Start / News / Bio-Tops / Neue Gentechnik: Umweltausschuss stimmt für Deregulierung

Politik

Neue Gentechnik: Umweltausschuss stimmt für Deregulierung

Entscheidung im Plenum folgt am Mittwoch

Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments (ENVI) hat gestern Abend die geplante EU-Verordnung zu Pflanzen aus neuen genomischen Verfahren (NGT) in zweiter Lesung angenommen. Das Trilog-Ergebnis wurde mit 58 zu 31 Stimmen bestätigt. Bevor die Verordnung endgültig verabschiedet wird, steht am Mittwoch die Abstimmung im Plenum des EU-Parlaments an.

Anträge von Grünen und Linken, den Verordnungsentwurf vollständig zurückzuweisen, fanden keine Mehrheit. Auch das Anliegen, zunächst über die 37 eingegangenen Änderungsanträge abzustimmen, wurde nicht angenommen, sodass die Änderungsanträge im Ausschuss nicht mehr behandelt wurden.

Das könnte bei der Abstimmung am Mittwoch in Plenum anders laufen, vermutet der Informationsdienst Gentechnik. Abgeordnete von Grünen, Linken und Sozialisten hätten ihre Änderungsanträge aus dem ENVI dafür teils erneut eingebracht. Gefordert werden die Aufrechterhaltung des Vorsorgeprinzips, eine verpflichtende Kennzeichnung bis zum Endprodukt und Rückverfolgung von NGT-Pflanzen, Koexistenzregeln sowie ein Verbot von Patenten auf NGT-Pflanzen. Bis Dienstagmittag können noch Anträge eingereicht werden.

Besonders beim Thema Patente hoffen Kritiker noch auf eine Mehrheit, da auch konservative Befürworter der NGT-Deregulierung – etwa der Deutsche Bauernverband und Mitglieder der EVP-Fraktion – der Patentierung kritisch gegenüberstehen. Ein entsprechender fraktionsübergreifender Änderungsantrag aus der EVP wurde bislang allerdings nicht eingebracht.

„Die Kombination neuer Gentechniken mit Patenten auf Pflanzen stellt eine Gefahr für die Unabhängigkeit und Widerstandsfähigkeit der europäischen Landwirtschaft und Ernährung dar“, betont Barbara Riegler, Obfrau vom Verband Bio Austria. Die Abhängigkeit von internationalen Patentinhabern würde stark zunehmen und Innovationen würden blockiert.

Die vielfältige Züchterlandschaft in Europa sowie die Vielfalt von Saatgut werde durch Patente verloren gehen und einer Monopolisierung von Sortenmerkmalen weichen, warnt auch Jan Plagge, Präsident des Bio-Dachverbands IFOAM Organics Europe, eindringlich. „Jetzt ist die letzte Chance, um über entscheidende Punkte erneut zu verhandeln und den Kompromiss des Trilogs zu korrigieren, einen fairen Markt und die Koexistenz sicherzustellen. Akzeptieren Sie den Vorschlag nicht, wie er ist, und stimmen Sie für Änderungsanträge“, ruft er die EU-Abgeordneten auf.

[ Artikel drucken ]

Ticker

Das könnte Sie auch interessieren

Ohne-Gentechnik-Gipfel 2024: Transparenz weltweit sicherstellen

Treffen der internationalen Non-GMO-Branche in Frankfurt

Ohne-Gentechnik-Gipfel 2024: Transparenz weltweit sicherstellen © Nina Werth

Wie bedrohlich sind die aktuellen Entwicklungen im Bereich Neue Gentechnik? Was ist nötig, um langfristig Transparenz und Wahlfreiheit für Verbraucher zu garantieren, die Koexistenz gentechnikfreier Artikel zu sichern und das Vorsorgeprinzip zu wahren? Und wie ist es um die GMO-freie Verfügbarkeit beim ‚Sorgenkind Soja‘ bestellt? Am 7. und 8. Oktober trafen sich mehr als 160 Vertreter der Ohne-Gentechnik-Branche aus 23 Ländern und vier Kontinenten zum ‚International Non-GMO Summit 2024‘ in Frankfurt und diskutierten über aktuelle Herausforderungen.

17.10.2024mehr...
Stichwörter: Gentechnik, Patent, Umwelt, Politik, Kennzeichnung, Crispr-Cas9 Methode, Transparenz, EU-Parlament, Vorsorgeprinzip, Europäische Union, Patente, Koexistenz, Neue Gentechnik

45 Organisationen fordern Ablehnung der neuen EU-Gentechnik-Verordnung

Bündnis pocht auf Kennzeichnungspflicht und Wahlfreiheit

45 Organisationen fordern Ablehnung der neuen EU-Gentechnik-Verordnung © VLOG / Normal Kommunikation

Anlässlich der am Freitag startenden Grünen Woche fordern 45 Organisationen in einer gemeinsamen Resolution, die geplante neue EU-Verordnung zur Gentechnik abzulehnen. Das Bündnis warnt vor dem Wegfall der Kennzeichnungspflicht, fehlenden Risikoprüfungen und der wachsenden Marktmacht großer Konzerne durch Patente. Zu den Unterzeichnern gehören Bio- und Landwirtschaftsverbände, Verbraucherschützer und Umweltverbände.

13.01.2026mehr...
Stichwörter: Gentechnik, Patent, Umwelt, Politik, Kennzeichnung, Crispr-Cas9 Methode, Transparenz, EU-Parlament, Vorsorgeprinzip, Europäische Union, Patente, Koexistenz, Neue Gentechnik

EU-Trilog einigt sich auf Deregulierung Neuer Gentechnik

Bio-Verbände und Verbraucherschützer protestieren

Die in der Nacht erzielte Einigung der EU-Trilogpartner auf eine weitreichende Deregulierung des europäischen Gentechnikrechts stößt auf scharfe Kritik von Bio-Verbänden, Teilen der Landwirtschaft sowie Verbraucherschützern. Sie warnen vor der Abhängigkeit von Züchtern und Landwirten, dem Verlust der Wahlfreiheit und einer Verletzung des Vorsorgeprinzips. Bundesregierung und EU-Parlament seien nun in der Pflicht, den Verordnungsentwurf zu stoppen.

04.12.2025mehr...
Stichwörter: Gentechnik, Patent, Umwelt, Politik, Kennzeichnung, Crispr-Cas9 Methode, Transparenz, EU-Parlament, Vorsorgeprinzip, Europäische Union, Patente, Koexistenz, Neue Gentechnik

Klare Gentechnik-Kennzeichnung gefordert

Appell an Agrarminister Alois Rainer auf der Anuga

07.10.2025mehr...
Stichwörter: Gentechnik, Patent, Umwelt, Politik, Kennzeichnung, Crispr-Cas9 Methode, Transparenz, EU-Parlament, Vorsorgeprinzip, Europäische Union, Patente, Koexistenz, Neue Gentechnik

Trilog über Neue Gentechnik geht los

Bio-Verbände fordern Kennzeichnung, Koexistenzregeln und die Beschränkung der Patentierung

06.05.2025mehr...
Stichwörter: Gentechnik, Patent, Umwelt, Politik, Kennzeichnung, Crispr-Cas9 Methode, Transparenz, EU-Parlament, Vorsorgeprinzip, Europäische Union, Patente, Koexistenz, Neue Gentechnik