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Geflügel

Die größten Player im Bio-Geflügel-Markt

Überblick über Lieferanten und Handel

Die Deutschen greifen beim Fleisch nach Schwein am liebsten zu Geflügel. 2014 produzierten Bio-Bauern mit 17.530 Tonnen Geflügelfleisch 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Doch wer sind die größten Bio-Geflügelproduzenten hierzulande und in anderen europäischen Ländern? Und wer von ihnen versorgt LEH und Bio-Fachhandel in Deutschland? Ein Überblick.

Hähnchen- und Putenfleisch

Die größten Anbieter für Bio-Hähnchen- und Putenfleisch für den deutschen Markt sind Hubers Landhendl im österreichi­schen Pfaffstätt und Biofino in Emstek bei Cloppenburg. Letzterer beliefert hauptsächlich den LEH in Deutschland, wie Rewe und Edeka. In Süddeutschland versorgt Hubers Landhendl unter anderem Kaufland und Aldi Süd mit Hähnchen- und Putenfleisch. Das Unternehmen gehört seit letztem Jahr zur Schweizer Coop-Tochter Bell Food Group.

Freiland Puten Fahrenzhausen ist Marktführer für Geflügel im Bio-Fachhandel und schlachtet seine Puten unter anderem im mecklenburgischen Severin. Außerdem sind seine Produkte bei Bio-Supermärkten wie Alnatura, kleinen Fleischmanufakturen, Kantinen und der verarbeitenden Fleischindustrie gelistet.

Zu den größten regionalen Geflügelfleischanbietern zählt die Bio-Metzgerei Bühler im Allgäu, die Teil des Unternehmens Feneberg ist. Neben den 75 Feneberg-Märkten beliefert sie auch Edeka Südwest und weitere konventionelle Märkte.

Schröders Bio-Fleisch- und Wurstwaren in Schwarzenbek beliefert norddeutsche Händler mit Puten- und Hähnchenfleisch. Gackerle im schleswig-holsteinischen Ahrensburg versorgt viele konventionelle Märkte wie regionale Edekaner sowie die Dennree-Eigenmarke ‚Königshofer‘. Sein Geflügelfleisch bezieht das Unternehmen von den Königshofer Vertragsbauern, die zu Dennree gehören. Thönes Natur im nordrhein-westfälischen Wachtendonk beliefert mittelständische Metzger und Märkte in Westdeutschland und Berlin. 

Stauß Geflügel in Ertingen schlachtet, zerlegt und verarbeitet seit über 15 Jahren alle Bio-Geflügelsorten. Der Anbieter bezieht seine Tiere von Familienbetrieben aus Bayern und Baden-Württemberg, die ihren Hof ausschließlich in Eigenverantwortung nach Naturland- oder Bioland-Richtlinien betreiben. Zu den Kunden zählen der LEH, Caterer, Kantinen und Großhändler.

Geflügelwurst 

Biofino, Hubers Landhendl und mb-Vermarktung in Schwäbisch Hall sind die größten Belieferer der verarbeitenden Wurstwarenindustrie.
Die westfälische Fleischwarenfabrik Wiltmann versorgt den klassischen LEH von Tengelmann über Rewe bis Aldi mit rund 700 Tonnen Bio-Geflügel-Wurst im Jahr. Einen weiteren Teil deckt die Mühlen Gruppe mit ihren Töchterunternehmen Könecke und Böklunder ab. Der Starnberger Fleischverarbeiter Houdek beliefert Aldi Süd. Ludwigsluster Fleisch- und Wurstspezialitäten versorgt unter anderem Dennree, Edeka, Famila, Markant und Real mit weiteren kleinen Mengen Geflügelwurst.

Hähnchen- und Puten-Produktion in Zahlen

Nach Schätzungen von Brancheninsidern produziert Biofino rund 45.000 Hähnchen und 4.000 bis 5.000 Puten pro Woche. Hubers schlachtet rund 50.000 Hähnchen. Die Süddeutsche Truthahn AG veredelt 3.500 Puten für den Eigengebrauch, knapp 1.000 gehen an Feneberg. Feneberg schlachtet wöchentlich bis zu 10.000 Hähnchen. Fahrenzhausen liegt bei 15.000 bis 20.000 Hähnchen und bei zirka 3.500 Puten. Thönes Natur produziert rund 2.000 Hähnchen pro Woche, während die Bio-Fleischerei Schröders zwischen 5.000 und 6.000 Hähnchen und bis zu 800 Puten verarbeitet.

Bio-Wassergeflügel

Thönes Natur, Feneberg und mb-Vermarktung sind die größten deutschen Anbieter von Bio-Wassergeflügel. Letzterer bezieht seine Gänse von regionalen Landwirten und aus Polen, während Fenebergs Gänse am Bodensee gemästet werden.

Blick ins europäische Ausland

Europäischer Marktführer von Bio-Wassergeflügel ist Dansk And in Dänemark mit 100.000 Enten pro Jahr. Bodin schlachtet jährlich über 80.000 Enten. Europas größter Gänse-Erzeuger Eco Anser aus Polen schlachtet in der Saison rund 10.000 Tiere. Das Futter bezieht er aus Deutschland.

Die größten Bio-Geflügelproduzenten im europäischen Ausland haben ihren Sitz in Italien, Frankreich und Belgien. So liefert das belgische Unternehmen Plukon Insider-Angaben zufolge 30.000 bis 40.000 Hähnchen pro Woche in den belgischen und holländischen Markt, dort vor allem an Albert Heijn.

Der französische Geflügelverarbeiter Bodin schlachtet wöchentlich 50.000 Hähnchen im eigenen Betrieb. In Italien, wo die Nachfrage nach Bio-Produkten seit letztem Jahr deutlich steigt, ist Fileni größter Bio-Geflügelproduzent. Er schlachtet 60.000 bis 70.000 Hähnchen und 3.500 Puten für den LEH, von Coop bis Aldi.

In Dänemark produziert der Konzern Rose Poultry wöchentlich 25.000 Hähnchen. Die schwedische Firma Kronenvogel liegt bei ähnlichen Zahlen und beliefert den schwedischen LEH. Uomi versorgt die finnischen Märkte mit rund 10.000 Hähnchen pro Woche. 

Die stärksten Märkte für den europäischen Vertrieb von Bio-Hähnchenfleisch gibt es in Dänemark, Schweden, Italien, Frankreich, Österreich und Deutschland. Pute wird hauptsächlich in Italien, England und Deutschland nachgefragt.

Fleisch von Legehennen

Laut Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) hielten deutsche Bio-Landwirte 2014 4,2 Millionen Bio-Legehennen. Diese werden nach zwölf oder 18 Monaten geschlachtet und als TK-Produkte angeboten. Ihr Fleisch wird meist als Topping für Salate und Pizzen, für Tütensuppen oder Brühe verwendet. Eine kontinuierliche Versorgung des Handels mit Althennenfleisch ist wegen der erhöhten Nachfrage nach Eiern vor Weihnachten und Ostern jedoch nicht gegeben.

Der größte Bio-Althennen-Schlachter ist geti wilba in Bremervörde. Er verarbeitet 1,5 Millionen Althennen aus Deutschland (1 Mio.), Österreich und Holland. Der Schlachthof Severin und das dort angesiedelte Unternehmen Bio Geflügel Mecklenburg beliefern unter anderem Dennree mit gefrorenen Alt­hennen aus dem eigenen Schlachtbetrieb.

mb-Vermarktung ist der größte Zwischenhändler für Hühnerfilet in Europa. Jedes Jahr vermarktet er rund 140 Tonnen Bio-Hühnerfilets aus Deutschland, Italien und Schweden.

Preisunterschiede im Handel

Beim Vergleich der Bio-Geflügel-Preise im Handel wird sichtbar, dass Aldi einen Aufschlag von 16 Prozent auf den Einkaufspreis macht, Edeka und Rewe 35 Prozent und der Naturkosthandel 100 Prozent. Die Differenzen kommen durch die unterschiedlichen Handelsstrukturen zustande. Die Abgabepreise des Handels für die Erzeuger bleiben gleich.

Sina Hindersmann


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