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Leuchtturm Dänemark

Dänemark und Kopenhagen sind weltweit führend bei Erzeugung und Einsatz von Bio-Produkten.

Leuchtturm Dänemark © FAO / Giuseppe Carotenuto
Der dänische Nationale Bio-Aktionsplan wurde mit dem Future Policy Award der Hamburger Stiftung World Future Council ausgezeichnet.

Dänemark gilt als großer Vorreiter in puncto Bio im Lebensmittelmarkt – und in der Außer-Haus-Verpflegung. Mit nationalen Siegeln, Öko-Aktionsplänen, Forschungsgeldern und Öffentlichkeitsarbeit verfolgt das Land ehrgeizige Ziele und hat schon heute den weltweit höchsten Bio-Anteil am Lebensmittelkonsum.

Bereits Ende der 1980er Jahre führte Dänemark als erstes Land weltweit staatliche Kontrollen für den Ökolandbau ein und etablierte das dänische Bio-Siegel. 1995 und 1999 wurden Öko-Aktionspläne verabschiedet und schon vor zehn Jahren in staatlichen Einrichtungen Biogerichte serviert.

2009 führte die Regierung gemeinsam mit privaten Akteuren drei neue Kennzeichnungskategorien für die Gastronomie ein: Durch Gold- (90-100 Prozent), Silber- (60-90 Prozent) und Bronze- (30-60 Prozent) Kennzeichnungen sollen die Kunden auf einen Blick erkennen, welchen Anteil an Bio-Zutaten ein Restaurant oder eine Kantine verwendet. Allein 2019 stieg die Anzahl an Restaurants, die Speisen mit Bio-Siegel verkaufen, um 20 Prozent auf 3.175.

Im Jahr 2012 entwarf das dänische Landwirtschaftsministerium den ‚Økologiplan‘, einen Plan zur Förderung der biologischen Landwirtschaft. Eines seiner Ziele: Bis 2020 sollte der Bioanteil in allen öffentlichen Einrichtungen auf 60 Prozent gehoben werden.

Ausschlaggebend für den Erfolg des dänischen Modells ist etwa das einprägsame nationale Bio-Siegel mit dem roten Ø (für ‚Økologi‘), das als äußerst glaubwürdig angesehen wird. 98 Prozent der dänischen Konsumenten kennen das staatlich kontrollierte Bio-Siegel. „Klare Regeln und gründliche Kontrollen haben das Vertrauen in Bio-Produkte in Dänemark enorm gestärkt und den Umsatz Jahr für Jahr gesteigert“, sagt Pernille Bundgård, International Market Director bei Organic Denmark.

Alle dänischen Regierungen, die seit der Einführung des roten Ø an der Macht waren, waren Befürworter des Bioanbaus und haben die ökologische Entwicklung mit Forschungsgeldern und Öffentlichkeitsarbeit unterstützt. Auch die genossenschaftliche Tradition und die wirtschaftlichen Strukturen in Dänemark sind besonders geeignet, die ökologische Entwicklung voranzutreiben. So gibt es eine enge Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Produktentwicklern und Einzelhandel. Von Anfang an wurden in Dänemark Bio-Produkte im Lebensmittel-Einzelhandel im Regal neben den konventionellen Produkten platziert.

Aushängeschild Kopenhagen

Das Aushängeschild Dänemarks in Sachen Bio ist die Hauptstadt Kopenhagen, die 2014 von der Europäischen Kommission zur grünsten Hauptstadt Europas gewählt wurde. 2007 gründete die Stadt die unabhängige Stiftung ‚House of Food‘, die öffentliche Großküchen landesweit bei der Einführung von Bio-Lebensmitteln unterstützt und dafür einen ganzheitlichen Beratungsansatz entwickelte.

Um die Kosten zu optimieren, wurde ein Berechnungs-Tool auf Excel-Basis, der sogenannte ‚Food Basket‘, entwickelt. Er zeigt, dass bei einer Reduzierung des Fleischanteils und einer gleichzeitigen Erhöhung der Gemüsemenge die Beschaffung von Bio-Lebensmitteln nicht teurer ist als die konventionelle Alternative.

Bereits 2011 waren in Kopenhagen 75 Prozent aller in der AHV eingekauften Lebensmittel Bio. 2015 waren es 90 Prozent, bei einem Gemüseanteil von 100 Prozent Bio. Unterstützt wurde Kopenhagen vom dänischen Nationalen Bio-Aktionsplan, welcher mit dem Future Policy Award 2018 der Hamburger Stiftung World Future Council ausgezeichnet wurde. Heute hat Dänemark den höchsten Marktanteil für ökologische Lebensmittel weltweit.        

Lena Renner



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