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Wie Bio in Frankreich

Frankreich ist nach Deutschland der zweitgrößte Verbrauchermarkt für Bioprodukte in Europa – und wächst zweistellig

Auch in diesem Jahr bewegt sich das Wachstum des Bio-Lebensmittelmarkts in Frankreich wieder im zweistelligen Prozentbereich: 2015 wuchs er um 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, 2016 berechnete die Agénce Bio ein Plus von mehr als 20 Prozent, und im letzten Jahr ergaben sich weitere 16 Prozent. Damit ist der Umsatz ökologisch-biologischer Produkte in Frankreich auf 8,4 Milliarden Euro angestiegen. Um die vier Prozent des Gesamtverbrauchs der französischen Haushalte werden inzwischen mit Bio gedeckt.

Schon in der Vergangenheit lagen die Wachstumszahlen für Frankreich in exorbitanter Höhe: Zwischen 2011 und 2016 wuchs der Markt für Bio-Lebensmittel um 82 Prozent. Er hat sich zum wichtigsten Wachstumsmotor für die Lebensmittelbranche entwickelt. Grund für das Wachstum ist auch die verbesserte Verfügbarkeit von Bio-Lebensmitteln in den lokalen Geschäften. Die Sortimente in den Supermärkten wurden erweitert und viele neue Fachgeschäfte eröffnet. Täglich entstehen in Frankreich mehr als 20 Biobetriebe.

Besonders zugelegt haben in den letzten Jahren Obst und Gemüse, sowie das Trockensortiment. Auch Bio-Fleisch konnte deutlich hinzugewinnen. In immer mehr Bio-Fachmärkte wurden Wurst- und Fleischabteilungen sowie -theken eingeführt. Die Märkte gehen auf die Bedürfnisse der Verbraucher ein und bieten auch frische Fleischwaren.

Gutes Bio-Leben à la Frankreich

Beim Export macht Frankreich seinem Ruf als Expertenland für Schönheit und das gute Leben auch bei Bio alle Ehre. Nicht nur inländisch sind Weine, Cidre und Bio-Bier sowie süße und salzige Knabbereien stark gefragt. Sie sind außerdem Exportschlager.

Insgesamt führten die Franzosen für 707 Millionen Euro Bioprodukte aus, das sind 12 Prozent mehr als 2016. Dabei machten Weine 59 Prozent aus, Knabbereien legten um 59 Millionen Euro zu und Apfelwein und Bio-Bier immerhin 11 Millionen Euro. Diesen Exportzahlen steht ein Import von Bio-Produkten von fast einem Viertel gegenüber.

Viel Fläche für Bio

Die Bio-Flächen in Frankreich werden schnell größer. Mit einem Zuwachs von über 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr waren es 1,78 Millionen Hektar, auf denen 2017 ökologischer Landbau betrieben wurde, davon 518.263 Hektar Konversionsflächen (sieben Prozent mehr als 2016). Durch Betriebe, die ihre 2015 begonnene Umstellung in 2017 erfolgreich abgeschlossen haben, erhöht sich die zertifizierte Bio-Fläche um 20 Prozent. Bei Obst und Wein ist Bio gut aufgestellt: Fast 20 Prozent der Fläche mit Obstplantagen und zehn Prozent der Fläche mit Weinreben sind ökologisch bewirtschaftet.

Somit stieg der Bio-Flächenanteil in Frankreich im Vergleich zu den sowieso sehr hohen Zahlen von Europa und der Europäischen Union sogar überproportional an. Im Jahr 2016 wurden im europäischen Biosektor fast 14 Millionen Hektar biologisch bewirtschaftet (FiBL, AMI). Die Biofläche hatte um fast eine Million Hektar zugenommen, mit einem Zuwachs von 6,7 Prozent in Europa und 8,2 Prozent in der Europäischen Union.

Noch rasanterer Anstieg

Für die Zukunft sieht die Agénce Bio, die französische Agentur für Bio-Landwirtschaft, sogar noch eine weitere Steigerung voraus: Betrachtet man die Ende 2017 umgestellten Flächen dürfte die Zahl der zertifizierten ökologischen Flächen in den kommenden Jahren noch schneller wachsen als bisher: um rund 23 Prozent im Jahr 2018 gegenüber 2017 und um 13 Prozent im Jahr 2019 gegenüber 2018. Diese erhöhte ökologische Erzeugung wird der wachsenden Nachfrage der Verbraucher nach französischen Bioprodukten gerecht.

Über acht Milliarden Umsatz

Im Jahr 2017 wird der Umsatz von Lebensmitteln aus ökologischem Landbau auf 8,373 Milliarden Euro geschätzt, ein Plus von 17 Prozent gegenüber 2016. 7,921 Milliarden Euro entfallen dabei auf den Konsum zu Haus (18 Prozent mehr als 2016), was 4,4 Prozent des allgemeinen Verbrauchs von Nahrungsmitteln entspricht. 452 Millionen Euro (ohne Mehrwertsteuer) wurde für die Außer-Haus-Verpflegung ausgegeben: davon 246 Millionen in der Gemeinschaftsverpflegung (plus sieben Prozent) und 206 Millionen Euro in der Restaurant-Gastronomie (plus 13 Prozent seit 2016).

Die Bio-Gastronomie birgt ein hohes Entwicklungspotenzial, mit einer spürbaren Veränderung der Konsumgewohnheiten in den letzten fünf Jahren: 79 Prozent der Franzosen interessieren sich für Bio-Lebensmittel in Restaurants und 73 Prozent am Arbeitsplatz. Und für die Kinder soll es natürlich nur das Beste sein: 88 Prozent der Eltern wünschen sich, dass Bio-Lebensmittel in Schulen serviert werden.

Bio bringt den Arbeitsmarkt voran

Die Dynamik des französischen Bio-Sektors zeigt sich deutlich auf dem Arbeitsmarkt. Im Jahr 2017 gab es schätzungsweise fast 134.500 Arbeitsplätze in Biobetrieben und in der Verarbeitung und im Vertrieb, 16.500 mehr als im Jahr 2016. In den letzten 5 Jahren lag das durchschnittliche jährliche Wachstum bei 9,5 Prozent.

Während die Beschäftigung in der konventionellen Landwirtschaft zwischen 2010 und 2015 mit einer durchschnittlichen jährlichen Rate von -1,1 Prozent abnahm, stieg die Beschäftigung in der ökologischen Landwirtschaft zwischen 2017 und 2016 um 10.669 Vollzeitarbeitsplätze oder beachtliche 13,7 Prozent. Die Zahl der Landwirte stieg um 8,3 Prozent.

Kosmetik zieht an

Seit etwa zwei Jahren wächst der Markt für Natur- und Biokosmetik in Frankreich wieder stärker. Zwar ist das Volumen weiterhin gering mit etwa 4,5 Prozent des Marktumsatzes mit Kosmetik insgesamt, doch es geht kräftig bergauf. Nach dem Marktforschungsinstitut Xerfi könnte der Markt von 460 Millionen Euro 2016 auf 580 Millionen Euro bis zum Jahr 2020 anwachsen.
Eine Rolle spielen dabei höhere Preise für konventionelle Vorprodukte und neue, preiswertere Verfahren zur Gewinnung natürlicher Inhaltsstoffe. Dies erleichtert es der Industrie mehr natürliche und Bioprodukte anzubieten. Auch machen den Herstellern Bio-Eigenmarken großer Drogerieketten noch nicht zu schaffen.

Vor allem jedoch treibt das stärkere Bewusstsein der Verbraucher die Nachfrage an. Im Februar 2017 hatte die gemeinnützige Verbraucherschutzvereinigung UFC-Que Choisir Kosmetikprodukte untersucht und zahlreiche Kosmetika gefunden, die noch inzwischen verbotene Substanzen beinhalteten.

Viel Wachstum – gestrichene Förderung

Inzwischen ist die französische Bio-Landwirtschaft so erfolgreich, dass die Landesregierung die Förderungen für die Bio-Landwirtschaft ab diesem Jahr streicht. Die Kritiker dieser Maßnahme befürchten, dass die weitere Entwicklung der ökologischen Landwirtschaft darunter leiden wird, wie bereits in den Niederlanden und Großbritannien geschehen.



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