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Neuanfang mit Bio-Fokus

Das neu aufgestellte E center Harburg geht mit 3.000 Bio-Produkten an den Start

Neuanfang mit Bio-Fokus © Christian Schmid für EDEKA

Früher Marktkauf, nun E center: Beim Neustart des E centers Harburg Mitte Oktober 2020 setzte der Geschäftsführer Tadeusz Chmielewski auf Bio und Frische. Der Bio-Anteil wurde verdoppelt, das Angebot bei Obst- und Gemüse, bei den Molkereiprodukten und den Bedientheken ausgebaut. So werden in der Obst- und Gemüseabteilung etwa 100 Bioprodukte angeboten, das Angebot nach Saison variierend. Fleisch kann mit der Marke NATUR PUR nicht allein Bio, sondern dazu regional eingekauft werden.

3.500 Quadratmeter Verkaufsfläche umfasst das E center Harburg. Die Lage direkt am Seeveplatz in Harburg bringt viel Laufkundschaft mit sich. Viele davon Studenten, da Studentenwohnheim und Technische Universität in der Nähe liegen. Insgesamt sind es etwa 2.500 Kunden, die hier täglich einkaufen.

Von den 40.000 angebotenen Artikeln sind 3.000 Bioartikel, das bedeutet 7,5 Prozent Bio-Anteil über das ganze Sortiment – eine Zahl auf die der Geschäftsführer Tadeusz Chmielewski stolz ist. Der gelernte Kaufmann unterstützte neun Jahre lang EDEKA- und Marktkauf-Märkte als Obst- und Gemüse-Fachberater, bevor er Ende 2019 zurück in den Einzelhandel wechselte und den damaligen Marktkauf in Harburg übernahm.

Bio-Obst und -Gemüse im Blickpunkt

  • © Christian Schmid für EDEKA

Seine Erfahrungen nutzte er beim Aufbau des neuen E centers auch für die große Obst- und Gemüseabteilung, die die Kunden direkt am Markteingang begrüßt. Das 250 Quadratmeter große Bio-Angebot der Abteilung findet sich an herausgehobener Stelle: Der Kunde sieht wortwörtlich grün, denn eine riesige Kräuter-Greenwall zieht die Blicke auf sich, dicke Deckenbalken aus Holz tragen zum ungewöhnlichen Ambiente bei.

Über hundert Sorten Bio-Obst und -Gemüse können hier durchgehend eingekauft werden – das Angebot natürlich saisonal bestimmt. Das Gesamtangebot übers Jahr beinhalte fast 300 Sorten, hebt Chmielewski hervor. Bei Obst und Gemüse liege der Bio-Anteil bei neun bis zehn Prozent. Corona hat einen ungeheuren Schub bei der Nachfrage nach Bio-Obst und Gemüse gebracht und diese zeitweise um 70 bis 80 Prozent gesteigert.

Bio im Block und eingeordnet

Wer im E center Harburg nach Bio sucht, der findet die Bio-Ware zusammengefasst in einer großen Bio-Fläche, mit auffälliger Kennzeichnung an den Deckenbalken und Plakatwerbung für Bio und Regionalität. Zusätzlich ist Bio auch in den Regalen eingeordnet, in der Mehrheit die Produkte von EDEKA Bio. Durch die Kennzeichnung mit vollgrünen Etiketten fällt die Bio-zertifizierte Ware überall auf.

Tadeusz Chmielewski wird jetzt beobachten, wie die Platzierung bei den Kunden ankommt. „Da bleiben wir dran, beobachten das Kundenverhalten und justieren nach." Kundenumfragen sind für Chmielewski das A und O, auch für die Ausgestaltung und Erweiterung der Sortimente: Wie sonst könne der Kaufmann die Wünsche der Kunden erkennen, vor allem wenn die entsprechenden Produkte noch nicht in den Regalen stehen?
Die Bedürfnisse der Kunden würden immer umfangreicher, meint der Geschäftsführer. Dazu müsse auf spezielle Kundengruppen eingegangen werden. So seien für die vielen Studenten unter den Kunden zum Beispiel manche „hippe und coole“ Produkte attraktiv.

Bio-Marken von Naturkost Grell

Das Bio-Sortiment außerhalb von EDEKA Bio wird größtenteils über den im schleswig-holsteinischen Kaltenkirchen ansässigen Bio-Großhändler Naturkost Grell bezogen. Der seit 40 Jahren in Norddeutschland aktive Bio-Großhändler bietet einen hohen Prozentsatz von regionalen Waren an und ist seit 2006 Vertragspartner von Demeter und Bioland. Schon seit zwanzig Jahren arbeitet Naturkost Grell mit EDEKA Nord zusammen. Hier konnte das E center Harburg auf die Vermittlung der EDEKA Zentrale zurückgreifen, daneben suche das E center Harburg aber auch selbstständig nach neuen Anbietern.

Max Sachau, Pressesprecher EDEKA Nord, weist auch auf die eigene seit 2018 bestehende Demeter-Partnerschaft hin. Im E center Harburg seien über alle Warengruppen hinweg viele Demeter-Produkte präsent. Damit den Kunden die besondere Demeter-Qualität direkt am Point of Sale nahe gebracht werden könne, seien entsprechend große Plakate zu finden, auf denen Demeter sichtbar gemacht wird.

Demeter als Verkaufsargument

Weitere Demeter-Lieferanten zu finden, die die gewünschte Qualität und Lieferkapazität mitbringen, sei nicht einfach. EDEKA Nord unterstütze auch Umstellungsbemühungen von Lieferanten, die auf ihren Betrieben bereits biologisch arbeiteten, zu Demeter-Betrieben.

Ein Beispiel für eine solche Umstellung sei der Bio-Apfelhof Münch. Hier werde Überzeugungsarbeit geleistet und es gebe schon einige weitere Projekte, die aber noch nicht spruchreif seien, sagt Sachau: "Es tut sich was bei EDEKA".

Mehrweg statt Unverpackt

Nach Unverpackt-Angeboten befragt, schüttelt Tadeusz Chmielewski den Kopf. Er verweist stattdessen auf die Markt-eigene Verpackungs-Alternative im E center Harburg. Hier steht Mehrweg statt Unverpackt im Regal.
Ein Sortiment mit über 20 Produkten in 250-Gramm-Mehrweggläsern wird angeboten: Von Nüssen, Getreide, Pseudogetreide und Hülsenfrüchten bis zu Bananenchips. Sogar Ursalz und Rübenzucker gibt es in den Glasbehältern.

Bio an der Theke

An den Bedientheken kann der Kunde auf einige Bio-Angebote zurückgreifen, so zum Beispiel etwa zehn Sorten Bio-Käse. Direkt neben der Fleisch-Bedientheke steht ein gut gefülltes Kühlregal mit SB-Bio-Wurst und -Fleischprodukten.

Zu den über dreißig SB-Wurst-Angeboten kommt noch SB-Fleisch der EDEKA Nord-Marke NATUR PUR. Wer Fleisch in Bio-Qualität und dazu noch regional erwerben will, kann hier zugreifen.

NATUR PUR bietet regionales Bio-Fleisch

Bei dieser Marke stammt das Fleisch ausschließlich von Betrieben des ökologischen Anbauvereins Biopark. Die regionalen Lieferanten sind außerdem verpflichtet, innerhalb eines Modellprojekts Maßnahmen zum Erhalt der Artenvielfalt zu ergreifen.

Im E center Harburg werden den Verbrauchern die Hintergründe der nachhaltigen Bio-Marke direkt am Verkaufsplatz präsentiert: Ein großflächiges Plakat mit einer Erklärung der NATUR PUR-Prinzipien ist unübersehbar über dem Fleischregal aufgehängt.

80 Mal Bio bei den Molkereiprodukten

Die Bio-Waren bei MoPro sind auf etwa drei Metern der Kühlhochschränke ausgebreitet, insgesamt über 200 verschiedene Sorten. Hier wird Vieles von EDEKA Bio angeboten, aber auch die Produkte von Andechser, Söbbeke, Koawach, Schwarzwaldmilch Bio, Alnatura, und regional des Hamfelder Hofs. Die Bauerngemeinschaft Hamfelder Hof hat 2015 eine eigene Bio-Meierei im norddeutschen Mühlenrade in Betrieb genommen, in der ausschließlich regionale Bioland-Milch verarbeitet wird.

Auswahl bei Kaffee, Kakao und Schokolade

Genuss und Vielfalt in Bio kommt im E center Harburg gerade bei Kaffee, Kakao und Schokolade nicht zu kurz. Bio-Kaffeeliebhaber finden eine breite Auswahl bei den über 20 Angeboten von Mount Hagen. Die Bohnen verschiedenster Herkunft sind durchgehend Naturland- oder Demeter-zertifiziert, dazu stehen auch Instantkaffee und Pads bereit. Einen Instant-Espresso gibt es zusätzlich von Naturata.

Durch Naturata sind auch die Freunde von Getreidekaffees mit einer breiten Auswahl von Malz bis Zichorie gut versorgt. Es steht ein Demeter-Getreidekaffee im Regal, ebenso Getreidekaffee Zimt & Kardamom. Es sind drei Instant-Getreidekaffees verfügbar: Lupine, Dinkel und Guarana.
Naturata ist außerdem mit Kakaogetränk und heißer Schokolade präsent. Weiterer Bio-Kakao kommt mit Caribo von Mount Hagen, Bio-Lattes von Pukka und Vivani liefert Hot Chocolate Trinkschokolade und Caviquick. Vivani ist auch der Hersteller des breiten Sortiments von Bio-Schokolade. Hier kann der Kunde aus fast zwanzig Sorten seine Wahl treffen.

Für die Kunden, die pflanzliche Milchalternativen für Kaffee oder Schokoladengetränk bevorzugen, hat das E center Harburg dem aktuellen Trend folgend über 40 verschiedene Pflanzendrinks von Provamel und von Natumi im Sortiment. Der Haferdrink von Voelkel ist sogar in der Mehrwegflasche zu haben.

Süßes Frühstück und Backwaren

Für das süße Frühstück des Bio-Kunden ist mit einer breiten Auswahl an Fruchtaufstrichen, Marmeladen, Schokoaufstrichen und Honig gesorgt. Doch nach einem Lieferanten für die zum Frühstück dazugehörigen Bio-Backwaren werde noch gesucht. Gerade hier gelte, dass Bio, guter Geschmack und Regionalität zusammengehen müssen – es seien mehrere lokale Lieferanten im Gespräch.

Regionalität ist durchgehendes Thema bei den Bio-Produkten des Sortiments. Wichtige Anbieter seien zum Beispiel Bauckhof und die Bohlsener Mühle. Beide Hersteller engagierten sich ganz besonders bei der Entwicklung des ökologischen Landbaus in ihrer Gegend.

Wo es nicht um Regionalität geht, da geht es um Handwerk und nachhaltige Besonderheiten der Bio-Marken. So steht bei den Nudeln Albgold im Regal, ein Hersteller, der besonders gut durch seine Papierverpackungen ankomme. Chmielewski hebt diese als einen für den Kunden sichtbaren Fortschritt bei Nachhaltigkeit und der Vermeidung von Verpackungsmüll hervor. Die verschiedenen Öle von Franz & Co als weiteres Beispiel stehen für handwerkliche Tradition aus der sächsischen Bio-Ölmühle Moog.

WPR und Naturkosmetik

Auch außerhalb der Lebensmittel muss auf Bio und Nachhaltigkeit nicht verzichtet werden. Bei den Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln ist Sonett in ganzer Breite mit über 50 Produkten, von Geschirr- und Bodenreinigern bis Waschmitteln präsent.

Und in der Naturkosmetik finden sich zirka 70 Produkte: Es steht ein breites Angebot zur Verfügung, zum Beispiel von Weleda und Lavera.
Wie geht es weiter bei Bio?

Bei den 7,5 Prozent Bio im Sortiment soll es laut Tadeusz Chmielewski nicht bleiben. Sein langfristiges Ziel liegt bei mindestens einem Viertel Bio: „In zehn bis 15 Jahren möchten wir die 25 Prozent knacken, damit wirklich etwas bewegt wird."

Dass da noch ein langer Weg vor ihm liegt, sieht er mit Gelassenheit: „Als Verkaufsleiter bei EDEKA Nord muss ich die Ziele und Konzepte vorgeben, bin sozusagen der Konzepthüter. Das ist eine langfristige Arbeit, bei einem Marathon gibt man auch nicht nach einem Kilometer auf."

Mehr Ausbildung in Bio

Ein Etappenziel will Chmielewski direkt  angehen. In diesem Jahr soll eine Fachkraft für Bio-Lebensmittel ihre Ausbildung anfangen, die dann eine entsprechende Schulung der EDEKA Nord durchläuft.

Geht es nach Tadeusz Chmielewskis Vorstellungen, wird so eine Fachkraft auch auf die verschiedenen Bio-Höfe in der Gegend geschickt. Da könne sie dann eigene Eindrücke sammeln, denn „das ist ein Stück Lebenskultur." Bei der Fachkraft solle es aber nicht bleiben, letztendlich müssten alle Auszubildenden direkt an Bio herangeführt werden.

Laut Chmielewski sei jedes verkaufte Bio-Produkt ein Schritt in die richtige Richtung und er sehe sich auch in der Verantwortung, den Kunden zum Nachdenken anzuregen. „Wir platzieren natürlich die Produkte, die der Kunde kaufen will, aber wir versuchen auch die Softfacts rüberzubringen, die Vision dahinter“, meint der Geschäftsführer. Außerdem sieht er im Bio-Bereich große Chancen für besondere Produkte – hier gebe es Platz für Singularität.

Elke Reinecke

NATUR PUR
NATUR PUR ist die Marke der Edeka Nord für regionale Bio-Fleisch- und Bio-Wurstprodukte. Das Fleisch stammt ausschließlich von regionalen Biopark-Betrieben, also aus der Region Edeka Nord. Biopark e.V. ist ein 1991 gegründeter Anbauverband für ökologische landwirtschaftliche Produkte in Mecklenburg-Vorpommern mit Sitz in Güstrow. Inzwischen ist er bundesweit aktiv und hat rund 500 Mitgliedsbetriebe.
Das Besondere an NATUR PUR  sei, dass mit diesen Produkten das Modellprojekt ‚Landwirtschaft für Artenvielfalt‘ von WWF und Biopark e.V. unterstützt werde. Die teilnehmenden landwirtschaftlichen Lieferanten verpflichten sich, Maßnahmen zum Erhalt der Artenvielfalt zu ergreifen, etwa Blühstreifen  und Hecken als Lebensräume anzulegen, Ackerstreifen ungemäht zu lassen und Kleingewässer zu schützen. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt durch das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF).
Alle Produkte bei Edeka Nord, die aus Betrieben des Modellprojektes stammen, sind auf einen Blick zu erkennen. Sie tragen nicht nur das Bio-Siegel und das grüne Logo ‚Landwirtschaft für Artenvielfalt‘, sondern dazu das Biopark- und das WWF-Panda-Logo.

 

E center Harburg
Seeveplatz 1
21073 Harburg
Eröffnet: 15. Oktober 2020 (Wiedereröffnung nach fünfmonatiger Umbauphase, früher Marktkauf Center Harburg)
Mitarbeiter in Vollzeit: 30, davon sechs Auszubildende inklusive einem Fleischer
Verkaufsfläche: 3.500 Quadratmeter
Kassen: 12, davon vier SB-Kassen, zusätzlich eine virtuelle Kasse für Kunden, die ihren Einkauf selbst einscannen
Artikelanzahl: ca. 40.000
Anzahl Bio-Artikel: ca. 3.000,  
300 Demeter-Produkte
Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 8 bis 20 Uhr
Geschäftsleitung: Tadeusz Chmielewski 

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