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Organic First

Bundesstaaten Indiens machen sich auf den Weg zur Öko-Landwirtschaft

In Indien kehren immer mehr Regionen der konventionellen Landwirtschaft den Rücken: im Bundesstaat Sikkim hat der dortige Premierminister Pawan Kumar Chamling schon 2006 ein Programm für 100 Prozent Bio aufgestellt – von der Landbevölkerung unterstützt und inzwischen mit Erfolg realisiert. Das Beispiel macht Schule. Auch Uttarakhand und das Königreich Buthan streben eine vollständig ökologische Landwirtschaft an. Und Mitte dieses Jahres proklamierte der Bundesstaat Andhra Pradesh einen absoluten Verzicht auf Pestizide bis spätestens 2024.

Ausgerechnet Grüne Revolution nannte man, was in den 1960er Jahren nicht nur in Indien als zukunftsweisend verkauft wurde: der Anbau von Hochertragssorten und der massenweise Einsatz von Pestiziden und Kunstdünger, später auch Gentechnik. In Indien wurden damit große Ertragssteigerungen erreicht, doch es kam auch zu Umweltzerstörung und Gesundheitskatastrophen. Die indische Landwirtschaft setzte stark auf die Chemie, die Bauern gerieten in andauernde Abhängigkeit von Konzernen und laugten die eigenen Böden aus.

Doch es gab auch umfassende Gegenbewegungen. Vor inzwischen fünfzehn Jahren als in anderen Teilen Indiens die Agrarindustrie noch das Land eroberte, deklarierte Pawan Chamling, der Premierminister des kleinen Bundesstaates Sikkim, den total organic state als Ziel. Pawan Kumar Chamling ist seit 1994 bis heute Premierminister des zwischen Nepal und Bhutan gelegenen, dünn besiedelten Sikkim.

Im Rahmen seines Programms wurde direkt die Einfuhr chemischer Agrarstoffe reduziert und seit 2005 verzichtet das Land auf den von der indischen Zentralregierung verteilten, hoch subventionierten Kunstdünger. 2010 verkündete Pa­wan Chamling offiziell die Sikkim Organic Mission (SOM).

100 Prozent Bio — Agrochemie verboten

Der Staat kümmerte sich fortan darum, dass aus Kompost und Mist Biodünger wird und dass Krankheiten und Schädlinge mit natürlichen Mitteln in Schach gehalten werden. Eine staatliche Zertifizierungsagentur wurde aufgesetzt und eine eigene Marke etabliert – Sikkim Organic. Der Erfolg war, dass Ende 2015 die gesamten 76.000 Hektar Agrarfläche des Staates offiziell als Bioackerland zertifiziert waren. Inzwischen stehen auf Gebrauch, Einfuhr oder Verkauf von Kunstdünger oder Pestiziden in Sikkim hohe Geld- und sogar Haftstrafen.

Die einheimischen Biobauern von Sikkim müssen allerdings mit der konventionell produzierten und meist billigeren Konkurrenz aus den Nachbarländern leben.

Im eigenen Land begrenzt die bergige Landschaft den Produktionsumfang so stark, dass eine autarke Ernährung der Bevölkerung nicht möglich ist. Im April 2018 sollte es einen Einfuhrstopp vor allem für Gemüse ohne Biosiegel geben, doch die Regierung machte einen Rückzieher und der Import bleibt zunächst erlaubt.

Immerhin, das erklärte Ziel der SOM mit der Marke Sikkim Organic den Tourismus zu stärken, hat funktioniert. Sowohl die Zahl der inländischen als auch der ausländischen Besucher hat sich in den Jahren von 2012 bis 2016 fast verdoppelt.

5,5 Millionen Hektar Bio

Heute wartet Indien mit rund 1,5 Millionen Hektar Bio-Landwirtschaftsfläche und über vier Millionen Hektar ökozertifizierter Wildsammlung auf. Eine Reihe von Bundesstaaten fördert den Öko-Landbau intensiv. Der Bun­desstaat Westbengalen sowie das wie Sikkim im Himalaya gelegene Uttarakhand haben parlamentarisch beschlossen, ihre Landwirtschaft zu 100 Prozent auf Bio umzustellen und stellen die entsprechenden Fördergelder bereit.

Zu Westbengalen gehört das für seinen Teeanbau berühmte Darjeeling. Hier ist der Anteil der Bio-Landwirtschaft in den letzten Jahren schon auf rund 30 Prozent gestiegen.

Der indische Bundesstaat Andhra Pradesh will bis spätestens 2024 keinerlei chemisch-synthetische Pestizide mehr einsetzen. Das ist zwar noch keine vollständige Umstellung auf Bio, aber ein großer Schritt in die richtige Richtung. Immerhin ist Andra Pradesh doppelt so groß wie Österreich. In den nächsten sechs Jahren sollen jährlich fast 400 Million Dollar aus Bundesmitteln investiert werden, damit über sechs Millionen Bauernfamilien lernen, ohne Pestizide auszukommen. Ein gewaltiger Kraftakt, der den Weg in eine bessere Zukunft ebnen soll.

Elke Reinecke


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