Start / Ausgaben / BioPress 66 - Februar 2011 / Zurück zum Zweinutzungshuhn

Tierhaltung

Zurück zum Zweinutzungshuhn

Herrmannsdorfer Kunden geben Darlehen für Zucht-Projekt

Pionierarbeit leisten die Herrmannsdorfer Landwerkstätten von Karl Schweisfurth in Glonn bei München mit dem Projekt Landhuhn. Zurück zur Zweinutzungsrasse der bäuerlichen Landwirtschaft will Schweisfurth. Die Hennen legen Eier und die Hähnchen werden gemästet. Bei den modernen Hybridrassen werden jeweils die männlichen oder weiblichen Küken vergast. Da der Tierschutz in den Augen des Verbrauchers zunehmend wichtiger wird, gehen die Herrmannsdorfer auf dem richtigen Pfad in die Zukunft.

Geflügelhaltung ist mehr Industrie denn Bauerntum. Wenige Hochleistungsrassen für Fleisch oder Eier-Erzeugung sind auf dem Markt. Das gilt auch für die biologische Landwirtschaft. Bei den Mastküken werden die weiblichen Tiere getötet, da sie weniger Fleischleistung bringen, bei den Legehennen die männlichen Tiere, weil sie ebenfalls zu wenig Fleisch bringen.

Zwei-Nutzungsrassen sind in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert verschwunden. Karl Schweisfurth hat sich auf den beschwerlichen Weg in die Vergangenheit gemacht: „Wir wollen Rassen zurückzüchten, auch wenn es wirtschaftlich nur schwer darstellbar ist“. 280 Eier pro Jahr produziert eine Hochleistungshenne Henne in Bio-Haltung-Zwei-Zweinutzungshuhn gerade mal 200.

Beim Fleisch ist die Leistung ebenfalls geringer, „Sie sind schmalbrüstig“, beklagt Schweisfurth. Dabei ist die Hähnchen-Brust das gefragteste Teilstück. Allerdings glänzen sie durch kräftige Schlegel.„Die Keule ist sowieso besser als die trockene Brust. Sie hat viel saftigeres Fleisch“, informiert Fleischfachmann Schweisfurth.

50 Prozent Aufschlag zum Standard Bio-Hähnchen muss der Bio-Hungrige bezahlen, will er in den Genuss des zarten Fleisches kommen.

Kunden hat der Kaufmann auch schon anvisiert: „Die Zielgruppe der Aufgeweckten ist an dem Thema interessiert“. Schweisfurth hat das Projekt im Dialog mit den Verbrauchern entwickelt.

Herrmannsdorfer hat die Verbraucher informiert und dann ein Landhuhn-Darlehen aufgelegt. 100.000 Euro hat er im ersten Schritt eingesammelt und in das Landhuhn-Projekt investiert. Der Kunde leiht Herrmannsdorfer 300 Euro und bekommt zehn Jahre lang einmal jährlich einen Einkaufsgutschein von 40 Euro. 500 Tiere der alten Rassen Sulmtaler und Les Bleues wurden damit aufgezogen.

Die ersten Hähnchen sind verkauft und verzehrt. Das Projekt steckt noch in den Kinderschuhen, wird aber weitergeführt. Herrmanndorfer holt sich von seinen Kunden wieder ein Darlehen zur Vorfinanzierung. Im Laufe der Zucht soll die Leistung verbessert werden Mehr Brustfleisch ist ein Ziel. Schweisfurth kreuzt Les Bleues, ein vorzügliches Fleischhähnchen aus Frankreich, ein. Arbeit für die nächsten Jahre ist da.

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