Kongress
European Organic Congress: Bio als Investition in Europas Resilienz
Agrarpolitik, Marktentwicklung und Zukunftschancen unter der Lupe
Wie kann Bio zur Widerstandsfähigkeit Europas beitragen? Welche politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen braucht es dafür? Und wie kann die nächste Generation für den Ökolandbau gewonnen werden? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des European Organic Congress 2026, der vom 6. bis 8. Oktober im irischen Cork stattfand. Unter dem Motto ‚Bio: Eine strategische Investition in die Resilienz Europas‘ kamen mehr als 260 Vertreter aus Politik, Landwirtschaft, Wirtschaft, Wissenschaft, Bio-Bewegung und Zivilgesellschaft zusammen.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen eröffnete den Kongress mit einer Videobotschaft. Sie hob den Beitrag des Ökolandbaus zur Widerstandsfähigkeit Europas hervor: durch eine geringere Abhängigkeit von Betriebsmitteln, den Schutz der Böden, die Verbesserung des Tierwohls und die Stärkung ländlicher Gemeinschaften sowie lokaler Wertschöpfungsketten.
Diese Anerkennung bildete den Ausgangspunkt für die Diskussion darüber, wie die europäische Politik den Ökolandbau dabei unterstützen kann, die erwähnten Leistungen zu erbringen. Im Fokus standen dabei die nächste Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) nach 2027 sowie der Mehrjährige Finanzrahmen (MFR). Dóra Drexler, Präsidentin des Bio-Dachverbands IFOAM Organics Europe, forderte, gezielte Fördermittel für die Umstellung auf Ökolandbau und seine Beibehaltung sowie die Finanzierung von Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen bereitzustellen. Die Landwirte in der EU bräuchten Stabilität und Planungssicherheit.
Jürn Sanders, Präsident des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) in Brüssel, äußerte Bedenken, dass eine zunehmende nationale Flexibilität die Wettbewerbsbedingungen innerhalb Europas beeinträchtigen könnte. Dagegen betonte Paul Savage, stellvertretender Generalsekretär für EU/UK und internationale Angelegenheiten beim irischen Landwirtschaftsministerium, dass gemeinsame europäische Schutzstandards mit unterschiedlichen nationalen Gegebenheiten in Einklang gebracht werden müssen.
Bio-Markt wächst, Produktion hinkt hinterher
Die Marktübersicht unter der Moderation von Joanna Wierzbicka, stellvertretende Geschäftsführerin von IFOAM Organics Europe, zeigte eine positive Entwicklung der Bio-Nachfrage und gleichzeitig deutliche Herausforderungen mit Blick auf die Lieferketten. Lee Holdstock von Soil Association Certification berichtete von einem Bio-Wachstum in vielen europäischen Märkten, wobei die heimische Bio-Produktion zum Teil nicht mit der Nachfrage Schritt halte. Als Herausforderungen nannte er Klimawandelfolgen sowie das Thema Betriebsnachfolge. Über ein starkes, ebenfalls nachfragegetriebenes Bio-Wachstum in den USA informierte Tom Chapman, Co-CEO der Organic Trade Association.
Auch im Gastgeberland Irland hat sich der Bio-Sektor laut IFOAM in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt. So habe sich die ökologisch bewirtschaftete Fläche seit 2021 mehr als verdreifacht. Im vergangenen Jahr sei der Markt für Bio-Produkte um 12,5 Prozent gewachsen. Inzwischen seien rund 6.100 Bio-Landwirte und -Lebensmittelunternehmen in Irland tätig.
Um mehr Wertschöpfung in der Region zu halten, schlägt IFOAM gemeinsam genutzte Verarbeitungseinrichtungen und eine koordinierte Logistik vor. Konkrete Projekte könnten über den Europäischen Wettbewerbsfonds gefördert werden. Produktion, Verarbeitung und Vertrieb müssten sich gemeinsam weiterentwickeln.
Um der nächsten Generation Perspektiven zu bieten, seien der Zugang zu Land, Finanzierung, Bildung und Beratung entscheidend. Die irische Landwirtin Kay O’Sullivan, die dieses Jahr mit dem EU Organic Award, ausgezeichnet wurde, war als Referentin vor Ort und hob die Bedeutung von Hofbesuchen, Schulungen sowie den Austausch mit anderen Bio-Landwirten hervor.
Mit Blick auf die überarbeitete EU-Öko-Verordnung betonten die Referenten die Notwendigkeit klarer Übergangsregelungen, unterstützender Durchführungsrechtsakte und verständlicher Leitlinien. Erfolgreich sei eine Reform, wenn der Handel ohne Unterbrechung weiterlaufen kann und die Änderungen in der Praxis funktionieren.
In Workshops zur Vision 2040 entwickelten die Kongressteilnehmer Ideen für Politik, Märkte und Innovationen. Die Themen reichten von mehr Inklusion und Geschlechtergerechtigkeit bis hin zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Technologie und einem gemeinschaftlichen Zugang zu Wissen.
Der European Organic Congress wurde von IFOAM Organics Europe gemeinsam mit dem irischen Landwirtschaftsministerium und in Partnerschaft mit der Irish Organic Association veranstaltet. Der Kongress markierte dieses Jahr den Auftakt des 25-jährigen Jubiläums, das IFOAM Organics Europe im Jahr 2027 feiern wird.







