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Erzeugerpreise für Bio-Gemüse und Bio-Kartoffeln bleiben hoch

3. Branchentreffen des KÖN in Visselhövede mit 200 Teilnehmern

Bei Bio-Gemüse und Bio-Kartoffeln ist Regionalität gefragt, und die Importanteile sind hoch. Vor diesem Hintergrund diskutierten 200 Marktexperten, Bündler, Händler und Erzeuger aus dem deutschsprachigen Raum und den Niederlanden auf dem „3. Bio-Fachforum Gemüse und Kartoffeln“ über Anbau, Lagerung, Markt und Vermarktung. Der Frische-Absatz von Bio-Gemüse im Lebensmittelhandel wächst seit Jahren. Aber: In den ersten drei Quartalen 2018 gab es Rückgänge sowohl bei Bio-Gemüse wie bei Bio-Kartoffeln. Die Haushalte kauften 5,2 Prozent weniger Bio-Gemüse ein als im Vorjahreszeitraum. Der Absatz von Bio-Kartoffeln stieg zwar in den drei Quartalen des Jahres 2018 leicht um 2,8 Prozent, der Umsatz jedoch sank um satte 9,1 Prozent.

Den Grund sehen Experten in den wetterbedingt schlechten Ernten. Viele Bio-Gemüseanbauer besonders im Norden haben 2018 unterdurchschnittliche Mengen und Qualitäten eingefahren. Bei den Bio-Kartoffeln halten sich die Erntemengen im normalen Bereich, aber die Qualtäten lassen zu wünschen übrig. Für die Erzeuger bedeutet das: Die Preise sind hoch und bleiben stabil.

Mit rund 1.870 ha Gemüse-Anbaufläche steht Niedersachsen auf Platz drei der deutschen Bio-Gemüse-Anbauländer. Die bedeutendste Kultur sind Bio-Möhren mit 410 ha. Johannes Blum vom Bündler „Brocker-Möhren“ erwartet, dass die deutschen Bio-Möhren Ende dieses Jahres komplett vermarktet sein werden. In anderen Jahren reichten sie bis Februar. Die knappe Ernte und witterungsbedingt weniger gute Lagereigenschaften der Ernte 2018 lassen weiterhin feste Preise erwarten. Mit Blick auf den hohen Importanteil sieht er für Landwirte gute Absatzchancen. Voraussetzung sind jedoch geeignete Böden.

Die Niederländer produzieren billiger

Auch bei Zwiebeln werden die Preise hoch bleiben. Händler Reinhard Meyer vom ÖkoKontor Uelzen beurteilt die Bio-Zwiebelernte 2018 mit „annehmbar“. Wenn man über Zwiebeln spreche, müsse man immer auch die Niederlande im Blick behalten, sagte Meyer. Wegen moderner Produktions- und Lagertechnik könnten die niederländischen Zwiebel-Erzeuger günstig produzieren und Ware bis Juni anbieten.

Der Bio-Anteil bei Tiefkühl-Gemüse rückt mit 8,3 Prozent dem Bio-Anteil bei Frischgemüse, 9,8 Prozent, weiter näher. Nachholbedarf gibt es bei den Konserven, zu denen auch die Rohkostsalate zählen. Hier hat Bio erst einen Anteil von 2,7 Prozent.

30 Prozent Aussortierungsverluste bei Kartoffeln

Niedersachsen hat aktuell 2.400 Hektar Bio-Kartoffeln mit einem Wachstum von 65 Hektar im Jahr 2018. Weitere Bio-Kartoffeln, die zwei bis drei Jahre nach der Umstellung als A-Ware auf den Markt kommen werden, gut zu integrieren, sei die Herausforderung, sagte Reinhard Meyer vom ÖkoKontor. Zum Problem wird 2018 die schlechte Lagerfähigkeit der Kartoffeln aufgrund des erlittenen Hitzestresses. Fachleute rechnen mit rund 30 Prozent aussortierten Kartoffeln.

Drahtwurm, Trends, Handelsstrategien, Blühstreifen und Lagertechnik

In weiteren Vorträgen, Workshops und Diskussionen ging es unter anderem um aktuelle Forschungsergebnisse von Dr. Jörn Lehmhus und Lara Reinbacher zur Drahtwurmbekämpfung mit pathogenen Pilzen. Die stellen sich als schwierig heraus, weil gegen jede der 15 Drahtwurmarten ein anderer Pilzstamm wirkt. Die Laboruntersuchungen sind erfolgreich, Freilandversuche hingegen liefern noch keine zufriedenstellenden Ergebnisse.

Der Schweizer Trendscout Richard Kägi, berichtete von Landwirten, die durch pfiffige Vermarktungsideen Preisaufschläge erzielen können. Ein wesentlicher Aspekt dabei sei es, die gute Idee konsequent zu einer Marke zu entwickeln. Ein Zauberwort ist „Storytelling“, die Strategie, eine interessante Geschichte zum Produkt zu erzählen und zu verbreiten.

Erich Margrander und Albert Fuhs, beide im Handel zu Hause, sprachen über Möglichkeiten des Lebensmittelhandels, mit Bio-Gemüse und Bio-Kartoffeln mehr Umsatz zu erzielen. Dabei verfolgen beide durchaus unterschiedliche Ansätze von Gemüse-Bedientheke über Angebotsvielfalt bis zum schrittweisen Ersatz von konventioneller Ware durch Bio-Ware. 

Nützlinge anlocken, sie füttern und dann mit ihnen ein Schutzschild gegen Schädlinge aufzubauen, das ist die Strategie von Anton Sartisohn von der Uni Hannover. Er stellte Ergebnisse aus Versuchen mit ganz speziellen Blühstreifenmischungen im Kohl vor.

Dass Gemüse gute Lagertechnik braucht, damit heimische Ware dem Handel auch ganzjährig angeboten werden kann, wird in diesem Hitzesommer deutlich. Ein interessantes Verfahren mit Kochsalzlösung stellt Dr. Marcel Thieron vor.



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