Start / Ausgaben / BioPress 78 - Januar 2014 / Green-washing ernst genommen

Nachhaltigkeit

Green-washing ernst genommen

Ökologische Wasch-, Putz- und Reinigungsmittel sind konsequent nachhaltig

Bio-Lebensmittel können Verbraucher längst auch im konventionellen Handel in breiter Auswahl kaufen. Anders sieht es bei ökologischen Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln (WPR) aus. Doch immer mehr Menschen schauen über den Tellerrand und wünschen sich in diesem Bereich ebenfalls vertretbare, grüne Produkte.

Kaufleute, die auf eine nachhaltige Geschäftsführung Wert legen und diese glaubhaft nach außen vertreten wollen, nehmen daher diese Warengruppe in den Blick. Zumal Verbrauchermärkte neben Drogeriemärkten die wichtigste Einkaufsstätte für WPR sind. Und warum nicht gleich auch als Großabnehmer das eigene Geschäft mit Öko-Reinigern in Schuss halten?

Nach Angaben des Industrieverbands Körperpflege und Waschmittel (IKW) in Frankfurt gab jeder Haushalt im Jahr 2012 durchschnittlich 63,50 Euro für Haushaltspflegemittel aus. Das entspricht einem Gesamtbetrag von über 4,3 Mrd. Euro.

Wie sich speziell der Markt für grüne WPR im Lebensmitteleinzelhandel (ohne Aldi, Lidl, Norma) entwickelt, hat jetzt das Marktforschungsinstitut IRI untersucht. Allerdings zählt IRI auch herkömmliche Marken wie Frosch oder Terra dazu.

Während der Umsatz mit WPR insgesamt gesunken ist, haben die ökologischen Produkte danach mit neun Prozent deutlich zugelegt. Weiter hat die Marktstudie gezeigt, dass grüne Produkte in allen Kategorien wachsen. Besonders umsatzstark waren wiederum Universalwaschmittel, Maschinen- und Handgeschirrspülmittel (Geschirrspülmittel plus 13,3 Prozent).

Ebenfalls interessant: Grüne Reiniger, deren Absatz deutlich weiter gestiegen ist, machen inzwischen schon fast zwölf Prozent der Kategorie aus.

Ökorohstoffe überzeugen in der Leistung

Die gesamte Branche steht unter dem Druck steigender Rohstoff- und Energiekosten. Eine Chance, um trotzdem am Markt erfolgreich zu sein, ist Innovationskraft gepaart mit Nachhaltigkeit. Immerhin sum­miert sich allein der Waschmittelverbrauch auf über 600.000 Tonnen pro Jahr.

Doch Nachhaltigkeit bei WPR, wie geht das? Wo beginnt sie, wo hört sie auf? Hinter welchen Produkten stehen wirklich ökologisch orientierte Hersteller? Derlei Fragen gibt es viele.

In diesem Zusammenhang kommt es auf die Inhaltstoffe an. Hier ist ein Spagat zwischen Reinigungsleistung und Umweltschutz bei Herstellung und Verbrauch gefordert.

Abgesehen vom unabdingbaren Wasser selbst, sind Tenside die wichtigsten waschaktiven Stoffe. In herkömmlichen Produkten handelt es sich meist um Stoffe aus Erdöl und anderen fossilen Rohstoffen, etwa Alkylbenzolsulfonate, Fettalkoholethoxylate oder Esterquats.

Zusätzlich zum Ressourcenverbrauch und der energieintensiven Herstellung schlagen deren schlechte biologische Abbaubarkeit und oft Aquatoxizität negativ zu Buche.

Eine ökologische Alternative stellen Pflanzenseifen und / oder Tenside dar, die auf nachwachsenden Rohstoffen basieren. Das sind vor allem moderne Zuckertenside aus pflanzlichen Ölen und Zuckern (aus Mais- oder Kartoffelstärke). Andere Hersteller setzen Zellstofftenside oder Saponine aus Seifenkraut oder Waschnussextrakt ein.

Die nachhaltigen Alternativen machen dabei nicht nur einen winzigen Anteil aus, sondern ersetzen die chemischen Stoffe komplett. Dennoch zeichnen sich Öko-WPR durch ihre gute Waschkraft beziehungsweise Reinigungswirkung aus, und das dürfte bei der Kaufentscheidung nach wie vor an erster Stelle stehen.

Ein weiterer in der Kritik stehender Inhaltsstoff ist Palmkernöl, das sich ebenso wie Kokosöl wegen seiner für die Verseifung günstigen Fettsäurezusammensetzung häufig in WPR findet. Allerdings werden für den Anbau der Plantagen immer mehr wertvolle Regenwälder zerstört, die einheimische Bevölkerung ausgebeutet oder gar vertrieben. Dieses Problem haben mittlerweile viele Hersteller im Blick.

Zumindest ein erster Schritt in Richtung Nachhaltigkeit ist hier die Verwendung von Palm(kern)öl, das den – recht laxen – Kriterien des RSPO (Roundtable Sustainable Palm­­­oil) genügt.

Bislang kaufen die Verwender Zertifikate dazu, wodurch gewisse Mengen als nachhaltige Ware eingestuft und in den Gesamtstrom eingeschleust werden. Produkte, die tatsächlich nachhaltiges Palmöl enthalten, werden vermutlich nicht vor 2015 auf den Markt kommen.

Ökologisch ausgerichtete Unternehmen verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz und setzen deshalb schon heute oft Palmöl aus kontrolliert biologischem Anbau aus Kolumbien oder Ghana ein.

Auch sonst bevorzugen sie oft ätherische Öle und andere Rohstoffe in kbA-Qualität. Andere verzichten ganz auf Palmöl und arbeiten mit Tensiden auf Rapsöl-Basis. Dieses hat zugleich den Vorteil, dass es aus Europa bezogen werden kann.

Kontinuierliche Verbesserung im Blick

Nicht nur die Tenside gelangen in der Wasserkreislauf und schaden der Umwelt. Ebenso schädlich sind die chemisch-synthetischen Zusätze, unter anderem Phosphate, Phosphonate, Schaumregulierer, chlorhaltige Aufheller, Konservierungsmittel, Duft- und Farbstoffe.

Zu den umweltfreundlicheren Alternativen der Hersteller von Öko-WPR gehören Natriumpercarbonat als Sauerstoffbleiche, Silikate beziehungsweise Zeolithe, Soda und Citrate als Enthärter und pflanzlicher Alkohol zur Konservierung.

Generell handeln die Hersteller bei der Produktentwicklung nach dem Motto: So wenig wie möglich, so viel wie nötig. Schließlich sind für eine gute Reinigungswirkung weder riesige Schaumberge nötig, noch braucht es unnötige Zusätze wie etwa Füllstoffe bei Pulverwaschmitteln.

Die ersten ökologischen Wasch­mittel kamen in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts auf den Markt. Der damalige Ansatz der Anbieter, nach dem Baukastenprinzip zu waschen, hat immer noch Gültigkeit: Die drei Hauptbestandteile, waschaktive Substanzen, Enthärter und Bleichmittel, werden separiert dosiert. So gelangt nur so viel in die Umwelt, wie je nach Verschmutzungsgrad, Wasserhärte und gewünschtem Weißgrad erforderlich ist.

 Da viele Verbraucher trotzdem zu Gewohntem greifen, steht ihnen eine wachsende Auswahl an natürlich bedufteten Öko-Produkten zur Verfügung. Duftstoffe werden jedoch eher sparsam eingesetzt. Die Verbraucher können beim letzten Waschgang problemlos noch etwas ätherisches Öl zugeben.

Nicht zu vergessen: Für Sauberkeit reicht oft allein schon die Waschkraft des Wassers, gegebenenfalls nach einer gewissen Einwirkzeit, unterstützt durch moderne Mikrofasertücher oder (Recycling-)Spülschwämme, Bürsten und etwas Körperkraft.

Eine wichtige Rolle nimmt der Energieverbrauch ein - für die Verbraucher primär während des Waschens. Es muss jedoch die gesamte Prozesskette betrachtet werden.

Die Hersteller reagieren auf diese Herausforderung mit der Verwendung von Grünstrom und energieoptimierten Produktionsverfahren, der Kaltverseifung oder der biochemischen  Tensidherstellung mit Hilfe von Hefe.

Auch bieten sie zunehmend effiziente Konzentrate an und haben Waschmittel entwickelt, die schon bei tiefen Temperaturen hygienisch einwandfrei waschen.

Genauso streben sie bei den Verpackungen eine kontinuierliche Verbesserung an. So sind heute trotz weniger Packungsinhalt nicht nur mehr Waschladungen möglich, sondern zugleich sorgen leichtere Kunststoffe für geringere Energie- und Klimakosten beim Transport. Einige Anbieter haben hier bereits auf Flaschen aus grünem PE aus Zuckerrohr umgestellt.

Sanft zur Wäsche, sanft zur Haut

Neben der Nachhaltigkeit spielen Allergene und andere hautirritierende Stoffe eine große Rolle für den Erfolg ökologischer WPR. Wie der gestiegene Absatz von ökologischen Handgeschirrspülmitteln zeigt, fühlen sich nicht nur junge Eltern angesprochen.

Immerhin reizen konzentrierte Lösungen der künstlichen Tenside generell die Haut und die Schleimhäute. Durch die starke Entfettung kann die Haut außerdem auch noch austrocknen und einreißen, was sie durchlässiger für Konservierungsmittel, Farb- und Duftstoffe oder Keime macht.

Die Hersteller von ökologischen WPR legen daher Wert auf möglichst milde und hautfreundliche Inhaltsstoffe, zum Beispiel Aloe Vera oder natürliche Milchsäure. Dazu kommt der Verzicht auf synthetische Farb- und Duftstoffe, teils auch auf Enzyme. In der Regel bieten sie auch spezielle duftstofffreie Produkte oder Neutral-Serien an.

Ganz im Sinne der Verbraucher ist schließlich noch die Volldeklaration der Inhaltsstoffe. Dies ist zwar nicht vorgeschrieben, stellt für sensible Menschen jedoch eine wertvolle Entscheidungshilfe dar. Anders als nicht geschützte Aussagen wie für Allergiker geeignet, gilt  das Gleiche für die etablierte daab-Gütesiegel des Deutschen Allergie- und Asthmabundes und das europäische Ecarf-Siegel.

Die Kriterien für Öko-WPR-Produkte werden von unabhängigen Zertifizierern garantieren. Weltweit zu finden ist das Ecocert-Siegel, das auch Lebensmittel, Kosmetikprodukte und Textilien tragen können.

Zu den Kriterien gehören eine Überprüfung der gesamten Wertschöpfungskette, Verbot von bedenklichen chemischen Transformationsprozessen in der Herstellung und Tierversuche zum Test der Endprodukte und GVO.

Für die erste Ecocert-Stufe ist kein Bio-Anteil erforderlich, synthetische Stoffe aus einer restriktiven Liste dürfen maximal fünf Prozent ausmachen. Für die zweite Stufe (Ökologische Wasch- und Reinigungsmittel hergestellt mit Biorohstoffen) müssen mindestens 95 Prozent der Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs sein und mindestens zehn Prozent aus kontrolliert biologischem Anbau stammen.

Unternehmen, deren Produkte zertifiziert wurden, müssen zudem ein Umweltmanagement-System entwickeln, um den Wasser- und Energieverbrauch zu verringern und die Abwasser- und Abfallbehandlung zu verbessern.

Im Oktober hat die Ecocert SA die IMO GmbH übernommen, deren Siegel ebenfalls auf ökologischen Produkten zu finden ist und weiterhin Gültigkeit hat. Für die IMO-Zertifizierung müssen die Inhaltsstoffe aus natürlichen und nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden, bevorzugt aus kbA. Gefordert wird unter anderem Bioabbaubarkeit der Produkte, Nanomaterialien und gentechnisch veränderte Organismen sind verboten.

Ebenso wie Ecocert verlangt auch IMO eine transparente Produktkennzeichnung und ein Engagement der Hersteller für Verbraucheraufklärung.

Das wabenförmige Ecogarantie-Label wird vom belgischen Certys verliehen. Geprüft wird nach eigenen Vergabekriterien und EU-Öko- Verordnung. Die gesamte Wertschöpfungskette sollte einbezogen werden, die pflanzlichen Rohstoffe aus biologisch kontrolliertem Anbau stammen und Produktionsabläufe ökologisch einwandfrei sein.

Verboten sind halogenierte chemische Verbindungen, petrochemische Ausgangsstoffe, Tierversuche und Gentechnik. Soziale und ökonomische Kriterien sind ebenfalls zu berücksichtigen.

Dazu kommen unabhängige Label, die den Einsatz von Grünstrom oder die günstige CO2-Bilanz bestätigen. Zu finden sind auch unbekanntere Gütesiegel wie etwa Green Brand für ökologisch nachhaltige Produkte, Dienstleistungen und Unternehmen. Und Tierschutzaspekte stehen bei dem oft verwendeten Vegan-Label der Vegan Society oder dem Leaping-Bunny (Cruelty-Free international) im Fokus.

Bettina Pabel

Tensidabbau

Zwar fordert die Tensid-Verordnung eine Mindestabbaubarkeit von 80 Prozent, doch betrifft dies nur den Primärabbau. Die Tenside müssen demnach zwar ihre Grenzflächenaktivität verlieren, aber nicht komplett in CO2, Wasser, Biomasse und anorganische Salze zerlegt werden.

Bei ökologischen Produkten sollte dagegen ein schneller, vollständiger - aerober und auch anaerober -  biologischer Abbau gewährleistet sein.

Anbieter

(ohne Anspruch auf Vollständigkeit)        

Alma Win / Klar
info@almawin.de
www.almawin.de,
www.klar.org    

Auro
info@auro.de   
www.auro.de    

Ecover   
info@ecover.de   
www.ecover.com     

Memo (Online-Handel)   
info@memo.de   
www.memo.de   

Sodasan
info@sodasan.com   
www.sodasan.com    

Sonett
info@sonett.eu   
www.sonett.eu    

Ulrich Natürlich
info@ulrich-natuerlich.de
www.ulrich-natuerlich.de

Weiss Biodienst   
Bio-Dienst@t-online.de   
www.bio-dienst.com

Tipps:

 

Öko-WPR ins Regal ist nur die halbe Arbeit, Aufklärung bei Verbrauchern und dem Verkaufspersonal tut nach wie vor Not. Die meisten müssen noch erfahren, dass bei den ökologischen Alternativen auf umweltschädliche Stoffe und GVO verzichtet wird.

Ein ideales Einstiegsprodukt sind Handgeschirrspülmittel, bei denen der direkte Hautkontakt auf der Hand liegt.

Nicht selten beruhen die negativen Wirkungen von WPR auf falschem oder unnötigem Einsatz. Mit Hinweisen wie „Ein Spritzer genügt“ auf den Verpackungen und Informationen in Werbematerialien oder Produktkatalogen leisten die Hersteller hier Abhilfe.

Nicht selten stellen sie dem Handel Fibeln, manch­mal auch Probefläschchen, zur Verfügung.

Außerdem geben Institute und Verbände im Internet oder mit Broschüren Tipps zum nachhaltigen Waschen. Etwa, dass die Wäsche mit den heutigen Waschmitteln meist schon bei 30 oder 40 Grad Celsius hygienisch sauber wird.

Für den offenen, eigenen Einsatz im Handel bieten die Hersteller in der Regel kostengünstige Großgebin­de an.


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