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Editorial

Editorial Ausgabe 92/Juli 2017, 3. Quartal

Liebe Leserin, lieber Leser!

Es hat sich ein dynamisches Bio-Vermarktungsjahr angekündigt. Die Zeichen stehen auf starkes Wachstum und alle schauen gespannt auf das Jahresende. Bis dahin erleben wir noch eine Anuga-Messe und - auch spannend - die Bundestagswahlen. Wer wird mit wem koalieren (müssen)? Wie es scheint, kommt erstmals eine Jamaika-Koalition auf uns zu.
Mit den Schwarzen in ein Boot steigen, das geht gar nicht, meinen Hardliner in der Bio-Szene. Egal wie man zu den Konservativen steht: Nur mit ihnen wird der Damm brechen und ökologischer Landbau gänzlich aus seiner Nische heraustreten können. Die Alternative wäre: Wir arbeiten daran, jeden Konservativen zu ersetzen, wenn er nicht mehr will oder kann! Na dann sehen wir uns in 273 Jahren wieder.

Als sich vor einigen Jahren Joschka Fischer mit Alain Caparros zusammen tat, um die Nachhaltigkeit bei Rewe einzuläuten, waren die beiden der Zeit etwas voraus. Nachhaltigkeit bei Rewe musste nicht von Anfang an wirklich gut gemacht werden. Hauptsache es gibt einen Anfang, so die damals allgemeine Stimmungslage. Schlimm für uns Ökos. Wenn man nämlich zusehen muss, wie auf diese Weise Nachhaltigkeit zelebriert wird, erinnert das untrüglich an die Machenschaften von VW: Es ist nicht drin, was drauf steht.

Wir wollen im Herbst auf der Anuga schauen, wo Nachhaltigkeit anders angefasst wird. Besser als Lobgesänge aus den Marketingabteilungen und ein Finderlohn für die Einkäufer für das Entdecken eines Produktes, das in der Kategorie Nachhaltigkeit einen Regalplatz ergattern kann. Ökologie ist ein altertümliches Wortgebilde einer politischen Klasse, der man sich unter den Hohepriestern des Handels nicht verpflichtet fühlen will. Es sei denn, sie versprechen öffentliche Aufmerksamkeit. Daher Joschka!

Die weltgrößte Ernährungsmesse Anuga engagiert sich seit der BSE-Krise für Bio. Zuerst wurde 2001 ein Biokongress etabliert, für den seither mal mehr, mal weniger Interesse gezeigt wurde. Tendenz der letzen zwei Messen: steigend! Seit 2003 gibt es den Organic Market, an dem jeweils bis zu 80 Teilnehmer ihre Bio-Produkte in den Muster-Supermarkt einbringen. Ein Sortiment, aus dem viele Bio-Sortiments-Impulse für den Handel kamen. Der aktuelle Anmeldestand zeigt heute schon 80 Teilnehmer. Da deutet sich ein Teilnahmerekord an!

Wichtig war die Erfassung der Anuga-Aussteller mit Bio-Angeboten. Zuletzt waren es 2.030! Bio ist in allen Anuga-Messehallen angekommen und die Einkäufer der Hersteller und des Handels sind sich einig: Die Kontakte lohnen sich bei der Größenordnung der Angebote. Das System ist zwischenzeitlich übergeschwappt auf andere Sortimentsbereiche wie Halal, free from, vegan etc. und bereichert so die digitale Suche nach Vielfalt im Lebensmittelangebot.

Ökologisch erzeugte Lebensmittel sind per se nachhaltig. Ökologie ist Nachhaltigkeit. Es ist das Gleiche! Warum also Nachhaltigkeit neu erfinden? Die Coop in der Schweiz macht es vor: Nachhaltigkeit ist seit 25 Jahren Programm. Seitdem ist das Bio-Angebot auf über 3.000 Produkte gestiegen. Wir haben Coop auf die Anuga eingeladen. Die Coop geht so weit, dass sie gar in eine eigene Eisenbahn investiert hat, mit Lokomotiven, Waggons und Werkshallen für deren Pflege und Erhaltung. Nur die Feinverteilung geht per Lkw.

Die Menschen finden zurück zu ihren Wurzeln. Geruch und Geschmack wies uns einmal den Weg zur gesunden Ernährung. Dieses Wissen gipfelte in der zivilisatorischen Fähigkeit zu genießen. Lebensmittelkaufleute mit Gespür für natürliche, geschmackvolle Produkte müssen sich um Kunden keine Sorgen machen.

Dass das Hand und Fuß hat, werden weitere Themen im Anuga-Bio-Kompetenzentrum zeigen. Ernährungspolitik ist eine moderne Disziplin, darüber referieren Forscher der University City of London, die sich scho-ckiert zeigen von 18 Millionen Toten pro Jahr infolge industrieller Ernährung.
Die gesundheitsschädigenden Folgen von Pestiziden sind dokumentiert bei der UNO und veröffentlicht. Auch darüber diskutieren wir im Oktober in Köln. Ökologischer Landbau ist robuster als konventioneller, der auf Masse setzt, das erforscht das Rodale Institute in den USA.  Daher stellen wir auf der Anuga an Urs Niggli vom FiBL, Schweiz, die Frage: Kann Bio die Welt ernähren?

Lebensmittelsicherheit, sagt aktuell der CDU- Landwirtschaftsminister Hauk, spiegele das Öko-Monitoring in Baden-Württemberg wider: In Bio-Produkten werden seit vielen Jahren keine Rückstände gefunden.
Was also ist nachhaltiger, als Bio-Produkte im Lebensmittelhandel?

Erich Margrander
Herausgeber


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