Start / Ausgaben / BioPress 41 - November 2004 / Viel Bio im kleinen Supermarkt

Tegut

Viel Bio im kleinen Supermarkt

Mit dem Format Tegut-City expandiert der Lebensmittelfilialist aus Fulda im Rhein-Main-Gebiet

Ein neues Ladenformat für die Kleinfläche mit einem hohen Bio-Anteil hat der Filialist Tegut aus Fulda konzipiert. Tegut City heißen die anspruchsvollen Märkte für die innerstädtische Nahversorgung. Mit einem Pilotmarkt in Wiesbaden testet das traditionell eher im ländlichen Raum angesiedelte Familienunternehmen im Ballungszentrum Rhein-Main das Format, denn die Großstadt ist der ideale Marktplatz für Lebensmittel aus biologischem Anbau. Die etablierten Filialisten haben aber zu schmale Sortimente, um die Nachfrage befriedigen zu können. Bei Tegut mit seinem breiten und tiefen Angebot kommt Bio im kleinen Supermarkt dagegen groß raus.

In Wiesbaden, Dotzheimer Straße, am Rande der Innenstadt, steht die überdimensionale Plastik einer Einkaufstüte. Dahinter ein Obststand im Freien vor einem Supermarkt. Hier ist seit Mai der mittelständische Lebensmittelfilialist (MLF) tegut aus Fulda zuhause. Das Vertriebsgebiet erstreckt sich von Nordhessen und Thüringen bis Nordbayern. Mit seinen guten Lebensmitteln hat das Familienunternehmen nun den Sprung in die hessische Landeshauptstadt gewagt.

7.000 Artikel, davon etwa 1.400 in Bio-Qualität, bietet der frischebetonte kleine Supermarkt auf 500 Quadratmetern an. Der Start verlief vielversprechend, wie Firmensprecherin Andrea Rehnert verlauten ließ. Der Markt ist gänzlich auf SB ausgelegt und ein Pilotprojekt für künftige Märkte des Filialisten aus der Rhön im bevölkerungsreichen Rhein-Main-Gebiet. Tegut-City nennt sich das Ladenformat und soll 2005 multipliziert werden. Etwa fünf Standorte streben die Planer in den Städten Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt an.

Tegut schließt eine Lücke


Marktleiter Jenisch vor den Kühlregalen
Marktleiter Hartmut Jenisch begrüßt täglich 1.000 Kunden, die einen Durchschnittsbon von neun Euro in der Kasse lassen. Eine hohe Frequenz und mehr als man sich in der Zentrale im Vorfeld ausgerechnet hatte. Somit stehen die Chancen für eine Multiplizierung gut. Allein die richtigen Standorte zu finden ist in dem Ballungszentrum kein leichtes Unterfangen.

Den Discountern allein will der Lebensmittelhändler mit rund 300 Verkaufsstellen die Kleinfläche jedenfalls nicht überlassen. Die Billig-Anbietern mit ihren rund 1.000 Produkten sind die modernen Nahversorger, können aber die Wünsche anspruchsvoller Kunden in kaufkräftigen Stadtlagen nicht erfüllen. Sie verlangen auch nach Produkten aus kbA, Feinkost und Spezialitäten. Mit mehr als 1.600 Bio-Produkten führt die Tegut-Großhandlung genau das Premium-Sortiment, das an diesen Standorten gebraucht wird.


Die nationalen Vollsortimenter wiederum benötigen größere Flächen, um ihr Ladenformate betreiben zu können. Die gibt es in den typischen 1B-Lage nur selten. In diese Lücke passt der neue Tegut-Markt. Raus aus der Rhön, rein ins Rhein-Main-Gebiet.

Die Wiesbadener haben Tegut schnell kennen und schätzen gelernt. Zur Eröffnung hat der Neuling in Wiesbaden mit Anzeigenwerbung und Handzetteln auf sich aufmerksam gemacht, seitdem vertraut der Filialist auf die Mund-zu-Mund-Propaganda. Und die funktioniert auch noch im Zeitalter der Massenkommunikation. Die Kundschaft ist kaufkräftig und anspruchsvoll. Sie bekommt die gesamte Bandbreite vom Einstiegsartikel, über das mittlere, bis zum oberen Preissegment.


Die Wiesbadener haben das Tegut-ABC, das Leitsystem des Handelsunternehmens, schnell gelernt. Das B für Bio im grünen Kreis auf den Preisschildern findet man auffallend oft in dem von Jenisch geleiteten Markt. Dafür ist das Bio-Depot, ursprünglich ein Block mit den Alnatura-Produkten, verschwunden. Einst ein Bestandteil der Tegut-Philosophie, pflegt die Familie Gutberlet als Betreiber seit 1995 die Sortimentsplatzierung. Der Block ist in den größeren Märkten noch als Zweitplatzierung vorhanden. Das Handelshaus hat seine Hausaufgaben gemacht und ist im dritten Jahrtausend angekommen, während andere noch den steinzeitlichen Block anpreisen. Der Verkaufserfolg in Wiesbaden spricht für die Strategie. Rund 20 Prozent der Produkte sind in Bio-Qualität, eine nicht zu übersehende Fülle. Der Umsatzanteil liegt mit mehr als 22 Prozent noch darüber.

Bio muss nicht teuer sein

Den Preisvergleich braucht Bio nicht zu scheuen. Zum Beispiel können die Rickertsen-Bio-Kerne aus Hamburg preislich durchaus neben den konventionellen Seeberger-Produkten bestehen. Die „Unsere Natur" Bio-Pizza von Wagner kostet nicht mehr als die teuerste Herkömmliche. Das gilt auch für eine Reihe anderer Produkte wie Alnatura-Teigwaren. Fleury Bio-Champagner ist sogar günstiger zu haben als der herkömmliche Cliquot. Auch Bio-Prosecco ist mit vier Euro preiswerter als manch herkömmliche Flasche.


Bio ist in allen Warengruppen vertreten. Ein Geheimnis des Erfolgs. Bei Bio-Fleisch und Getränken klaffen bei den Marktführern noch deutliche Lücken. Der mittelständische Lebensmittelfilialist hat hier einen deutlichen Vorsprung zu einem Preis, der unter dem Fachhandelsniveau liegt.

Besonders reich ist das Bio-Angebot bei der Frischware, allen voran Obst und Gemüse. 20 Prozent am Umsatz macht die Warengruppe aus. Aus bis zu 75 Bio-Artikeln kann der Käufer auswählen von der Ananas bis zur Zitrone. Da wird schon ein gewisse Breite und teilweise Tiefe erreicht: Da gibt es dann nicht eine Bio-Melone, sondern Wasser-, Honig- und Zucker-Melone.

33 Prozent der Umsätze bei O+G werden mit Bio getätigt. Das ist auch in einem internen Vergleich der Tegut-Märkte ein überdurchschnittlich hoher Wert. Teilweise wird zu Bio keine Alternative angeboten. „Wenn Bio und herkömmliche Kiwi gleich viel kosten, bestelle ich nur Bio", erklärt der Marktleiter das Vorgehen.


Bei Mopro ist die Auswahl an Bio-Produkten ebenfalls groß. Bei dieser Warengruppe ist der LEH ohnehin führend. 60 Prozent der Menge werden über diesen Vertriebskanal abgesetzt, während der NFH hier nur 25 Prozent Anteil hat. „Der kleine Strolch", geschnittener Käse von Starmilch aus Fulda, Andechser Ziegenmilch, Weißenhorner Frischkäse, Bio-Bärenmarke, Alnatura-Sahne. Was Rang und Namen hat steht im Regal. Gekühlte Convenience, ob Zimmermann frische Teigwaren oder kff-Fertiggerichte, ist ebenfalls vertreten.

Bio-Produkte aus eigener Herstellung

Bei Backwaren und Fleisch ist Tegut besonders stark, betreibt das Unternehmen doch mit Herzberger eine eigene Bio-Bäckerei und mit kff eine eigene Metzgerei, die ebenfalls eine Bio-Range herstellt. Beim Brot werden zwei Drittel der Umsätze mit Bio getätigt, frische Backwaren gibt es ausschließlich in Bio. Teilweise wird es in der Filiale fertiggebacken. Auch mit Bio-Fleisch, mit dem man sich andernorts schwer tut, hat Jenisch bisher „sehr gute Erfahrungen" gemacht. Die wöchentlichen Bestellmengen gehen hier kontinuierlich nach oben. Bei Bio-Geflügel gibt es neben dem hauseigenen kff auch die Range des Spezialisten Bodin aus Frankreich. Bei Bio-Eiern bietet der MLF neben dem Standard-Sechserpack, die Zehner-Alternative.


Bei den Trockenprodukten bildet Alnatura nach wie vor die Basis. Aber es gibt fast immer die Qual der Wahl. Beim Kaffee zum Beispiel zwischen Alnatura, Pedro, Gepa und Idee. Die Vielfalt ist beeindruckend. Auch Produkte, die man anderswo vergeblich sucht, sind erhältlich: So wird El Ceibo-Kakao aus biologischen Anbau angeboten. Auch bekannte Marken in Bio-Qualität wie die Kölln-Flocken und Goldsteig-Mozarella sind gelistet.

Andere klangvolle Namen wie Müllers Mühle sind mit ihrer Bio-Zweitmarke vertreten. Bonatura heißt sie in diesem Fall. Auch die beim modernen Verbraucher so beliebten Konserven stehen zur Auswahl: So Gemüse-Eintopf von Rothbuch oder getrocknete Tomaten von Hörrlein, um nur zwei zu nennen. Die Vegetarier hat Tegut ebenfalls schon entdeckt Saitan-Fleischersatz, Falafel und Tofu sind am POS.

Wein wird kompetent im Holz-Look präsentiert. Eine Karte am Regal gibt Auskunft über Charakter, Trinktemperatur und die passenden Speisen. Die Flaschen werden fachgerecht liegend gelagert, während sie sonst im LEH meist stehen müssen zu Lasten der Qualität. Der Preiseinstieg bei Bio liegt bei drei Euro/Liter, also durchaus erschwinglich.

Bio auch im Prepacking

Der Markt ist konsequent auf SB ausgerichtet. Auf der kleinen Fläche gibt es keine Bedienung. Käse ist außer im Selbstbedienungsregal zusätzlich im Prepacking erhältlich. Das Verpacken wird in der Filiale selbst erledigt. Das Angebot muss sich von der Selbstbedienung unterscheiden: Mit Ziegen-, Schnitt-, Hart- und Weichkäse in Bio-Qualität hebt sich das Prepacking nach oben von SB ab.


Die 30 Mitarbeiter sind hausintern in Warenkunde geschult. Jeder hat auch einen Lehrgang in Bio-Beratung hinter sich mit einem Seminar auf dem Bauernhof und einer Prüfung. Kompetenz, die nicht bei allen Lebensmittelketten vorhanden ist.

Der Markt mitten in einem Wohngebiet zählt alle Altersklassen vom Jugendlichen bis zum Rentner zu seinen Kunden. Mit elf Plätzen sind die Parkmöglichkeiten beschränkt. Dennoch hat der Filialist auch Bio-Kunden, die eine längere Anfahrt haben und hier groß einkaufen. Hell und sauber, die Regale gepflegt mit einer verbraucherfreundlichen Höhe von 1,80 Meter begegnet das Outlet seinen Kunden. TK wird überwiegend in modernen Schränken statt der Truhe angeboten. Im Kassenbereich befindet sich eine Aktionsfläche. Der Schnäppchenjäger wird allerdings nicht angesprochen. Billig gibt es woanders. Mehr Spaß macht einkaufen allerdings hier.

Anton Großkinsky


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