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Zu gut für die Tonne!

Bundesernährungsministerium (BMEL) zeichnet Wettbewerbssieger aus

Zu gut für die Tonne! © BEML
Die Trophäe 'Zu gut für die Tonne'

Das BMEL verabschiedete 2019 die Nationale Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung. Da die Privathaushalte die meisten Produkte wegwerfen, setzt das Ministerium auch dort an. Den Wettbewerb ‚Zu gut für die Tonne‘ gibt es schon seit 2012. Dieses Mal stand er unter dem Motto ‚Lebensmittel retten – Klima schützen‘. Wer eine innovative Idee umsetzte, erhielt in einer von fünf Kategorien einen Preis, der mit je 5.000 Euro dotiert ist.

Jedes Jahr werden in Deutschland zwölf Millionen Tonnen Nahrungsmittel weggeworfen, ermittelte das staatliche Thünen-Institut zusammen mit der Universität Stuttgart mit Zahlen ab 2015. Die Studie wurde im Auftrag des Bundesernährungsministeriums erstellt und 2019 präsentiert. Den Löwenanteil mit 52 Prozent machen private Haushalte aus, danach folgt die Lebensmittelverarbeitung mit 18 Prozent. Bei der Außer-Haus-Verpflegung fallen 14 Prozent der Abfälle an. Die Primärproduktion hat einen Anteil von 12 Prozent.

Nur vier Prozent des Weggeworfenen kommt aus dem Groß- und Einzelhandel. Die geringe Zahl dürfte überraschen, da das ‚Containern‘ immer wieder durch die Medien geistert. Doch sagte Rewe-Sprecher Raimund Esser, dass moderne Prognosesysteme bis hin zur Wettervorhersage und automatisierten Bestellverfahren dazu führten, dass 99 Prozent der Produkte in den Rewe- und Penny-Märkten verkauft werden. Vom Rest gehen nur zwei Prozent laut Diplom-Wirtschaftsgeograph Daniel Anthes an die so genannten ‚Tafeln‘, was sicher ausbaufähig wäre.

Die Preisträger in ‚Zu gut für die Tonne‘ waren:

  • Kategorie Landwirtschaft und Produktion: Rettergut stellt aus übriggebliebenen Lebensmitteln haltbare Produkte wie Suppen, Aufstriche oder Getränke her. Oft in Bioqualität, meist vegan, immer vegetarisch.
  • Kategorie Handel: Veggie Specials bietet Sonderposten hochwertiger Bio- und Veganprodukte im eigenen Onlineshop zu niedrigeren Preisen an. Sie legen zusätzlich einen Lehr-Schulgarten mit einer örtlichen Grundschule an.
  • Kategorie Gastronomie: Der 1. FC Heidenheim 1846 veranstaltet regelmäßig Resteessen für die Mitarbeitenden.
  • Kategorie Gesellschaft und Bildung: Georgia von le Fort und Louisa Wahler haben kühlende Gefäße aus recyceltem Porzellan entwickelt, die Obst und Gemüse länger frisch halten. 
  • In der Kategorie Digitalisierung siegte die Danone GmbH mit dem ‚Online Clearance-Sales Shop‘. Im Onlineshop gibt es Sonderangebote mit kurzem Haltbarkeitsdatum.

So lobenswert die Initiativen im Einzelnen sind, passen sie in die punktuell ansetzenden Strategien des BMEL, um auf Verbraucher einzuwirken: Die Beste-Reste-App etwa enthält Rezepte für Resteessen, ebenso gibt es You-Tube-Videos mit Rezepten für Lebensmittelreste. Jährlich richtet das BMEL eine Aktionswoche ‚Deutschland rettet Lebensmittel‘ aus. Außerdem erhalten Schulen und Kindertageseinrichtungen Bildungsunterlagen zu diesem Thema.

Die Analyse von Bundesministerin Julia Klöckner mag richtig sein: Die Ursache auf Verbraucherseite seien unter anderem zu billige Lebensmittel und damit eine mangelnde Wertschätzung. Doch Rezeptvorschläge haben das Konsumverhalten noch nie geändert. Aufschlussreicher ist eine Analyse von Growth from Knowledge (GFK), einem Anbieter von Daten und Analytik. Sie stammt zwar von 2014, dürfte aber eher an Bedeutung gewonnen haben. Ein zunehmend bewusster Konsum führe dazu, dass Kunden weniger einkaufen, damit sie nicht so viel wegwerfen müssen. Hier liege der Handel mit seinen regionalen Angeboten richtig, zudem würden Bio/Öko und Fairtrade an Bedeutung gewinnen. Das sei auch ein Grund, warum die Mengennachfrage im LEH seit geraumer Zeit zurückgehen würde. Folgerichtig lautet die Formel: Wer Bio fördert, rettet Lebensmittel und schützt das Klima.


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