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Editorial

Editorial 24/ August 2000

Liebe Leserin, Lieber Leser!

"Gaumenschmaus und Seelenfutter", so fasst der Redakteur, Hobbykoch und Feinschmecker Hans-Jörg Schultz beim Schweizer Radio DRS in Basel sein Qualitätsbewusstsein über Essen und  Trinken feinfühlig zusammen. "Ob Tomate oder Kalbsfleisch - Bioqualität schmeckt einfach viel mehr nach dem Produkt", für das er sich entscheidet! Und so wie er diese Einstellung immer wieder hineinschmuggelt in die Sende-Gefäße seines (Ess-) Kultur-Radios, nehmen immer mehr Medien die Botschaft des Bio-Trends auf in ihre Berichterstattung.

Ob der Fernsehkoch Lafer wie selbstverständlich über den "besseren Geschmack" von Bio-Produkten mit seinen Gästen plaudert, in der Kindersendung Löwenzahn Bio- bzw. Naturprodukte, ohne aufdringlich zu wirken, als die bessere Alternative auftauchen oder Bio in Form von kostenlosem Product Placement die Fernsehserien unterwandert - immer wieder wird dem gesunden Bio-Trend das Wort geredet.

Seit auf der BIO FACH '97 unter Anregung der bioPress-Redaktion mit dem Slogan "Lust auf Genuss" oder "Bio - der bessere Geschmack" zusammen mit den Eurotoques, der Europäischen Köchevereinigung, das erste Bio-Büfett die geladenen Eröffnungsgäste und die Presse verwöhnt hat, begann der geschmackliche Siegeszug der Bioprodukte. War vorher von der fälschlicherweise nur verzichtserklärenden "Müsilfraktion" die Rede, traten seitdem neben Ökoverordnung weitere Zusatznutzen bei der Wahl von Bioprodukten in den Vordergrund. Sie lassen in der Lebensmittelwirtschaft und der Gastronomie Bioqualität zum Hoffnungsträger werden. Der Trend wurde salonfähig bei den Sterneköchen wie in der Politik - wozu auch Verpflegungs-Wochen zum Beispiel in der Kantine des Bayerischen Parlaments und viele Bio-Verkostungsaktionen beigetragen haben.

Auf gesellschaftlichen Großveranstaltungen wie den Kirchentagen wurde der Ruf nach ökologischer Verpflegung immer lauter. Liebe geht eben doch durch den Magen! Auch Nächstenliebe hat viel mit Bioprodukten zu tun. Das zeigt jetz die Aktion "Mahlzeit", die von Brot für die Welt in diesem Herbst Tausende von Großküchen erreichen wird. Unter dem Motto "Politik mit dem Kochtopf" sollen Großküchen ökofaire Gerichte auf den Tisch bringen. Auf 16 Seiten sind in dieser bioPress-Ausgabe Argumente zusammengetragen, wie Außer-Haus-Verpfleger die "Küche im Dorf lassen" und dabei "Top-Trends in der Gemeinschaftsvepflegung" aufgreifen können. "Politik mit dem Kochtopf" zeigt, wie beim überlegten Umgang mit höheren Preisen Bio doch alle satt macht, ohne dafür mehr Geld ausgeben zu müssen. Betriebe, Restaurants und Kantinen können so öffentlich zeigen, dass ihnen Qualität und Geschmack, aber auch Gesundheit, Umweltschutz und weltweite Gerechtigkeit am Herzen liegen. Mithilfe von Plakaten, Adressaufklebern, Rezeptkalendern, Informationsbroschüren, Tipps und einem Servicetelefon sollen Küchen mobil gemacht werden. Mit den Mahlzeit-Aktionswochen können sie "Gutes kochen und darüber reden".

Mithilfe der CMA konnten zirka 6.000 Adressen von Caterern und Kantinenbewirtschaftungsunternehmen, Hotels, Gasthöfe und Pensionen mit über 100 Betten, Mensen und Betriebskantinen in den Verteiler dieser bioPress-Ausgabe genommen werdn. Mit dem Fortdruck der 16 Seiten "Aktion Mahlzeit" von 20.000 Exemplaren versorgt Brot für die Welt durch ein Direktmailing weitere 6.000 Hotels, Gasthöfe und Pensionen, Altenheime und Krankenhäuser. Die übrige Auflage wird zum Teil als Einladung zum Mahlzeit-Fachforum auf der imega 2000 über Fremdenverkehrsvereine weitere Gastronomen erreichen und an Kurkliniken verschickt.

Das Projekt Mahlzeit richtet sich bewusst an Multiplikatoren der Verpflegungsindustrie, um damit das Bewusstsein für Bio mit seinen vielen Zusatznutzen weiter zu verbreiten.

Der LEH kann davon in vielerlei Hinsicht profitieren. Bio ist in LEH-Sortimenten fast schon zur Selbstverständlichkeit geworden. Da kann jeder Schub von anderer Seite die Entwicklung nur fördern.

Ein Blick auf den Zustand der Vermarktungsformen des LEH zeigt aber die Notwendigkeit neuer Strategien. Kann der LEH die Verbrauchervorstellung der besseren Qualität von Bioprodukten auch wirklich nutzen, wenn dort einfach nur Eigenmarken des Handels platziert werden ohne die rechte Kommunikation?

Ein Teil der Konsumenten ist bereit, für Bioqualität einen Aufpreis zu bezahlen, wenn die Produkte den Anforderungen entsprechen:
Geschmack, Frische, Schadstofffreiheit, Beitrag zur Gesundheit, Nährwert, Natürlichkeit, Vollwertqualität, Gentechnikfreiheit, ohne Zusatzstoffe, Allergenfreiheit, Produkthaftung, Transparenz der Transportwege, Qualitätsmanagement, Artgerechte Tierhaltung, Umweltfreundliche Verpackung und Logistik und nicht zuletzt soziale Aspekte (z.B. Fairer Handel). Kommt zu diesen vielen nützlichen Eigenschaften noch eine breite Auswahl hinzu, die, neben den Eigenmarken, nur mit Vielfalt zu erreichen ist, kann der Handel über bessere Preise auch wieder die lange vermissten Gewinne erzielen.

Einige Beispiele in dieser Ausgabe zeigen, wie erfolgreich der Lebensmittelhandel in der Vermarktung von Bioprodukten sein kann. Das Biosortiment muss dabei abgestimmt sein auf die jeweilige Käuferschicht und mit der Präsentation und der rechten Kommunikation den Nerv der Verbraucher treffen. Das gilt für das Fachgeschäft genauso wie für den Supermarkt.

Erich Margrander
Herausgeber


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