder in der Wüste‘. Die Anmeldung ist weiterhin offen.

Lena Renner


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