Studie: Vermarktung von Brandenburger Bio-Fleisch
(ZMP/he) Vor kurzem wurde eine vom Brandenburger Landwirtschaftsministerium in Auftrag gegebene Studie zum Thema: "Untersuchungen zu strukturellen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Vermarktung von Brandenburger Biofleisch" veröffentlicht.
Die Marktstudie wurde erstellt von der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg e.V. (FÖL) und dem Institut für zukunftsfähiges Wirtschaften e.V. mit dem Ziel, bereits aktiven wie potenziellen Marktakteuren eine fundierte Grundlage für die Verbesserung des Absatzes von Bio-Qualitätsfleisch aus Brandenburger Erzeugung am Berlin-Brandenburger Markt zu schaffen. Als Grundlage für die Studie dienten Experteninterviews und -Anhörungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette sowie eine umfangreiche schriftliche Befragung aller Naturkostgeschäfte und Erzeugerbetriebe mit eigener Vermarktungaktivität in der Region Berlin-Brandenburg. Auf Basis der wichtigsten Absatzwege in Berlin-Brandenburg kann auf eine Gesamtmenge von zur Zeit zirka 150 bis 200 Tonnen pro Jahr geschlossen werden, die unmittelbar als Biofleisch- und Wurst in der Region Berlin-Brandenburg abgesetzt wird.
In der Studie wurde vor allem die Vermarktung über den Naturkosteinzelhandel und die Außer-Haus-Verpflegung als Absatzwege mit dem größten Potenzial für die Regionalvermarktung von Biofleisch- und Wurstwaren betrachtet.
Im Naturkosteinzelhandel haben sich in der Befragung folgende Schwerpunkte für eine Angebotserweiterung im Biofleisch- und Wurstwarensortiment in abnehmender Reihenfolge ergeben: Selbstbedienung, Tiefkühlbereich und Bedientheke. Im Bereich der Bedientheke ergeben sich Möglichkeiten für Existenzgründer oder Umsteller aus dem Fleischerhandwerk, da Ladeninhaber diesen Bereich lieber auslagern möchten.
Als wichtigste Handlungsempfehlung für die Außer-Haus-Verpflegung (AHV) ergibt sich aus der Studie der strukturelle Aufbau eines "Vollsortiment-Angebotes aus einer Hand". Zudem kann der Aufbau eines Außer-Haus-Verpflegung spezifischen Sortiment- und Service-Angebotes für Köche und Außer-Haus-Verpflegung Einkäufer die bestehenden Nachfragepotenziale aufschließen und für signifikante Absatzsteigerungen sorgen.
Im Bereich Schlachtung und Zerlegung wird empfohlen, die vorhandenen konventionellen Strukturen zu nutzen. Als Gründe wurden angeführt, dass durch die einseitige Förderpolitik in der Vergangenheit strukturelle Überkapazitäten mit großen Schlachtkapazitäten existieren und daher ein allgemeiner Förderstop für zusätzliche Schachtkapazitäten besteht. Daher sei eine Investition nur bedingt ratsam, da der darauf fußenden Wertschöpfungskette zusätzliche Kosten entstehen würden.
Bislang waren für die Brandenburger Bio-Tiere vor allem folgende Schlachtstätten von Bedeutung: Anklamer Fleisch- und Wurstwaren GmbH, Mecklenburg-Vorpommern, Teterower Fleisch GmbH, Mecklenburg Vorpommern, NFZ Norddeutsche Fleischzentrale GmbH Perleberg, Brandenburg, Südost Fleisch GmbH Altenburg, Thüringen. Zur weiteren Verarbeitung werden die Schlachthälften an Zerlege- und Verarbeitungsbetriebe wie LFW-Ludwigsluster Fleisch- und Wurstspezialitäten GmbH & Co.KG, die Bio-Fleischerei Feindura GmbH sowie an Lohnfleischereien abegegeben.
Der Lebendtransport in westdeutsche Bundesländer zur Schlachtung ergibt sich daraus, dass die Erfassungs- und Verarbeitungsstrukturen des Lebensmitteleinzelhandels und des Naturkosteinzelhandels sich vorwiegend dort befinden. Einzelnen Verarbeitern wie auch Markenherstellern ist es wichtig, dass Schlachtung und Zerlegung auf Grund einer besseren Rückverfolgbarkeit und Qualitätssicherung in der eigenen Hand bleiben.
Der Bereich der Zerlegung sei zwar grundsätzlich förderfähig, allerdings wird auch hier die Nutzung bestehender Strukturen empfohlen. Auch wurde im Rahmen der Analyse von den konventionellen Betrieben Interesse bekundet bei einer ausreichenden Chargengröße Lohndienste für die Bio-Branche zu übernehmen.
Die Bedienung des wachsenden Marktes im Naturkosteinzelhandel und bedingt auch der Außer-Haus-Bereich erfordern den Aus- beziehungsweise Aufbau einer eigenen Bio-Linie. Für diesen Bereich finden sich derzeit in Planung: Eine Verarbeitungsstätte des Erzeugerzusammenschlusses Müritz Seenland eG in Bollewick im Süden Mecklenburg-Vorpommerns und eine Verarbeitungsstätte der Bio-Fleischerei Feindura GmbH in Velten bei Oranienburg.
Die Bio-Fleischerei Feindura GmbH hat in Berlin-Brandenburg eine Alleinstellung in der Biofleischverarbeitung durch das Fleischerhandwerk. Es ist das einzige mittelständische Verarbeitungs- und Vermarktungsunternehmen in Berlin-Brandenburg, welches ausschließlich auf Bio spezialisiert ist und nennenswerte Mengen für den Endabnehmer verarbeitet (pro Monat zirka 16 Tonnen). In Berlin gibt es bis auf die Biofleischerei Feindura GmbH kein Fleischerfachgeschäft, welches explizit Bioware anbietet. Die Fleischereifachgeschäfte von Feindura sind mittlerweile ausschließlich als shop in shop in Biosupermärkten der bio company - Kette organisiert.
Daneben beliefert Feindura weitere Fleischereifachgeschäfte beziehungsweise Bedientheken in Verkaufsstellen anderer Anbieter. Das Umsatzwachstum des wichtigsten regionalen Biofleisch-Vermarkters Feindura betrug im letzten Jahr 25 Prozent, wobei Kapazitätsengpässe in der Verarbeitung größeres Wachstum verhindert haben.
Außerdem wird empfohlen, eine leistungsfähige Regionalmarke auf- beziehungsweise auszubauen, die das Potenzial aufweist, sich regional und überregional als Premium-Regionalmarke zu etablieren.
Für den Fachhandel existiert seit Anfang 2001 die gemeinsam von dem Berliner Bio-Großhändler Terra Naturkosthandel KG und der Biofleischerei Feindura initiierte Regionalmarke "Märkisch Bio". Die Marke wird derzeit mit einem Sortiment von 30 Artikeln vor allem mit Wurst- und Fleischartikeln im SB-Bereich eingesetzt. Inzwischen wird unter dem Label auch Thekenware angeboten, die sich an die nicht direkt von Feindura selbst als shop in shop betriebenen Bedientheken richtet. Die Vermarktung an den Naturkosteinzelhandel geschieht ausschließlich in Kooperation mit dem Terra Naturkosthandel KG.
Die vollständige Studie können Sie einsehen unter www.bio-brandenburg.de







