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Zentralasien

Bio-Paradies Kirgisistan

Angela Merkel weilte zum Staatsbesuch in Kirgisistan und weckte in dem muslimischen Land hohe Erwartungen auf wirtschaftliche Hilfe. Die deutsche Kanzlerin hat den Weg bereitet:  Ein Besuch des Landwirtschaftsministers Christian Schmidt wird folgen. Für 2017 hat sich Entwicklungshilfeminister Gerd Müller angekündigt.

Unberührte Natur, der größte Walnuss-Wald der Welt, wilde Äpfel, Aprikosen, Pflaumen, Kapern und Pistazien sind die Schätze des mittelasiatischen Staates. Ohne ausländische Käufer wird der Schatz nicht adäquat genutzt werden können.

Während der seit März zusammen mit der GIZ geplanten Redaktionsreise des bioPress-Magazins nach Kirgisistan sollte ein Bio-Kongress stattfinden mit Entwicklungshilfeminister Müller. Der überraschende Besuch von Kanzlerin Merkel und ihre Ankündigung intensiverer Zusammenarbeit hat die ursprüngliche Planung über den Haufen geworfen. Etliche Inhalte des Kongresses wurden auf nächstes Jahr verlegt, um die Diskussion mit dem deutschen Landwirtschaftsminister nicht vorwegzunehmen. Kirgisistan hofft, dass Agrarminister Schmidt konkrete Hilfen für das Land mitbringt.

Zehntausende kleiner Bauern bearbeiten unbelastete Flächen zum Teil noch per Hand und verstehen nicht, warum sie sich auf eine teure Bio-Zertifizierung einlassen sollen. Einige Akteure haben begriffen, dass nur über das Labeling der Zugang zum europäischen Markt möglich ist. Es genügt nicht, den Export zu fördern. Die Geschichte einer Kulturlandschaft, wie sie in Deutschland nicht mehr existiert, muss erzählt werden. Dann bietet sich die Chance, die Existenz tausender Bauern zu sichern, und sie nicht zu reinen Rohstoff-Lieferanten zu machen, an denen andere das meiste Geld verdienen.

Also heißt es Kompetenz entwickeln und Wertschöpfungsketten für größere Mengen aufbauen, um ein verlässlicher Lieferant zu werden.  Als zweites Standbein müssen regionale Spezialitäten marktfähig gemacht werden. LKW’s bringen Ware für rund 7.500 Euro Frachtkosten von Europa nach Kirgisistan. Kirgisische landwirtschaftliche Produkte für die Rückfracht halbieren dann die Frachtkosten. Die DHL-Tochter in Bishkek bringt, wenn nötig auch gekühlt, Ware zu akzeptablen Bedingungen nach Europa. Auch kleine Mengen in Paketen, die Spezialitäten zu Multiplikatoren oder direkt zu Haushalten bringen, sind ebenfalls möglich. Der Kilo-Transportpreis liegt dann unter einem Euro. Einige kirgisische Geschäftsleute haben das Potential erkannt und mit der Bio-Vermarktung begonnen.

Anton Großkinsky


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