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Unverpackt in Frankreich

Besonders große Erfolge im Naturkostfachhandel

In Frankreich führt im Naturkostfachhandel aber auch im konventionellen Lebensmitteleinzelhandel kaum noch ein Weg an Unverpackt vorbei. Der französische Marktführer für den Vertrieb von Bio-Erzeugnissen, die genossenschaftlich organisierte Biocoop, erreicht inzwischen 12 Prozent ihres Umsatzes mit Unverpackt-Produkten – Obst und Gemüse nicht mitgezählt. Und die konventionellen Supermarkt-Ketten bieten mindestens in der Hälfte ihrer Filialen ebenfalls ein Unverpackt-Sortiment an.

In Frankreich erzielte der Umsatz mit Bio-Unverpackt-Produkten im Jahr 2018 etwa 650 Millionen Euro (Quellen: Biolinéaires, Observatoire Vrac 2019). Die Wachstumsschätzung für 2019/2018 beträgt sogar ein Plus von 30 Prozent. Der überwiegende Umsatz fand dabei mit 386 Millionen Euro im Bio-Fachhandel statt, gefolgt von konventionellen Lebensmitteleinzelhandel mit 170 Millionen Euro und den Unverpackt-Läden (47 Millionen Euro).

Burghard Schaer, Geschäftsführer des deutsch-französischen Beratungsunternehmen für Nachhaltigkeit in der Lebensmittelversorgung Ecozept, gab auf der Biofach 2020 einen Überblick über Unverpackt und Bio im französischen Lebensmittelmarkt. Im LEH sei das Unverpackt-Sortiment mindestens zu einem Drittel Bio, der Anteil gehe hoch bis zu 80 Prozent. Je nach Kette sei die Hälfte bis 90 Prozent der Märkte mit Unverpackt-Sortimenten ausgestattet, wobei die Tendenz rasch steigend sei. Einige Märkte beeindruckten mit Unverpackt-Wänden mit bis zu 400 Behältern. Flüssige oder Non-Food-Waren seien aber im LEH immer noch selten zu finden.

Im französischen Biofachhandel schwanke der Anteil der unverpackten Waren von vier bis über 20 Prozent, vereinzelt seien sogar über 40 Prozent zu finden. Hier bieten immer mehr Läden auch flüssige Produkte zum Selbstabfüllen an, etwa Öle, Säfte, Essig usw. Auch Kosmetik und Haushaltspflegeprodukte würden immer häufiger zum Selbstabfüllen angeboten.

Die große Kette Biocoop (600 Läden) biete zirka 400 Produkte unverpackt an und erreiche damit einen Umsatzanteil von 12 Prozent, vier davon mit Non-Food. Genauso viele Unverpackt-Artikel finde der Kunde zum Beispiel beim kleinen Côté Nature (sechs Läden); hier liege der Umsatzanteil bei sechs Prozent. Ebenfalls sechs Prozent erreiche die Kette L’Eau Vive mit ihren 73 Läden, die gar 1.000 Artikel unverpackt anbiete.

Die Hälfte aller im BioPanel 2019 befragten Fachhandelskunden gab an, bei jedem Einkauf unter anderem Unverpackt-Produkte zu kaufen. Auch hier schlägt der Regional-Trend zu: Dreiviertel aller Käufer wollen lokale Produkte im Angebot sehen. Ansonsten stehen auf der Wunschliste mehr flüssige Körperpflege- und Haushaltspflege-Produkte und fertige Mischungen, etwa zum Brotbacken oder für das Müsli. Die Beststeller im Unverpackt-Sortiment sind die Trockenfrüchte, bei den flüssigen Angeboten Öl und bei Non-Food die Haushaltspflege-Produkte.

Elke Reinecke


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