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Süd West Bio

Noch Luft nach oben

Süd West Bio will Rhein-Main-Gebiet mit regionalen Produkten versorgen

Noch Luft nach oben © bioPress, EM

Der Großhändler Süd West Bio in Alzey beliefert seit fast zwei Jahren das Rhein-Main-Gebiet mit mehr als 8.000 Bio-Produkten, darunter auch die Erzeugnisse lokaler Landwirte und das Frische-Sortiment von Alnatura. Um selbstständigen Kaufleuten eine interessante Auswahl bieten zu können, ist er auf der Suche nach weiteren lokalen Erzeugern und Verarbeitern. Künftig will er auch Lieferservice-Betriebe mit Bio-Produkten versorgen.

Süd West Bio wurde im September 2015 als Ausgründung der Großhändler Rinklin Naturkost in Eichstetten und Naturkost West in Duisburg in Betrieb genommen, um deren Randgebiete, die von Saarbrücken bis Gießen und Aschaffenburg reichen, noch besser versorgen und auch mit regionalen Bio-Produkten beliefern zu können. Im ersten Jahr belief sich der Umsatz des regionalen Großhandels auf 21 Millionen Euro. Dieses Jahr wollen die beiden Geschäftsführer Gottfried Willmann und Alexander Bois 35 Millionen Euro umsetzen.

Um Kundenwünschen nach einem Naturkostvollsortiment nachzukommen, können sie auf die Sortimente von Naturkost West und Rinklin Naturkost zurückgreifen – besonders bei den Trockenprodukten. Zu seinen Kunden zählen bisher Bioläden in der näheren Umgebung sowie Alnatura-Filialen. Als Dienstleister beliefert er auch Händler wie Edeka, Globus, Supermärkte Nord, Billa und Migros mit Alnatura-Ware.

Kaufleute brauchen exklusive und regionale Produkte

„Neben unserem Basis-Sortiment kommissionieren wir die Bio-Produkte zwölf regionaler Landwirte im Gebiet zwischen Kaiserslautern und Frankfurt“, sagt Willmann. Mindestens dreimal pro Woche sammelt Süd West Bio die Erzeugnisse auf den Höfen ein. Dazu zählen vor allem Obst und Gemüse. „Unser Schwerpunkt ist der Frischebereich. Darin entzündet sich am ehesten die Regionalität“, so Willmann. Zurzeit führt der Bio-Großhändler 1.800 Frische-Produkte, darunter über 150 von Alnatura.

Willmann: „Um den selbstständigen Kaufleuten in der Region eine interessante Auswahl bieten zu können, wollen wir noch weitere regionale Verarbeiter listen. Ein Kaufmann braucht exklusive und regionale Produkte, um sich von Wettbewerbern abzugrenzen.“ 

Dass noch deutlich Luft nach oben ist, zeigen auch die leeren Palettenplätze im 6.000 Quadratmeter großen Lager. „Wir sind erst zu 25 Prozent ausgelastet und wollen den freien Platz sowohl für den Einzelhandel als auch für weitere Logistikdienstleistungen nutzen“, sagt er. „Unser Lager hält 4.200 Quadratmeter für kühlpflichtige Ware bereit. Die restlichen 1.800 Quadratmeter stehen für Trockenprodukte zur Verfügung.“

Partner aus der Region gesucht

Die beiden Geschäftsführer stehen bereits in Kontakt zu weiteren Erzeugern und Verarbeitern aus der Region. „Ich führe zurzeit Gespräche mit elf Verarbeitern, deren Produkte wir einlisten wollen. Das sind nicht nur Obst und Gemüse, sondern auch verschiedene Sorten Honig und Käse. Auch Fleisch ist für uns ein wichtiges Thema.“ Geplant sei eine Zusammenarbeit mit Bio-Rind & Fleisch RLP, einer Erzeugergemeinschaft, die in Alzey schlachtet und erfolgreich Tiere von rheinland-pfälzischen und saarländischen Erzeugern an Edeka vertreibt.

Es sei aus vielerlei Hinsicht „sinnvoll, als Großhändler mit Produkten aus der Region für die Region tätig zu sein“ und so auch „Landwirte mit kleineren Betrieben zu unterstützen“. Schließlich wachse die Nachfrage nach regionalen Produkten immer mehr.

Um jedoch auch größere Obst- und Gemüsekunden beliefern zu können, bezieht Süd West Bio zusätzliche Mengen der Importeure Biotropic und Naturkost Schramm. „Dank unserer beiden Partner und deren Auslandsprojekte können wir auch auf fair gehandelte Qualitätsware zurückgreifen“, sagt Willmann.

Aus den Projekten stammen zum Beispiel Ananas von der Elfenbeinküste, Bananen aus der Dominikanischen Republik sowie Paprika und Zucchini aus Marokko. „Ihre Niederlassungen und Mitarbeiter in der Dominikanischen Republik, Costa Rica, Italien, Spanien, Frankreich und Holland können mit einer hervorragenden Arbeit vor Ort verlässliche Strukturen von der Anbauqualität bis zur Versorgungssicherheit bieten“, betont er.

Neue Impulse schaffen

„Durch unser Handelspartnergeschäft mit Alnatura sind wir momentan noch gut beschäftigt“, sagt Willmann. „Wir können uns aber vorstellen, künftig auch anderen Unternehmen als Logistikplattform zu dienen und kühlbedürftige Bio-Produkte für weitere in- und ausländische Kunden in unserem Lager zu kommissionieren.“ Süd West Bio beschäftigt zurzeit 27 Angestellte aus neun Nationen. Die Mitarbeiterzahl soll noch weiter wachsen.

Zusätzlich wollen Willmann und Bois ein breites Kundenspektrum generieren, das vom Handel über Lieferservice-Betriebe bis hin zur Gastronomie reicht. Auch die Betreuung von Marktständen sei für Willmann denkbar. „Mein Steckenpferd aus der Vergangenheit ist das Käse-Sortiment, und natürlich am liebsten mit Sorten aus der Region.“

Während viele Großhändler mit Vielfalt werben, findet es Willmann „viel wichtiger, an den richtigen Stellen Impulse zu setzen. Zum Beispiel mit einem saisonal wechselnden Angebot für Käsetheken, statt immer demselben Sortiment. Die Käserei Geifertshofen ist ein gutes Beispiel, wie mit besonderer Qualität die Käsetheke nachhaltige Impulse bekommen kann.“

Lösungsansätze für mehr Bio in Kitas

Vor einiger Zeit stattete die rheinland-pfälzische Ernährungsministerin Ulrike Höfken dem Großhändler einen Besuch ab. Die Grünen-Politikerin schilderte Willmann ihr Anliegen, mehr Bio-Produkte in Kitas und Schulen einzuführen. „Wir beschäftigen uns schon einiger Zeit mit der Idee, Lieferservice-Betriebe mit Bio-Produkten zu versorgen. Dieser Bereich ist ein wachsender Markt und die Belieferung mit unseren Bio-Produkten machbar“, so Willmann.

Schwieriger sei die Versorgung von Kitas, allein schon wegen der kleineren Mengen. Doch er hat eine Lösung parat: „Wie wäre es denn, wenn Bioläden Kitas in der Umgebung mit ihren Produkten versorgen? Durch diese spezielle Dienstleistung haben sie ein Alleinstellungsmerkmal als Fachhandel, generieren mehr Kunden und machen mehr Umsatz. Wir würden als Lieferant natürlich auch von dem Modell profitieren. Und die Kinder sowieso.“

Sina Hindersmann


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