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Editorial Ausgabe 60/August 2009

Liebe Leserin, lieber Leser!

Auf hohem Niveau ist schwer jammern. Auch wenn Bio als Randsortiment noch vielen Unsicherheiten ausgesetzt bleibt. Unterstützung kommt von unerwarteter Seite. Aus dem Hauptquartier des weltgrößten Einzelhändlers Wal-Mart wird berichtet, dass sie zusammen mit Uni-Instituten ein weltumspannendes Clearingsystem aufbauen, das öffentlich zugänglich wird.

Hierzulande reden alle Jahresbilanzen von Nachhaltigkeit, auf die neuerdings jeder setzt – scheinbar jedenfalls. Ein echter Kraftakt wird im Umfeld von Obama geliefert. Ein Beweis, dass Politik doch etwas bewirken kann. Vorbild zu sein ist nicht out!

Wal-Mart hat mit 1.500 Lieferanten einen ersten Dialog um ökologische Kriterien begonnen und ein Programm für die Gesundung des Planeten auf den Weg gebracht. Am Ende sollen weltweit 60.000 Hersteller mit weit mehr als 120.000 Produkten stehen, die sich einem Katalog der Nachhaltigkeit verpflichten müssen.

Hierzulande wird ob solcher Perspektiven nur spekuliert, ob die Kosten für so ein Projekt tragbar sein würden. Keiner zieht den Vergleich zu den Bürgerkutschen, die durch immer mehr technischen Fortschritt für den Durchschnittsverbraucher schleichend zum Luxusgut und nicht mehr bezahlbar wurden. Auch gute Grund dafür, dass die Autos immer länger gefahren und erst spät ersetzt wurden. Lähmend für den Absatz, aber Langlebigkeit ist ein Qualitätskriterium, das der Ökologie und einem guten Image dient.

Trends wie Wellness oder Convenience haben keine nachhaltigen Auswirkungen wie Bio-Lebensmittel, die frei sind von GVO und toxischen Einflüssen. Bio erfüllt Konsumentenwünsche nach Sicherheit, Genuss und gesunder Ernährung ohne Chemie in der Natur. Produkte aus der Region boomen sich in die Köpfe, weil Nähe an Kindheit erinnert und schlechtes Gewissen verdrängen hilft. Und Produkte aus fairer Produktion erleben ungeahntes Wachstum. Beides scheint mit Bio zu korrespondieren.

Das Konsumentenverhalten ändert sich, und es entstehen differenzierte Genusswelten. Prestige ist immer weniger gefragt. Verantwortung, Zusatznutzen und Mehrwerte drängen in den Vordergrund und bilden neue Sinnmärkte. Eike Wenzel vom Zukunftsinstitut hat das aktuell beschrieben. Sinn und Genuss finden zusammen wie Lachen und Gesundheit. Eine gute Basis für fitte Kaufleute.

Die Statistiker finden mit ihrem Panel Service Übereinstimmung zwischen Krise und Konsumentenverhalten. Bio-Produkte verzeichnen einen Umsatzrückgang. Es wird getitelt: ...leicht rückläufig! So überzeugend ist der Rückgang scheinbar nicht einmal in der Krise. Beim genauen Hinschauen passen die Fakten wieder. Wer sinnvoll einkauft, verschmäht Discountgeschäfte, denen es an Nachhaltigkeit fehlt! So verlieren Discounter Bio-Umsatz erst recht in der Krise. Der Fachhandel zeigt das Gegenteil. Er kümmert sich jeden Tag um sein Bio-Sortiment, liegt daher in der Glaubwürdigkeit vorne und legt an Umsatz zu. Im Auf und Ab des Wachstums stagnierte Bio schon mehrfach, zum Beispiel 2002/ 2003, um danach um so gesünder wieder voran zu schreiten.

Vor Jahren gab es von Bio-Fachleuten schon erste Hinweise auf notwendige Preisbereinigungen. Die Preise sind vielfach überhöht - jetzt sind sie gefallen. In Supermärkten werden Bio-Preise verlangt wie im Fachgeschäft. Bio-Supermärkte liegen heute, wegen höherer Drehzahl als im Bioladen, oft schon günstiger. Da ist ein Preisrückgang nur selbstverständlich. Folge davon wird sein, dass bei akzeptableren Preisen wieder mehr gekauft wird, sobald die Talsohle durchschritten ist.

Kaufleute, die sich rüsten wollen, schauen auf ihr Sortiment. Auch mancher Bioladner muss sich im Wettbewerb mit auftauchenden Bio-Supermärkten weiter entwickeln. Moderne Bio-Produkte sind hier wie dort gefragt. Was an Vielfalt auf dem Markt ist oder gerade eingeführt wird, präsentiert die Anuga Organic und über 1.700 Aussteller mit Bioangeboten in allen Hallen. Die vierte Anuga-Sonderschau „Voll-Bio“ in Folge zeigt im Oktober auf einen Blick, was möglich ist. „Taste the Futur“ so das Anuga-Motto.

Bio ist bei den Handelsstrategen nicht mehr im Fokus. Für die Kaufleute gehören Bioangebote heute jedoch zum Angebotsalltag. Wer sich nicht selbst kümmert, findet keinen Anschluss. Das Bio-Kompetenzzentrum während der Anuga bietet interessierten Kaufleuten einen Einblick in die gefühlten Welten der Biovermarktung. Informieren Sie sich im Oktober in Köln, warum Bio so beliebt und erfolgreich ist.

Erich Margrander
Herausgeber

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