Agrarpolitik
Protest gegen Streichung der Weideprämie
Mehr als 150 Organisationen fordern Unterstützung der Weidehaltung
© intreegue / Hilda Weges
Der Streit um die Weideprämie spitzt sich weiter zu: Nach einem neuen Referentenentwurf könnte die geplante Öko-Regelung zur Förderung der Weidehaltung gestrichen werden. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) wirft der Regierung nun „Wortbruch“ vor. Zusammen mit über 150 weiteren Verbänden und Organisationen hat sie ein Positionspapier veröffentlicht, in dem zur politischen Unterstützung der Weidehaltung aufgerufen wird.
Schon 2024 hatte die Bundesregierung neue Öko-Regelungen zur Förderung der Weidehaltung von Milchkühen sowie zum Schutz der Biodiversität beschlossen. Mitte 2025 wurde die geplante Einführung von 2026 auf 2027 verschoben. Nach einem aktuellen Referentenentwurf des Bundeslandwirtschaftsministeriums zum Bürokratierückbau soll auf die Einführung der Öko-Regelungen in dieser Förderperiode der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nun komplett verzichtet werden.
Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) befürchtet dadurch eine weitere wirtschaftliche Schwächung der Milchviehbetriebe mit Weidehaltung, die von der Gesellschaft eigentlich erwünscht sei.
Da es sich um freiwillige Förderangebote handelt, würden die zusätzlichen Öko-Regelungen für keinen Betrieb, der sie nicht beantragt, einen Mehraufwand bedeuten, stellt Kirsten Wosnitza aus der AbL-Fachgruppe GAP klar. „Wer bei der geplanten Streichung mit Bürokratierückbau argumentiert, der will diese Form der Tierhaltung nicht fördern“, sagt sie.
Die AbL kritisiert zudem, mit den Plänen konterkariere Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer die von ihm als notwendig hervorgehobene Planungssicherheit für Landwirte. Viele Weidehalter hätten seit 2024 mit den angekündigten Fördergeldern gerechnet und würden seither Jahr um Jahr vertröstet. Widersprüchlich sei das Vorhaben auch mit Blick auf den Koalitionsvertrag, in dem die vermehrte Förderung der Weidehaltung sowie Einkommensanreize für Klima-, Umwelt- und Tierwohlleistungen im Zuge der GAP angekündigt worden waren.
Im Mai haben mehr als 150 Organisationen und Verbände einen gemeinsamen Aufruf an die Bundesregierung unterzeichnet, in dem sie fordern, die Weidetierhaltung als eine nationale Priorität der Agrarpolitik umfassend zu unterstützen. Dafür brauche es eine ressortübergreifende Nationale Weidestrategie, die finanzielle Absicherung durch die GAP 2028 sowie ein klares gesellschaftliches und politisches Bekenntnis zur Haltung von mehr Weidetieren und dem Erhalt des Dauergrünlands. Neben der AbL wurde das Positionspapier von vielen verschiedenen Tierzucht-Verbänden und Landschaftspflegeverbänden, den Bio-Verbänden Biopark, Bioland und Biokreis, der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH) sowie der Deutschen Umwelthilfe, Aktion Agrar und Schweisfurth Stiftung unterzeichnet.







