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Nachhaltiger Fischfang

Nachhaltiger Fischfang im Schaalsee

Erste deutsche Binnenfischerei Naturland zertifiziert

Naturland hat die erste nachhaltige Binnenfischerei in Deutschland zertifiziert. Das Projekt am Schaalsee, einem Großschutzgebiet an der Landesgrenze zwischen Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, wurde auf Grundlage der Naturland Wildfisch Richtlinien gemeinsam mit Fischern, Naturschützern, Seeeigentümern, Gastronomen und den Umweltministerien beider Länder entwickelt.

„Das Ergebnis ist erfolgreicher Naturschutz durch eine kontrolliert nachhaltige Nutzung, was durch das Naturland Wildfisch Zeichen garantiert wird“, sagte Naturland-Vorsitzender Hans Hohenester am Schaalsee. Die Nachhaltigkeit der Fischerei im Großschutzgebiet Schaalsee wird künftig durch Auflagen gesichert, die die Projektpartner gemeinsam entwickelt haben. Nach erfolgreich bestandener Erstkontrolle überreichte der Naturland Präsidiumsvorsitzende den drei beteiligten handwerklichen Fischereibetrieben die bundesweit ersten Nachhaltigkeitszertifikate für eine Binnenfischerei in Deutschland.

An der Veranstaltung in Zarrentin und Groß Zecher nahmen auch die Umwelt- und Fischereiminister der beiden Bundesländer, Till Backhaus und Robert Habeck, teil. Dabei hoben beide Minister den Pilotcharakter hervor, den die Zertifizierung der Schaalsee-Fischerei auch für andere Binnenfischereien in Deutschland haben kann. Tatsächlich haben bereits andere deutsche Seen Interesse an einer Zertifizierung bekundet, so etwa aus Bayern und Brandenburg.

Teil des Projekts am Schaalsee ist auch die regionale Vermarktung durch die örtliche Gastronomie, die den Fisch verarbeitet. Mit der Nutzung des Naturland Wildfisch Zeichens in ihren Speisekarten tragen die zwei beteiligten Seerestaurants künftig dazu bei, dass das Umweltengagement der Fischer auch an den Verbraucher kommuniziert wird.

Naturland hat im Bereich der Fischwirtschaft bereits seit Mitte der 1990er Jahre maßgeblich dazu beigetragen, die ökologische Aquakultur zu entwickeln. Dazu gehören auch Richtlinien für die ökologische Verarbeitung, die natürlich auch für den wild gefangenen Fisch gelten. Für die Zertifizierung der Nachhaltigkeit des Fischfangs selbst bedurfte es aber eines gänzlich anderen Instrumentariums.

Mit den Naturland Wildfisch Richtlinien hat der Öko-Verband deshalb ein eigenes Zertifizierungssystem entwickelt. Das Verfahren bindet auf effiziente Weise die in Ämtern, Forschungseinrichtungen und Organisationen vor Ort vorhandene Kenntnis und Erfahrung ein, um gemeinsam detaillierte Regeln und Auflagen für die Fischerei festzulegen. Dadurch ist sichergestellt, dass mit der Zertifizierung auch tatsächlich die Punkte erfasst werden, die bei der betreffenden Fischerei relevant oder kritisch sind.

Erstmals erfolgreich erprobt wurde das Wildfisch-Konzept 2010 am Viktoriasee in Tansania, Weitere handwerkliche Fischereien sind inzwischen dazugekommen, so etwa eine Flusskrebsfischerei in Spanien oder Heringsfischer an der Ostsee. Mit dem Schaalsee kommt die Naturland Wildfisch Zertifizierung nun erstmals auch in der deutschen Binnenfischerei zum Einsatz.

Zentrales Element des Zertifizierungsverfahrens ist die Erarbeitung eines Bewirtschaftungsplans. Darin werden die erlaubten Fanggeräte vorgeschrieben, die Dokumentationspflichten für die Fischer geregelt sowie gewässerspezifische Besonderheiten berücksichtigt. Ein regelmäßiges Monitoring verhindert die Überfischung der einzelnen Arten im Schaalsee, darunter die Kleine Maräne, Hecht, Aal und Flussbarsch. Zudem beteiligen sich die Fischer an Naturschutzmaßnahmen wie der Wiederansiedlung der Großen Schaalsee-Maräne. Hinzu kommt der Schutz des Öko-Systems insgesamt, was im Falle des Schaalsees etwa den besonderen Schutz des Otters betrifft. Spezielle Reißnähte an den Reusen er-möglichen, dass der Otter sich befreien kann, wenn er sich einmal in die Fanggeräte der Fischer verirrt.

„Bei der Nachhaltigkeitszertifizierung nach den Naturland Wildfisch Richtlinien geht es um weit mehr als nur um das Abhaken einiger allgemeiner Kontrollpunkte. Es ist ein umfassender Prozess, der alle Beteiligten – Fischer, Naturschützer, staatliche Stellen – an einen Tisch bringt“, betonte Naturland Fischereiexperte Stefan Bergleiter, der das Projekt am Schaalsee fachlich betreut hat.


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