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Grüner studieren

Wohin führt ein Studiengang in Bio-Management?

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Das Bio-Sortiment im Handel wächst unaufhörlich. Was in entsprechenden Firmen fehlt, sind darauf spezialisierte Mitarbeiter. Ein neuer Studiengang an der Fachhochschule des Mittelstands schafft Abhilfe. bioPress erfuhr vom Initiator Prof. Dr. Volker Schaepe, wie er aufgebaut ist und an wen er sich richtet.

Vor 50 Jahren wurden Verfechter von Bio noch als Hippie-Träumer oder verzichtserklärende Ökofreaks belächelt. Jetzt gehört das Thema zum Studieninhalt für angehende Manager – zumindest an drei der neun Standorte der Fachhochschule des Mittelstands (FHM). Ab Oktober 2021 beginnt der Studiengang BioManagement in Bamberg, Frechen bei Köln und Bielefeld. Die Nachfrage dürfte vorhanden sein: Schon in der Rohstoffbeschaffung aus dem In- und Ausland, in der Produktentwicklung, im Marketing sowie  der Kommunikation und nicht zuletzt im Handel fehlt es an qualifizierten Mitarbeitern mit spezialisierten Bio-Kenntnissen.

Von der Idee zum Hörsaal

Prof. Dr. Volker Schaepe kam über einen Umweg zum Thema Bio-Management. Den Ausgangspunkt bildete ein Holz-Lehm-Haus, an dem er 2009 baute. Solche Projekte bringen es mit sich, dass sie sich auf unerwartete Felder ausbreiten. Neben der Frage, wie moderne Technik in die traditionelle Bauweise integrierbar ist, beschäftigte sich Schaepe verstärkt mit Bio-Lebensmitteln.

Der gelernte Betriebswirt suchte ein Jahr später Studiengänge zu ‚Management‘ und ‚Bio-Lebensmittel‘, fand aber wenig, und falls doch, waren die Kurse in Teilbereichen verstreut. Das war insofern wenig überraschend, als damals mit weniger als sechs Milliarden Euro der Bioumsatz den Weg in den Mainstream gerade erst beschritt. Anders als die klassische Betriebswirtschaft oder ‚digitales Management‘ war daher eine akademische Ausbildung wenig gefragt. Das sollte sich rasch ändern. Zum Vergleich: Heute werden Milliarden Euro in der Bio-Lebensmittelbranche umgesetzt. Dazu kommen Naturkosmetik und aktuell auch ein Run bei Bio-Textilien.

Die Zeit war reif, dass das Thema ‚Bio‘ auch das Management erreichte. Tatsächlich stieß Schaepe mit seinem Vorschlag an der privaten Fachhochschule des Mittelstands (FHM) in Bamberg, wo er seit 2017 lehrte, auf offene Ohren. In anderthalb Jahren entwickelte er einen Studiengang, der drei Teilbereiche umfasst:
- Lebensmittel
- Naturkosmetik
- Öko-Textilien

Diese Schwerpunkte wurden unter anderem wegen der deutlichen Wachstumsraten ausgewählt, die sie erzielen. Betrachtet man die Marktanteile, kommt allerdings Kleidung in Bio-Qualität noch sehr bescheiden daher, was im rasant wachsenden Bio-Segment nur bedeuten kann: Es ist noch Luft nach oben.

Der Studiengang stellt sich vor

Wer das Studium absolvieren will, muss einige Grundvoraussetzungen erfüllen. Im Regelfall ist das Abitur nötig, doch unter bestimmten Voraussetzungen (etwa eine erfolgreich abgeschlossene Berufsausbildung) geht es auch ohne.

Studierende qualifizieren sich an der FH oft nebenberuflich. Als Top-up-Studiengang wird beispielsweise eine kaufmännische Ausbildung vorausgesetzt. Unter normalen Umständen nehmen Interessenten unter der Woche an einer Online-Einheit von zirka zwei Stunden teil. Dazu kommt Präsenzunterricht am Freitag mit drei Stunden, am Samstag sind insgesamt zirka acht Stunden einzurechnen. Um dies zu stemmen, ist es für Studentinnen und Studenten sinnvoll, ihre Regelarbeitszeit auf 35 Stunden pro Woche zu reduzieren. Nicht zu vergessen kostet das Studium Gebühren, die ungefähr 510 Euro pro Monat betragen.

Weitere Informationen gibt eine Online-Veranstaltung am 15. Juli um 17 Uhr. Der Web- link wird unter http://www.fh-mittelstand.de bekanntgegeben, Direktkontakt unter Schaepe@- fh-mittelstand.de
Das Grobraster für den Studiengang bilden die vier Kompetenzfeldern der FHM: ‚allgemeine Wirtschaftskompetenz‘, ‚fachspezifische Kompe- tenz‘, ‚personale und soziale Kompetenzen‘ sowie die ‚Aktivitäts- und Handlungskompetenz‘. Daraus ergeben sich die verschiedenen Module. Um einen Einblick zu geben, folgt eine kleine Auswahl:
- Bio-Produktentwicklung und Green Design
- Rechtliche Grundlagen des Bio-Managements und Zertifizierung
- Ethisches und nachhaltiges Management
- Teammanagement, Präsentation, Moderation

Laut Schaepe umfassen die Module letztlich das gesamte Feld von Produktion und Verarbeitung sowie die gesamte Transportkette bis hin zur Verpackung und dem Handel. Das mag anfangs theorielastig klingen, sei aber stark praxisorientiert. So konnten 20 Unternehmen als Kooperationspartner gewonnen werden, zu denen unter anderem Exkursionen stattfinden. Zu ihnen gehören Werbeagenturen, Bio-Bäcker und Baustoffhändler, namentlich sind es unter anderem Weleda, Bioverde, Armedangels oder die große lokale Bio-Bäckerei Postler. Dazu kommen aus dem universitären Bereich ein Dozent für Marketing und eine Dozentin für Chemie.

Auf die Frage, ob auch große Ketten wie Edeka oder Rewe als Kooperationspartner denkbar wären, antwortete Prof. Dr. Volker Schaepe, dass sie zumindest „auf der Liste“ ständen. Generell habe man keine Scheuklappen auf bezüglich Lebensmittelkonzernen, sondern sei offen für den „Bio-Mainstream“.

Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Nach gewöhnlich zwei Jahren schließen Studierende mit dem Bachelor ab. Angesichts der vergleichsweise jungen Bio-Branche stehen ihnen mannigfaltige Berufsfelder offen: Zertifizierung, Vertrieb, Nachhaltigkeits-Management oder eine ökologieorientierte Beratertätigkeit in der Wirtschaft.
Daneben stehen einem Studienabgänger klassische Bereiche offen. So etwa dürfte Bio-Management in der Vorstufe großer Lebensmittelunternehmen oder dem Fachbereich Einkauf vorteilhaft sein. Im Einzelhandel wiederum benötigt ein Kaufmann, der mehrere Filialen unter sich hat, Mitarbeiter, die etwas von Bio verstehen.

Interesse bekundete etwa Dr. Bernhard Irrgang, Head of Research and Development der Weleda AG. Er sei erfreut, dass es nun ein Ausbildungsangebot auf akademischem Niveau gebe. Daher engagiere sich Weleda als Kooperationspartner mit Vorträgen und Exkursionen.
Doch ein spezialisierter Einzelhandel wie die Parfümeriekette Douglas ist noch nicht so weit. Sie hat zwar Artikel mit Bio-Siegel im Sortiment. Aber laut Unternehmenssprecherin müssen Mitarbeiter aktuell noch keine fachspezifische Ausbildung im Bereich Bio-Management vorweisen. Douglas beobachtet jedoch die Entwicklungen im Markt und es könne durchaus sein, dass sich in den nächsten zwei Jahren eine Veränderung diesbezüglich abzeichne.

Dirk Hartmann


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