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Klöckners gescheitertes Tierwohllabel

Gerald Wehde von Bioland kommentiert das Aus für Julia Klöckners Tierwohllabel

Seit 2016 hatten zunächst Landwirtschaftsminister Christian Schmidt und dann Nachfolgerin Julia Klöckner versucht, ein Tierwohllabel auf freiwilliger Basis in Deutschland einzuführen. Nun ist klar, dass Klöckners Herzensprojekt in dieser Legislaturperiode nicht mehr kommen wird. Im März stellte der Bundesrechnungshof gravierende Mängel fest und empfahl, das Label vorerst nicht weiter voranzutreiben. Jetzt verweigern auch die Regierungsfraktionen ihre Zustimmung.

Zu Recht, meint Gerald Wehde, Bioland-Leiter im Bereich Agrarpolitik. Denn Klöckners Labelkonzept setzte auf Freiwilligkeit, bot wenig Tierwohl, grenzte Ökobetriebe aus und bezog sich vorerst nur auf Schweine. Zudem umfasste es viele Kriterien, die besser gesetzlich für alle Tiere zu regeln wären.

Die Kriterien für die Schweinhaltung wurden in drei Labelstufen festgelegt, die eigentlich alle mehr Tierwohl garantieren sollten. Dabei sollte jedoch in der Einstiegsstufe des Labels das Schwänzekupieren der Schweine weiterhin erlaubt bleiben – obwohl es nach den Vorgaben der EU seit mehr als zehn Jahren verboten ist. Gleiches gilt für die Haltung der Schweine auf Beton-Vollspaltenböden. Damit grenzte das geplante Label für Wehde an Verbrauchertäuschung.

Eine zentrale Schwäche des Klöckner-Labels sieht er zudem im Ansatz der Freiwilligkeit. Eine transparente Kennzeichnung von Fleisch funktioniere nur dann, wenn sie verpflichtend ist und Verbraucher beim Einkaufen höherwertiges Fleisch oder Biofleisch vom gesetzlichen Mindeststandard unterscheiden können. Die ökologische Tierhaltung aber sei vom geplanten Kennzeichnungssystem von vornherein ausgeschlossen worden.

Wehde fordert nun von der künftigen Bundesregierung ein stimmiges Gesamtkonzept zur Umbau der Tierhaltung. Es brauche einen Mix aus gesetzlichen Regelungen, einer klaren, verpflichtenden Kennzeichnung mit Bio als eigener Stufe und einer gezielten, verlässlichen Förderung von Betrieben, die den Tieren ein artgerechtes Leben ermöglichen. Dazu müssten die gesetzlichen Standards angehoben werden.

Um Gülleflut und Überdüngung einzuschränken, sollten Fördergelder nur noch an Betriebe mit flächengebundener Tierhaltung fließen. Der Preis für Fleisch, das auf dem gesetzlichen Mindeststandard beruht, müsse deutlich steigen, während Biofleisch durch ein neues Finanzierungssystem günstiger werden sollte. „Tierwohl ist nicht optional, sondern Grundbedingung für eine ethische und verantwortungsvolle Landwirtschaft“, so Wehde.


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