Start / Ausgaben / bioPress 85 - Oktober 2015 / Kräuter- und Früchte-Tee als Basissortiment

Tee

Kräuter- und Früchte-Tee als Basissortiment

Kräuter auf dem Vormarsch

Kräuter- und Früchtetees gehören seit jeher zum Stamm eines Bio-Angebots. Die Auswahl reicht von Klassikern wie Pfefferminze oder Hagebutte bis zu aufwändigen Mischungen. Tees mit besonderer ernährungs- oder gesundheitsfördernder Wirkung gehören genauso dazu wie solche mit Wellness-Charakter. Wer mit mehr Service punkten will, ergänzt das Grundsortiment an schnelldrehenden und praktischen Beuteltees durch lose Ware.

Was Kunden bei Kräuter- und Früchtetees zu Bio-Ware greifen lässt, ist vor allem der gesicherte pestizidfreie ökologische Anbau der Zutaten. Schließlich gehört die große Kanne Tee in vielen Haushalten fest zum Tagesablauf. Und bei Tees, die aus gesundheitlichen Gründen wie Halsschmerzen, Magenproblemen oder zum Säureausgleich aufgebrüht werden, erwarten Verbraucher Schadstofffreiheit. Ätherische Öle und andere Wirkstoffe sollen bestmöglich erhalten bleiben, was durch eine schonende Ernte und Trocknung sowie achtsames Mischen und Verpacken möglich ist. Und: Der Geschmack wird bei hochwertigen Bio-Tees nicht durch künstliche aromatisierende Zusatzstoffe aufgepeppt.

Die meisten Bestellungen erfolgen im Vorfeld der Herbst- und Wintersortimentsbestückung. Ein dekoratives Display wird oft gleich mit geordert. Kräuter- und Früchtetees sind aber auch ganzjährig gefragt. Dabei stellt sich für die Kaufleute stets die Frage, welche Tees in den kommenden Monaten besonders gut laufen könnten. Aktuell kristallisiert sich klar ein Trend zu Kräutertees heraus.

Ein Grund dafür liegt darin, dass gerade Kräuter zu Recht als bewährte Heilpflanzen bei allen möglichen Gesundheitsbeschwerden gelten. Zum anderen spielt sicher auch die Sehnsucht vieler Menschen nach Tradition und Heimat eine Rolle – wenn Duft und Geschmack einer dampfenden Tasse Tee Erinnerungen an früher wecken. An Zeiten, wo vielleicht die Großmutter auf dem Speicher noch selbst geerntete Melisse, Kamille und Co. trocknete.

Die Beliebtheit geht einher mit einer gewachsenen Lust am Ausprobieren, im Winter zum Beispiel von heißen Tee-Punschvarianten oder im Sommer von erfrischenden Tee + Saft-Kreationen. Viele Anbieter liefern passende Ideen auf Rezeptkarten, der Homepage oder in ihren Social Media Portalen. 
Ein Sortiment mit vielen Untergruppen
Das Bio-Angebot überzeugt durch eine beeindruckende Sortimentsbreite und -tiefe. Zwar gibt es oft Überschneidungen, doch lässt sich die Auswahl grob in die folgenden Untergruppen gliedern:

-Monotees
-Kräutermischungen/ Früchtemischungen/ Kräuter-Früchte-Mischungen
-Mischungen mit Blüten
-Mischungen mit Gewürzen oder Kakaobohnen
-Mischungen mit Rooibos- oder Honeybush-Tee
-Mischungen mit Grüntee (nicht coffeinfrei)

Bei der Angebotsform dominieren Beutel, vor allem im Bereich Wellness- beziehungsweise Gewürztee. Manche Anbieter ergänzen die bekannten Tassenbeutel dabei mit großen Kannen- oder Pyramidenbeuteln, in denen sich das charakteristische Aroma von Blättern und Blüten besser entfalten kann. In dieser Hinsicht am besten geeignet sind allerdings lose Tees.

Viele etablierte Lieferanten bieten diese daher zusätzlich, bei manchen Sorten auch ausschließlich, an. Während manche Hersteller Klarsichtpackungen bevorzugen, die die Sicht auf die einzelnen Blätter und Blüten ermöglichen, setzen andere undurchsichtige Papiere ein. In diesem Fall steht der Schutz der Waren  vor lichtbedingten Qualitätsverlusten im Vordergrund.

Wo und was sucht der Verbraucher?

Absatzmärkte sind der Naturkostfachhandel, Reformhäuser und Lebensmitteleinzelhandel sowie Discounter, Apotheken und Drogerien, Gastronomie, Catering und Hotellerie. Obwohl nur wenige Anbieter alle Vertriebskanäle bedienen, zeugt die Auflistung doch von einer generell breiten Kundenstruktur. Welche Kunden die Hersteller mit bestimmten Sorten vielleicht besonders ansprechen wollen, zeigt sich an der

Aufmachung:

So greifen weniger interessierte, zweckorientierte Käufer sowie Gewohnheitskäufer meist ohne großes Überlegen zu Tees, die nach der verwendeten Pflanzenart oder bekannten Kombinationen benannt sind. Das sind Pfefferminze, Hagebutte oder das klassische Trio Fenchel-Anis-Kümmel, ebenso wie als solche ausgelobte Kindertees. Sorten, die bei bestimmten Ernährungs- oder Gesundheitsproblematiken empfohlen werden – beispielsweise Brennnessel mit entwässernder Wirkung oder Salbei zur Linderung von Heiserkeit – gehören teilweise in diese Gruppe.

In Form von Arzneitees fallen sie dagegen in den Bereich der Spezialtees. Ähnlich ist es bei Tees, deren bevorzugtes Einsatzgebiet in der Bezeichnung deutlich wird wie Basen- oder Fastentee. Schließlich gibt es noch die genussorientierten Kunden und die, die gern etwas Neues ausprobieren. Diese lassen sich schon am Point of Sale gern von emotionalen Namen, auffallenden Verpackungen oder innovativen Rezepturen ansprechen.

Treuepunkte für Qualität und Vertrautes

Tee wird regelmäßig nachgekauft. Wenn das Preis-Leistungsverhältnis stimmt, zeigen viele Verbraucher dabei eine große Markentreue. Besonders deutlich wird dies bei Haustees, Basentees oder Frühstückstees, wie sie viele etablierte Hersteller nach hauseigener Rezeptur und meist als lose Ware dauerhaft anbieten.

Ob Lebensbaum, Wurzelgräbers Blütenparadies, Herbaria, Heuschrecke, Sonnentor oder Alvito - stets handelt es sich um ein gut überlegtes Potpourri aus aromatischen Kräutern und Blüten. Typisch für die Bio-Mischungen ist, dass sie auch selten gewordene Pflanzenarten wie Tausendgüldenkraut, Frauenmantel oder grünen Hafer enthalten.

Trotzdem haben auch Newcomer und kleine Anbieter durchaus eine Chance auf dem engen Markt. Das beweisen die Wellnessel und Gourveine. Während sich erstere auf Brennnessel spezialisiert hat, steht bei Gourveine Zitronenverbene (Verveine) im Zentrum: Zwei wieder sehr populär gewordene Kräuter mit dem Vorteil, auch regional angebaut werden zu können.

Stichwort regional: Dem Wunsch der Verbraucher nach bekannten, altvertrauten Zutaten kommen Bio Kräuter- und Früchtetees bis auf die erwähnten Raritäten schon per se entgegen. Einige Anbieter greifen diesen Aspekt verstärkt auf. So gibt es etwa von Ökotopia die Linie ‚um uns herum’ mit Kräutern und Blüten aus bestimmten Biotopen wie Hecken, Wiesen oder Wäldern.

Lebensbaum, mit rund 90 Kräuter- und Früchtetees Marktführer im Fachhandel, hat unter dem Namen ‚regionale Schätze’ gerade vier neue Kräutertees herausgebracht. In diesem Fall wird der Begriff regional im genauso gerechtfertigten Sinn von regionstypisch verwendet: Beispielsweise enthält die ‚Bergfrische’ überwiegend aromatische Bergkräuter aus Österreich, für ‚Küstenwind’ stammen Zutaten wie etwa Sanddorn aus dem ehemaligen Pommern.

Mit Mehrwert: für Gesundheit und Wohlbefinden

Dem stark vom gewachsenen Gesundheitsbewusstsein beeinflussten Erfolg kommen die Hersteller mit einer entsprechenden Sortimentsbreite entgegen. Im großen Bio-Teesortiment von Salus, finden sich allein 40 Monokräutertees und 20 Kräutermischungen. Viele haben Arzneimittelqualität und bieten sich insofern für spezielle Indikationen an: Bronchial- Tee, Magen-Darm-Tee oder Nerven-Tee.

Die Anforderungen an Arzneitees (mit Zulassungsnummer) sind nicht nur streng in puncto Rückstandskontrollen. Vielmehr schreibt das Europäische Arzneibuch zugleich vor, welche Pflanzenteile verwendet werden dürfen und wie rein diese bzw. wie hoch die Wirkstoffmengen sein müssen. 

Einige Anbieter wie Himmelbauer oder Lebensbaum, ergänzen ihr(e) Bio-Zertifikat(e) auch durch eine Produktion nach dem IFS-Standard. Dabei kommt es nicht unbedingt auf die Größe an. So ist die Auswahl bei Himmelbauer zwar deutlich kleiner, wird aber schon seit Jahren mit Erfolg in vielen Supermärkten und Apotheken vertrieben.

Vielleicht noch mehr als offizielle Qualitätszeichen schätzen es viele Verbraucher, wenn der gesamte Produktionsprozess vom Anbau bis zur Verpackung in einer Hand liegt. Ohne eine  optimierte und erprobte Logistik geht das weder bei großen noch bei kleinen Anbietern, weder bei reinen Tee-Herstellern noch bei solchen, die zugleich mit Gewürzen handeln.

So bezieht Salus Grünen Hafer von Partnerlandwirten am Chiemsee oder Pfefferminze, Melisse und Fenchel von einer Erzeuger-Gemeinschaft aus Hessen. Im Werk werden alle Rohstoffe mit Quellkohlensäure und unter Druck von Schädlingen befreit, sortiert, geschnitten, gereinigt und gesiebt. Moderne Mischanlagen übernehmen anschließend die Herstellung und Verpackung der jeweiligen Rezepturen.

Die schonende und sorgfältige Verarbeitung steht bei den handwerklich orientierten Bio-Anbietern hoch oben auf der Prioritätenliste. So werden die fragilen, getrockneten Zutaten unter anderem bei Wurzelgräbers Blütenparadies (Wurdies) und bei Kräutergarten Pommerland nach wie vor von Hand abgefüllt. Wieder bildet ein Netzwerk an qualitätsorientierten Bio-Erzeugern die Basis.

Tees für alle Lebenslagen

Bei den Teemischungen, die sich eher bestimmten Zeiten, dem Wellness-Bereich oder Gefühlswelten zuordnen lassen, sorgt ein schier unerschöpflicher Ideenreichtum der Anbieter für stetigen Absatz. Passend zu Bezeichnungen wie Advents- oder Morgentee, Klosterkräuter- oder Keltentee, Fasten- und Detoxtee, wählen die Hersteller die jeweiligen Rohstoffe und deren Mischungsverhältnis. Bezeichnend für solche Thementees ist außerdem, dass sie oft Gewürze enthalten oder mit teeähnlichem, aber koffeinfreien Rooibos oder Honeybush kombiniert werden.

Statt dabei nur experimentell zu arbeiten, liegt die Produktentwicklung nicht selten in den Händen von Kräuterexperten. Beispielsweise lässt Wurdies Gründer Thomas Jäkel sein Wissen als Hildegard-Gesundheitsberater bei den Rezepturen mit einfließen und hinter den Pfefferminz-freien Mischungen von Heuschrecke steht Trees Boeke, die unter anderem Gründerin eines biodynamischen Kräuteranbaubetriebs in den Niederlanden ist. Ähnlich bei Pukka Herbs und Yogi Tea, deren Teemischungen profunde Kenntnisse des Ayurveda beziehungsweise Yoga zugrunde liegen.

Aktuelle Trends greifen die Anbieter ebenfalls in ihren Rezepturen auf. Der Hang zu besonderen Qualitäten findet seine Antwort in speziellen Kräuterunterarten wie Nanaminze, Weißer Melisse oder Anis-Ysop. Sofern diese auch geschmacksrelevant sind, lassen sie sich gut bei der Kundenansprache hervorheben.

Bei Hopfen handelt es sich um eine Zutat, die Kräuterexperten schon lange nutzen. Momentan sorgen die frischen Dolden als innovative Zutat in manchen Kaltgetränken für Aufmerksamkeit.  Potenzial zum Dauergast hat Grüntee, den man neuerdings häufiger in der Kombination mit Kräutermischungen findet. Ähnlich der ebenfalls unfermentierte grüne Rooibos, wenngleich diesen nur wenige Anbieter führen.

Schließlich hat auch das Thema Superfruits seine Spuren hinterlassen. Ein gutes Beispiel findet man in Form der ayurvedischen Gewürzteemischung ‚Frischer Geist’ von Yogi Tea mit Minze, Vanille- und Kakaoschalen, der auf der Biofach-Messe gleich als bestes Neuprodukt in der Kategorie Getränke ausgezeichnet wurde.

Naturbelassene Bio-Früchtetees nicht vergessen

Der Markt für Früchtetees entwickelt  sich zwar weniger dynamisch, doch bilden sie einen festen Bestandteil im Bio-Sortiment. Sieht man von speziellen Sorten wie Bachblütentees ab, spielt bei diesen in der Regel der sensorische Gesamteindruck die wichtigste Rolle. Viele der typischen Fruchtstückchen sind für sich allein jedoch relativ farb- und aromaschwach.

Als Hauptbestandteil in Mischungen verwenden Bio-Hersteller daher gern die kräftig roten Malven- oder Hibiskusblüten und vitaminreiche, aromatische Hagebutten. Wenn dann Apfel- oder Erdbeerstückchen, Apfelsinenschalen, Sanddornbeeren, Hagebuttenschalen, süße Brombeerblätter und mehr dazukommen, ergibt sich insgesamt ein rundes, nuancenreiches Aroma. Und das auch ohne zusätzliche Aromastoffe. Einige wenige Hersteller verstärken den Geschmack dennoch durch beigefügte natürliche Aromen, was laut Öko-Verordnung auch erlaubt ist. Rooibos Tee mit natürlichem Bio-Caramel- oder mit natürlichem Orangenaroma wäre ein typisches Beispiel

Sowohl Bio-Kräuter- als auch Früchtetees verdienen bei der Qualität ein sehr gut. Das beweisen Verkostungen, Monitorings und Untersuchungen immer wieder und zwar beim Geschmack wie auch bei der Schadstofffreiheit. 
Andererseits wachsen die verwendeten Pflanzen nicht im Glashaus: Vereinzelt wurden bei den für Bio vorgeschriebenen vielen Kontrollen Rückstände entdeckt, etwa von Chlorat oder Perchlorat. Das dürfte primär auf Kontaminationen von außen zurückzuführen gewesen sein. Die Tatsache an sich spricht aber einmal mehr für eine lückenlose Nachvollziehbarkeit der Prozesskette.

Bei manchen Zutaten müssen die Hersteller zwangsläufig auf Importware zurückgreifen. So  wachsen Rooibos und Honeybush ausschließlich in Afrika. Bio-Anbieter verbinden mit dem Bezug aber zugleich einen sozialen Aspekt, indem sie zum Lebensunterhalt der Kleinbauern und Kooperativen wie der angesehenen Wupperthal Original Rooibos - und der Heiveld Cooperative beitragen.

Zu den Zutaten mit einem sozial-ethischen Mehrwert gehören auch Hibiskusblüten, manche Minzesorten und Lemongras. Die Anbieter von Bio-Tees und Fair-Handelsgesellschaften pflegen auch hier feste Partnerschaften, beispielsweise mit der Sekem-Organisation in Ägypten.

Bettina Pabel
 


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