Start / Ausgaben / BioPress 70 - Februar 2012 / Bio-Import hält sich in Grenzen

Rohware

Bio-Import hält sich in Grenzen

Studie über Einfuhr von Bio-Rohwaren nach Deutschland

Bio-Boom geht an deutschen Bauern vorbei. So oder ähnlich wird es in der öffentlichen Meinung dargestellt. Eine Studie im Rahmen des Bundesprogramm Ökologischer Landbau stützt diese These nicht. Was in Deutschland biologisch erzeugt werden kann, wird produziert, wie Getreide und Kartoffeln. Bio-Obst und -Gemüse wird überwiegend außerhalb der deutschen Saison eingeführt. Die Forscher befragten zu einer Reihe von Produkten Importeure und Rohstoffhändler.

Deutschland erweist sich auch im Bio-Anbau als Getreideland. Der Importanteil bei Getreide beträgt nur 15 Prozent. Beim Weizen allerdings kamen 21 Prozent der Partien aus dem Ausland. Der Anteil variiert je nach Menge und Qualität der deutschen Ernte. Er dürfte überwiegend als Aufmischweizen dienen, um die Backeigenschaften zu verbessern. Die wichtigsten Lieferländer sind Italien, Russland, Kasachstan, Rumänien und die Slowakei.

Woher kommt das Bio-Tierfutter?

Bei Futtermitteln ist ein steigender Importanteil zu erwarten. 24 Prozent der Bio-Leguminosen werden eingeführt, vor allem Futtererbsen. Bei Proteinpflanzen, also Ackerbohnen und Lupinen, spielt Litauen mit Abstand die größte Rolle. Die Importe werden noch bedeutender werden, wenn die hundertprozentige Bio-Fütterung bei Bio-Schweinen und -Geflügel Gesetz wird.
Bio-Sojabohnen weisen mit 76 Prozent den größten Importanteil aller untersuchten Produkte auf.

Der Anbau in Deutschland ist zwar machbar, aber nicht ganz einfach, so dass hier noch deutliches Ausbaupotenzial besteht. Für die Ölsaaten einschließlich Sojabohnen sind Rumänien und Italien die wichtigsten Lieferländer, wobei bei Sojabohnen außereuropäische Länder wie Kasachstan, Argentinien, Indien und Brasilien eine zunehmende Rolle spielen. Soja wird in der Bio-Mast als Eiweißquelle gebraucht.

Beim Bio-Gemüse sind Möhren das absatzstärkste Produkt; sie werden auf 14 Prozent der deutschen Möhrenfläche angebaut. Das liegt weit über dem Durchschnitt von sechs Prozent Bio an der deutschen Anbaufläche. Dennoch importiert Deutschland 48 Prozent des Erfolgsprodukts Möhren. Für eine höhere Produktion in Deutschland müssten zusätzliche Betriebe Flächen hinzunehmen. Die Niederlande sind bedeutendster Lieferant von Möhren, Zwiebeln und Eiern.
Bio-Kartoffelimporte kommen vor allem aus Israel, Ägypten und Österreich. Überwiegend handelt es sich um Frühkartoffeln. 28 Prozent beträgt der Importanteil


Im Süden scheint mehr Sonne

Die sehr hohen Importraten von Fruchtgemüsen wie Tomaten (80 Prozent) und Paprika (90 Prozent) sind der ganzjährigen Nachfrage von Produkten, die in Deutschland nicht lange wachsen, geschuldet. Aus Spanien und Italien kommen vor allem Fruchtgemüse. Israel liefert neben Kartoffeln und Möhren größere Mengen Paprika und Tomaten. Bei Unterglasgemüse ist die Nachfrage nach regionaler Ware groß, so dass Anbau-Ausweitungen möglich sind.

Bio-Äpfel und Bio-Bananen sind die absatzstärksten Produkte beim Bio-Obst. Bei den Bio-Äpfeln wurden 50 Prozent im Wirtschaftsjahr 2009/10 eingeführt. Da genau in diesem Zeitraum die Bio-Apfelfläche ausgeweitet wurde und nun mit 3.000 Hektar etwas mehr als neun Prozent der gesamten Apfelfläche Deutschlands beträgt, ist bei entsprechenden Witterungsbedingungen mit einer Zunahme der deutschen Produktion und geringerem Importanteil zu rechnen. Aus Italien/Südtirol kommt ein gutes Drittel der in Deutschland verkauften Bio-Äpfel.

Die deutsche Bio-Milchmenge reicht nicht aus für die Selbstversorgung

Deutschland importiert 32 Prozent der Trinkmilch und 26 Prozent der Butter vor allem aus Dänemark und Österreich. Käse dürfte einen ähnlich hohen Importanteil haben. Andere Produkte wie Jogurt und Sahne dagegen kommen nahezu 100prozentig aus Deutschland. In Mengen umgerechnet sind das, ohne die Käseimporte zu berücksichtigen, 16 Prozent der Milch.

„Die Ergebnisse überraschen mich insgesamt nicht. Das deckt sich mit dem, was ich erwartet habe“, kommentierte Mitautor  Markus Rippin von AgroMilagro Research die Studie. Deutschland ist auf Importe angewiesen, besonders bei Produkten, die hier schwer oder nur zu einer bestimmten Saison zu erzeugen sind.

Aber es gibt auch noch Nischen. „Viele Spezialkulturen wie Leinsaat oder Amaranth werden aus Kostengründen importiert, obwohl sie hier angebaut werden könnten“, gibt Marktforscher Markus Rippin Anregungen.

Das Spezialwissen über die Kultivierung ist zum Teil verloren gegangen. Aber auch in Hohenlohe haben Bio-Landwirte vor einigen Jahren begonnen Gewürze und Senf anzubauen.

AG


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