vegan

Initiative mit Geschmack

Zellertaler Keller bietet Handel vegane Weine und selbstkreierte Trend-Getränke

Mit seinen veganen Weinen aus den Anbaugebieten Rheinhessen und Pfalz bedient der Zellertaler Keller den qualitätsorientierten Weinfachhandel und LEH in Deutschland. Gegründet wurde die Erzeugerinitiative 1982 von Helmut Krauss, der in der dritten Generation das Weingut Krauss im pfälzischen Zellertal-Zell betreibt. Im betriebseigenen Labor kreiert er auch alkoholreduzierte Getränke und liegt damit voll im Trend.

Krauss gilt als einer der Pioniere für den ökologischen Weinanbau in Deutschland. Als der gelernte Kellertechniker und -meister Anfang der Achtziger seinen Familienbetrieb auf Bio umstellte, konnte er auch Weinfachleute und Winzer aus der Region von der umweltfreundlichen Wirtschaftsweise überzeugen. Sie schlossen sich zur Initiative Zellertaler Keller zusammen und begannen 1982 mit dem Bio-Weinanbau.
2009 verlagerte Krauss, der zuvor Betriebsleiter einer Großkellerei in Osthofen war, die Produktion des Zellertaler Kellers in sein Weingut in Zell. Aktuell bewirtschaften sechs Mitgliedsbetriebe insgesamt 100 Hektar klassische und lokal angepasste Rebsorten. Pro Jahr produzieren sie eine Million Flaschen Wein.

Anbaugebiete und Wein-Qualität

„Unsere Weinanbauflächen in der Pfalz liegen in der Großlage Zellertal, die sich durch ihre kalk- und lehmlößhaltigen Böden auszeichnet. Der größte Anteil unserer Bio-Weine stammt jedoch aus Rheinhessen, zum Beispiel aus dem südlichen Wonnegau. Kleinere Mengen beziehen wir aus den Mölsheimer und Gundheimer Lagen“, erklärt Krauss.

Mit den Weißen Sorten Silvaner, Müller-Thurgau, Scheurebe, Kerner, Traminer, Faber, Weißburgunder, Spätburgunder, Grauburgunder und Riesling sowie den Roten Pinot Noir, Regent, Dornfelder und Portugieser, bietet der Zellertaler Keller dem Handel ein breites Sortiment. Der Weißwein-Anteil beläuft sich auf 60 Prozent.

„Im höheren Qualitätsweinbereich unterscheiden wir zwischen Gutswein, Ortswein und Lagenwein. Die Bezeichnungen Spätlese oder Auslese spielt für uns keine Rolle mehr“, sagt Krauss. Lagenwein zeichne sich durch seinen terroirtypischen Charakter aus. Die Auswahl sei entsprechend kleiner als die der Ortsweine, die aus Weinbergen innerhalb eines Ortes stammten. Die Gutswein-Serie stelle ein breiteres Spektrum dar, weil sie aus Mischungen von Rebsorten aus verschiedenen Lagen bestehe. Der beste Wein sei aber der, der einem selbst am besten schmecke, fügt er hinzu.

Alle Weine sind vegan und regional

„Der Bio-Verbraucher legt viel Wert auf vegane Produkte. Mit unserer modernen Cross-Flow-Filteranlage haben wir die nötige Technik, um seit jeher alle Getränke ohne tierische Stoffe herzustellen. Wir brauchen also keine Gelatine, um den Wein zu klären, sondern setzen nur Kälte und Wärme für den Prozess ein“, sagt Krauss. Auch Regionalität spiele eine immer wichtigere Rolle bei den Kunden.

Die begrenzte Menge der qualitativ hochwertigsten Weine werde dem Weinfachhandel angeboten. Neben Berlin stellen auch Hamburg und München einen starken Abnehmermarkt dar. Darüber hinaus sind verschiedene Linien des Zellertaler Kellers bei Bio Company, Wasgau, Rossmann, denn‘s Biomarkt, LPG und der Basic-Kette zu finden. Die Produkte des Zellertaler Kellers sind somit bundesweit in fast allen Städten vertreten.

„Seit 2.000 sind wir Eigentümer der Marke Villa Golsen“, so Krauss. Als Grundlage für die Weiß- und Rotweinlinie dienten Lagenweine aus eigener Bewirtschaftung. Der Name Golsen stehe im Zellertal für eine 1.300 Jahre alte Weintradition.

Mit Sonderprodukten auf Trends reagieren

Neben der Produktion von Weinen hat sich der Kellermeister mit dem Entwickeln von Sonderprodukten ein weiteres Standbein aufgebaut. Immerhin mache der Anteil von Sekt, Secco und Saisongetränken wie Glühwein und Maibowle 30 Prozent der Gesamtproduktion aus. Während sich der Pro-Kopf-Verbrauch von Wein stabilisiert habe, lägen zurzeit vor allem alkoholärmere Getränke mit Kohlensäure im Trend.

„Die Kunden mögen es spritzig und frisch“, sagt er. Seine neueste Kreation ‚Frazy‘, eine Art Bowle mit Kohlensäure, soll vor allem junge Leute ansprechen und ist in den Sorten Apfel, Wildberry & Grapefruit, Quitte, Schwarze Maulbeere & Granatapfel und Melone erhältlich. „Seit Januar haben wir eine neue Abfüllanlage und werden deshalb unser Angebot weiter ausbauen“, betont Krauss. „Für Rossmann haben wir zwei Sorten ‚Paradies Bowle‘ mit Granatapfel & Maulbeere und Honigmelone kreiert.“

Für einen amerikanischen Händler in Washington produziert Krauss seit drei Jahren den Glühwein ‚Edel Heiß‘ mit geringem Restzucker-Anteil. Auch Getränke ohne Alkohol seien gefragt. Zurzeit werden die Glühweine für die Wintersaison abgefüllt, darunter alkoholfreie Sorten wie Apfel + schwarze Johannisbeere.

Für einige seiner Sonderprodukte wie Glühwein bezieht er zusätzlichen Bio-Wein aus der spanischen Region La Mancha. „Die Preise sind dort relativ stabil und die benötigte Menge verfügbar. Die Umstellungsquoten von konventionell zu Bio nehmen in Spanien, Frankreich, Italien aber auch in Übersee zu. Deshalb ist es für deutsche Weinproduzenten schwierig, sich im internationalen Markt zu behaupten.“

Individuelle Kundenwünsche

Da es vor allem als kleines Weingut wichtig sei, auf die individuellen Wünsche des Kunden einzugehen, berät Krauss auch in Fragen der Etikettierung – von der Motividee bis hin zum Druck. Je nach Farbauswahl kann er diesen auch im eigenen Betrieb vornehmen und die Flaschen direkt bekleben. Vor zwei Jahren entwickelte er mit einem Berliner Weinfachhändler neue Etiketten für einen Grauburgunder. Danach sei der Absatz gestiegen.

„Bei der Kundenauswahl achten wir darauf, dass eine bestimmte Größenordnung nicht überstiegen wird. Nur so können wir einen attraktiven Preis machen, der sich für beide Seiten rentiert. Wir wollen nicht expandieren, sondern unsere Jahresproduktion gut untergebracht wissen. Die Produkte müssen sich drehen“, sagt er.

Als kleine Kellerei strebt Krauss einen Ausstoß zwischen einer und eineinhalb Millionen Flaschen an. Zum Vergleich: Eine große Kellerei setze über 25 Millionen Flaschen um. Mittlere Kellereien, die einst Umsätze zwischen fünf und zehn Millionen Flascheneinheiten machten, gebe es heutzutage nur noch wenige, sagt er. Das liege nicht zuletzt am Preiskampf der Discounter, der auch nicht vor Bio-Produkten Halt mache.

Bio-Wein ist bekömmlicher

Die Produkte des Zellertaler Kellers werden neben dem Direktverkauf ab Hof über die Großhändler Dennree, Phoenix, Pural, Midgard, Terra, Bigros, Naturian sowie Naturkost West und Naturkost Elkershausen vertrieben. Dazu kommen noch viele Fachhändler in Deutschland.
Der ökologische Weinanbau ist aus Sicht von Krauss nicht nur umweltschonender, sondern auch gesünder für den Menschen: „Ich kann mir vorstellen, dass die geringere Belastung der Böden ein Grund für die bessere Bekömmlichkeit von Bio-Weinen ist.“ 

Sina Hindersmann



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